# taz.de -- Wer zieht ein ins Berliner Rote Rathaus?: Demut statt Krach
       
       > Mit der CDU oder mit der Linkspartei? Haben SPD und Grüne in Berlin noch
       > eine Wahl? Am Ende könnte die Mehrheit der Sitze den Ausschlag geben.
       
 (IMG) Bild: Auf der Wahlparty der Berliner SPD gesteht Steffen Krach seine Niederlage ein
       
       Steffen Krach ist nicht zu beneiden. Mit 12 Prozent hat der Spitzenkandidat
       der SPD bei der Berlinwahl das schlechteste Ergebnis ever eingefahren. „Das
       ist ein katastrophales Ergebnis“, räumte Krach bei der Wahlparty der SPD im
       Astra-Club in Friedrichshain ein. „Wir sind von den Berlinerinnen und
       Berlinern abgewählt worden.“
       
       Wie es weitergeht, lässt Krach kurz nach Bekanntgabe der ersten Prognose
       offen. „An so einem Abend ist es zu früh, um schon über die Zukunft zu
       sprechen.“ Stattdessen schickte der SPD-Mann Glückwünsche an die
       Wahlsiegerin Elif Eralp von der Linkspartei. „Ich möchte denen gratulieren,
       die die Wahl gewonnen haben.“
       
       Eigentlich hatte sich die SPD in Berlin darauf eingestellt, nach der Wahl
       zum Zünglein an der Waage zu werden. Den Preis hochzutreiben, der ihr als
       Königsmacherin zukommen würde. Elif Eralp im Roten Rathaus oder doch Stefan
       Evers von der CDU? Linksbündnis oder Keniakoalition? Das hätte Krach gerne
       eine Zeitlang offenhalten wollen. Doch kommt es nach dem Wahlabend
       tatsächlich noch auf die SPD an?
       
       Nach der ersten Hochrechnung des ZDF hat die Linke die Wahl mit knapp 26
       Prozent haushoch gewonnen. Zusammen mit der CDU, die nur auf 20 Prozent
       kommt, hätte eine Keniakoalition nur einen Sitz über der absoluten Mehrheit
       von 66 Sitzen. Ein Linksbündnis dagegen käme auf bequeme 76 Sitze.
       
       Dennoch kommt es in den kommenden Tagen und Wochen vor allem auf das
       Kleingedruckte an. Und auf die roten Linien, die hier und da schon gezogen
       wurden. Zumindest da mischt die SPD des Wahlverlierers Krach noch ein wenig
       mit.
       
       ## Sollbruchstelle Enteignung
       
       Während sich der grüne Spitzenkandidat Werner Graf schon im Wahlkampf für
       ein Linksbündnis ausgesprochen hat, hatte Krach erklärt, eine
       Vergesellschaftung von privaten Wohnungsunternehmen werde es mit ihm nicht
       geben. Für die Linkspartei ist eine Vergesellschaftung wiederum
       unverhandelbar.
       
       Am Wahlabend hielt sich Steffen Krach merklich zurück. „Wir haben keinen
       Regierungsauftrag“, sagte er. Gleichzeitig aber behauptete er: „Die SPD
       kommt zurück.“
       
       Wohl auch deshalb könnten die Sondierungen und Koalitionsgespräche nach der
       Wahl schwieriger werden als erwartet. Die Linkspartei will erst am
       kommenden Freitag auf einem Parteitag entscheiden, ob sie überhaupt
       Sondierungsgespräche eingehen wird.
       
       ## Warten auf den Linken-Parteitag
       
       Ein Novum in der Geschichte der Berliner Senatsbildungen. Nach den
       Gremiumssitzungen der jeweiligen Landesvorstände am Montag dürfte also erst
       mal ein paar Tage Funkstille sein im landespolitischen Berlin. Zumindest
       offiziell.
       
       Und dann? Beginnt das Abtasten. Die Linkspartei wird Grüne und SPD
       einladen. Parallel dazu werden Grüne und SPD voraussichtlich auch mit der
       CDU sprechen. Eine schnelle Entscheidung in Richtung Kenia oder
       Linksbündnis ist aber trotz der großen Mehrheit für einen Senat aus Linken,
       Grünen und SPD nicht zu erwarten.
       
       In der SPD, so ist zu hören, wächst ohnehin die Sorge, dass die Linkspartei
       als strahlende Wahlsiegerin ihre Forderungen noch verschärfen wird. Zwar
       gilt eine Mehrheit für Sondierungen als sicher. Dennoch gibt es in der
       Linken auch Stimmen, die davor warnen, vor dem Hintergrund des
       milliardenschweren Haushaltslochs einen Sparsenat anzuführen. Dann könnte
       nicht nur die Vergesellschaftungsfrage zur Sollbruchstelle werden, sondern
       auch die Frage, wie stabil eine rot-grün-rote Koalition überhaupt wäre.
       
       Vielleicht kommt es aber auch anders. Gut möglich, dass Steffen Krach bei
       der Sitzung des SPD-Landesvorstands am Montag ordentlich Wind ins Gesicht
       bekommt. Dass er es selbst vielleicht gar nicht in der Hand hat, sich bei
       der Vergesellschaftungsfrage querzustellen.
       
       Ein Linksbündnis ist nach dem Wahlsieg der Linkspartei sehr wahrscheinlich
       geworden. Und mit einem möglichen Einzug des BSW könnte es sogar die einzig
       mögliche Koalition werden.
       
       20 Sep 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Uwe Rada
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Wahlen in Berlin
 (DIR) Die Linke
 (DIR) Elif Eralp
       
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