# taz.de -- Debütalbum von Pop-Projekt Erfolg: Ein Mann, ein Wort
       
       > Gute Aussichten für Erfolg. Der Musiker Johannes von Weizsäcker legt das
       > Debütalbum seines Berliner Kunst-Pop-Projekts Erfolg vor.
       
 (IMG) Bild: Zu Johannes von Weizsäckers Projekt gehört auch ein Damenchor.
       
       „Jetzt habt ihr alle Erfolg“, verkündet Johannes von Weizsäcker seinem
       durchmischten Berliner Publikum. Manche sind alt, manche jung, manche sehen
       aus wie der Brillenmann, der Protagonist des gleichnamigen Songs von seinem
       neuen Album, das an diesem Abend vorgestellt und gefeiert wird: das Debüt
       des Berliner Künstlers unter dem Alias Erfolg.
       
       Alles begann mit der simplen Idee, doch mal Popmusik auf Deutsch zu machen,
       weil Johannes von Weizsäcker, Sänger der Berlin-Londoner
       Experimentalpopband The Chap, das noch nie gemacht hat. Genauso, wie Musik
       allein zu basteln. Der Name „Erfolg“, der ein Konzeptalbum suggeriert, ist
       allerdings mehr ein spontaner Einfall. Der Namenszug in Times New Roman,
       der so seriös wie verwechselbar daherkommenden Standardschrift, würde sich
       bestimmt super machen in Schriftgröße 96 auf Plakaten und Plattencovern.
       
       Man muss ihm recht geben: Das tut er. Zuerst war da also dieser Name, dann
       folgte das Konzept, das intelligent und ironisch auf dem Album „Erfolg“
       verhandelt wird. Erfolg bedeutet, dass eine Anstrengung zu einem
       gewünschten Ergebnis führt. Das heißt auch, dass auf der Suche nach Erfolg
       zuerst zwei konkrete Dinge da sein müssen: ein Wunsch und ein Ziel.
       
       ## Austauschbare Unzufriedenheit
       
       Wünsche und Ziele scheinen es jedoch zu sein, die den meisten Menschen auf
       ihrem Weg zum Erfolg fehlen. Dies jedenfalls suggeriert die Titellandschaft
       der Ratgeberindustrie: Man setze austauschbare Unzufriedenheit ein, ergänze
       „und wie wir das ändern können“, und heraus kommt ein neues Howto.
       
       Von Weizsäcker findet es seltsam, dass man alles, was man angeht, mit der
       Möglichkeit des Scheiterns betrachtet, und man sich zugleich ständig als
       erfolgreich zeigen muss – ob man es nun ist oder nicht. Tatsächlich lassen
       sich die Stücke auf seinem Konzeptalbum, das als solches gar nicht geplant
       war, hervorragend mit der großstädtischen Suche nach Erfolg und Lebenssinn
       assoziieren – doch nicht mehr oder weniger als jeder beliebige andere
       Popsong, meint von Weizsäcker: „Erfolg ist alles und nichts, jedes
       Liebeslied ist am Ende über Erfolg.“
       
       Als Sozialstudie deutet man nun das Erfolgsprojekt von Weizsäckers, der in
       Berlin ganz genau hingeguckt habe. Als Kommentar zur Leistungsgesellschaft,
       in der für Scheitern nur dann Platz ist, wenn man beweist, wie gut man nach
       dem Hinfallen wieder aufstehen kann. Als Pop-Miniaturen dazu seine
       Kompositionen, die sich aus dem Fundus der Popmusik bedienen, aber
       skizzenhaft bleiben.
       
       ## Ein großartiger Musiker
       
       Ganz unrecht haben diese Lesarten von Erfolg nicht, dennoch fassen sie
       etwas zu kurz. Außer Acht gelassen wird, dass von Weizsäcker nicht nur ein
       guter Beobachter ist, sondern auch ein großartiger Musiker. Ein Großteil
       des Sounds kommt aus seinem fast symbolisch als Mitmusiker auf die Bühne
       gesetzten Laptop, doch er hat eine Gitarre dabei und zögert nicht, diese
       einzusetzen.
       
       Die Instrumentierung hält er eher simpel, denn für ihn stehen die Texte im
       Mittelpunkt. Von Weizsäcker, der bisher ausschließlich Erfahrung im
       Band-Kontext mit The Chap gesammelt hat, will eines vermeiden: Der fehlende
       kreative Austausch mit einem Gegenüber soll nicht darin münden, sich in der
       Frickeligkeit verkopfter Soloprojekte zu zerfasern.
       
       Zudem tritt da dieser Damenchor in Erscheinung, ein Dutzend Frauen und ein
       Herr, die zusammen mindestens so wichtig für das Konzept des Albums sind
       wie der Mann namens Erfolg. Die simplen, zur Skizze herunterinterpretierten
       Arrangements funktionieren drumherum so gut, dass das beatverwöhnte
       Berliner Publikum auf der Album-Release-Party tanzt, statt nur über die
       Zweischneidigkeit der Texte zu schmunzeln.
       
       Johannes von Weizsäcker könnte auf seinem Solodebüt wahrscheinlich alles
       machen. Er entscheidet sich aber für das, was ihm am meisten liegt: Dinge,
       die ihn faszinieren, auf einer für ihn neuen Sprache zu besingen und diese
       Aussagen in ebenso effektive musikalische Gerüste zu stecken. Vielleicht
       ist das Grandiose an der Musik von Erfolg gar nicht die große
       Treffgenauigkeit der Sozialstudien, sondern wie leicht sie erstaunlich gute
       Ergebnisse erzielt.
       
       5 May 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Diviam Hoffmann
       
       ## TAGS
       
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