# taz.de -- Leben wie Kurt Cobain: Home of the Stars
       
       > Kurt Cobains und Courtney Loves Wohnung in Los Angeles wurde für 150
       > US-Dollar die Nacht auf Airbnb vermietet. Jetzt wurde das Angebot
       > entfernt.
       
 (IMG) Bild: Francis Cobain (Baby) soll in der Wohnung gezeugt worden sein.
       
       Wenige Tage vor meinem achtem Geburtstag wurde meine Vorfreude darauf
       schlagartig getrübt, die Nachrichten verkünden den Ausstieg von Geri
       Halliwell, Ginger Spice, aus meiner liebsten Mädchenband. Wie sollte ich
       das nur verkraften?
       
       Tagein, tagaus hörte ich jahrelang die Spice Girls, tanzte alle Tänze und
       gröhlte in meinem Fantasieenglisch in die schlechtriechende
       Impuls-Deoflasche, die mir regelmäßig als Mikrofon diente. Nur noch vier
       statt fünf Mädchen, trotz anders lautender offizieller Meldungen wusste ich
       sofort- die Trennung steht bevor, der Spaß wird bald vorbei sein. Meine
       popmusikalische Girl Power-Welt brach zusammen. Meine mühevoll
       zusammengetragene Sammlung von Postern, Autogrammkarten und
       selbstaufgenommenen Musikvideos versteckte ich in der hinteren Ecke meines
       Schrankes, ich musste nicht ständig an den Trennungsschmerz erinnert
       werden.
       
       Ich bin, wenn auch vielleicht in meinem Mädchenbandfanatismus, nicht
       allein. Jede(r) kennt wohl die überdurchschnittliche Begeisterung für
       MusikerInnen, SchauspielerInnen oder andere bekannte Persönlichkeiten.
       Obwohl die seichten Spice Girls Melodien auch heute noch eine gewisse
       Anziehung auf mich ausüben, hat deren Auflösung den Rest meines Lebens kaum
       beeinflusst. Nicht jedem Fan fällt die Trennung der Band, der Tod des
       Musikers so leicht. Einige bemühen sich auch noch Jahre später, die
       Erinnerung aufrecht zu erhalten.
       
       Wer Anfang der 1990er Jahre etwa nie Karten für ein Nirvanakonzert
       auftreiben konnte, hat momentan wieder die Chance, Kurt Cobain näher denn
       je zu kommen: die Wohnung, die er sich 1991 mit Gattin Courtney Love in Los
       Angeles teilte, steht nämlich bei Airbnb zur Vermietung bereit. Für 150
       US-Dollar die Nacht bietet sich jedem zahlungsfähigem Fan die Möglichkeit,
       einmal in Cobains ehemaligen vier Wänden zu quartieren.
       
       Hier soll Gerüchten zur Folge nicht nur „Heart Shaped Boy“ getextet,
       sondern auch Cobains Tochter gezeugt worden seien. Anscheinend aber nicht
       Anreiz genug, als Pilgerstätte aller Nirvanafans wirklich in Betracht
       gezogen zu werden. Aktueller Mieter Brandon Kleinman bedauert, dass er
       jährlich nur ein paar Menschen in Cobains alter Wirkungsstätte begrüßen
       kann. Mittlerweile wurde das Angebot aus Airbnb entfernt.
       
       ## Elivs, JFK, John Lennon
       
       Andere Anhänger zeigen sich da besessener: Eine Locke vom King of Pop,
       Elvis Presley, wurde 2002 etwa für $115,000 verkauft. Das atemraubende
       Kleid, indem Marilyn Monroe JF Kennedy „Happy Birthday“ säuselte, war schon
       1.2 Millionen US-Dollar wert.
       
       Und dass „Diamonds a girl's best friend“ sind, wusste nicht nur Elisabeth
       Taylor, sondern auch der Käufer, der ihre gesamte Schmucksammlung kurz nach
       ihrem Tod 2011 für 116 Millionen US-Dollar erstand.
       
       Im Vergleich zu solch extremen Konsumentenrollen einiger Fans ist meine
       Spice Girls Phase fast banal, ihr wirtschatlicher Faktor lächerlich.
       Vielleicht war ich auch mehr fasziniert und weniger besessen, die
       vollkommene Hinwendung zum Star und Fansein dagegen ist gefährlich. Nicht
       wenige Fälle von prominentem Stalking sind bekannt. Am
       berühmt-berüchtigsten ist wohl Mark David Chapman. Er kleidete und verhielt
       sich nicht nur wie sein Idol John Lennon, sondern heiratete auch eine
       japanische Frau. Chapmans Fanatismus gipfelte 1980 in dem Mord an „seinem“
       Star.
       
       30 Apr 2015
       
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