# taz.de -- Krieg im Libanon: Welche Waffenruhe?
       
       > Viele Libanes:innen sahen den Krieg der Hisbollah gegen Israel
       > zunächst kritisch. Nun erscheint die Miliz vielen als ihre einzige
       > Schutzmacht.
       
 (IMG) Bild: Tyros im Süden des Libanons: Das israelische Militär flog hier einen Luftangriff Minuten vor der Waffenruhe Ende April
       
       Mahmoud Hudrujs raue Hände sind bedeckt von Staub und Ruß. Der 50-Jährige
       läuft in Tyros im Südlibanon – arabisch: Sour – auf Betonbrocken, Rohren
       und Kabeln; einem Haufen voller Trümmer, die mal ein Haus waren. Ein
       Kühlschrank liegt nach vorne gekippt auf dem Schutt, die einstige Treppe
       hängt quer an der Wand. Es sieht aus, als könnte sie jeden Moment
       herunterfallen.
       
       „Ich arbeite im Baugewerbe“, erklärt der Bauleiter, während er noch auf den
       Trümmern steht. „Ich bin hier, um zu sehen, wie die Menschen ihre Häuser
       wieder aufbauen können.“ Hudruj hat Holzlatten zu einer Leiter
       zusammengenagelt, damit er den oberen Stock erreichen kann – zu dem Teil
       des Hauses, der noch steht. Durch die eingerissene Wand sind Kronleuchter
       und eine Holzkommode zu sehen. „Hier gab es etwa sieben oder acht Läden,
       mit denen die Leute ihren Lebensunterhalt bestritten – eine Metzgerei und
       einen Lebensmittelladen im Erdgeschoss. Im Obergeschoss befanden sich eine
       Zahnarztpraxis und etwa sieben Wohnungen.“
       
       [1][Das Gebäude dahinter wurde komplett zerstört], erklärt der Bauleiter.
       Der Wiederaufbau koste die Familie für eine günstige Wohnung rund 300.000
       US-Dollar, schätzt Hudruj. Nach Angaben der Vereinten Nationen und
       libanesischer Behörden wurden seit Beginn der israelischen Angriffe am 2.
       März mehr als 2.500 Menschen getötet und über 10.000 verletzt.
       
       In der Nacht zum 2. März hatte sich der Iran-Krieg auf den Libanon
       ausgeweitet: Die mit dem Iran verbündete Hisbollah hatte in Solidarität mit
       dem Iran Raketen auf Israel abgefeuert, nachdem der geistliche Führer des
       Irans, Ajatollah Ali Chamenei, bei einem israelischen Luftangriff getötet
       wurde. Israel antwortet daraufhin mit Luftschlägen auf den Libanon; eine
       seit 2024 offiziell geltende Waffenruhe endete.
       
       Mehr als eine Million Menschen mussten seit der Eskalation Anfang März ihre
       Häuser verlassen. Das Haus, in dem Mahmoud Hudruj nach nutzbaren Möbeln
       sucht, wurde mit Vorwarnung angegriffen. Die Familie hat überlebt. Die
       kleine Tochter hält schüchtern die Hand ihrer Mutter und in der anderen
       Hand eine Stoffpuppe. Die beiden möchten nicht über ihre Situation
       sprechen. „Sie haben noch ein paar Kleidungsstücke, ein paar Möbelstücke,
       die gereinigt und vielleicht noch genutzt werden können“, sagt Bauleiter
       Hudruj. „Was immer noch benutzt werden kann, holen wir aus dem Haus, damit
       sie ihr Leben weiterführen können.“
       
       ## Die alte Prachtstraße von Sour
       
       Eine Ecke weiter liegen die antiken Ruinen von Sour: Ein Triumphbogen und
       Säulen einer Prachtstraße direkt am Mittelmeer. Israel begründet die
       Angriffe im Südlibanon mit Raketenbeschuss und Stellungen der Hisbollah
       entlang der Grenze. [2][Am 17. April wurde ein Waffenstillstand zwischen
       der Hisbollah und Israel verkündet]. Kurz zuvor griff Israel noch einmal
       heftig an – auch in Sour. Gegenüber der Strandpromenade wurden zehn
       Wohnhäuser getroffen, sie liegen bis heute in Trümmern. Ende April räumen
       Bagger noch immer Schutt zur Seite, um Leichen zu bergen.
       
       Nur wenige Minuten vor Inkrafttreten des Waffenstillstands wurden dort nach
       Angaben libanesischer Behörden 30 Menschen getötet, mindestens 35 weitere
       verletzt. Viele Menschen im Libanon warten nach fast zwei Monaten unter
       Beschuss durch Drohnen und Bomben weiter auf eine Pause. Doch im Südlibanon
       kreisen noch immer israelische Drohnen über den Grenzdörfern. Israels
       Militär hält weiterhin 55 Orte entlang der Grenze besetzt, Hunderttausende
       Menschen bleiben vertrieben.
       
       ## Kritisch gegenüber der Hisbollah
       
       Mahmoud Hudruj hat selbst sein Zuhause durch israelische Angriffe verloren
       – mehrere Male. Seine Familie stammt aus dem Ort Hunin. Einst ein
       schiitisches Dorf im Libanon, das unter den Briten zum Mandatsgebiet
       Palästina gehörte. 1948 besetzten israelische Siedler den Ort. Seine Eltern
       flohen in den Libanon. Er selbst besitzt ein Haus im südlibanesischen
       Grenzdorf Schamaa nahe der israelischen Grenze. Das Haus wurde 2024 von
       israelischen Bomben getroffen. Er baute es wieder auf – kurz vor der
       Waffenruhe dieses Jahr wurde es erneut zerstört. Nun wohnt er in einer
       Wohnung in der Stadt Sour.
       
       „Was soll ich machen?“, fragt Hudruj. „Ich werde zurückgehen und es wieder
       aufbauen. Das Leben geht weiter“, sagt er bestimmt. „Die Libanesen sind
       stark und widerstandsfähig.“ Besonders verärgert ist er über die
       libanesische Regierung. „Sie hat mit Israel gegen uns paktiert. Ich habe
       kein Vertrauen in sie.“
       
       Keine libanesische Regierung der vergangenen Jahre trat öffentlich so
       kritisch gegenüber der Hisbollah auf wie die jetzige. Nachdem Anfang März
       die Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah erneut eskaliert waren, trat
       das Kabinett zusammen. Auch die Hisbollah und ihre schiitische Verbündete,
       die Amal-Partei, stellen dort Minister. Nach dem Treffen erklärte
       Ministerpräsident Nawaf Salam, bewaffnete Angriffe aus dem Libanon dürften
       nicht außerhalb staatlicher Kontrolle stattfinden. Sicherheitskräfte
       sollten gegen Verantwortliche vorgehen. Für viele Beobachter waren es
       ungewöhnlich deutliche Worte gegenüber der Hisbollah.
       
       Zwei Tage später gab die libanesische Armee bekannt, 26 Libanesen und einen
       Palästinenser wegen illegalen Waffenbesitzes festgenommen zu haben. Nach
       Angaben von Sicherheitskreisen handelte es sich dabei nicht um
       Raketenstellungen, sondern um bewaffnete Hisbollah-Anhänger mit
       Sturmgewehren. Den Raketenbeschuss auf Israel konnte die Armee jedoch nicht
       verhindern.
       
       Der libanesische Staat gilt seit Jahren als finanziell handlungsunfähig,
       auch die Armee ist chronisch unterfinanziert. Viele Soldaten arbeiten
       zusätzlich als Taxifahrer, Elektriker oder Kellner, um ihre Familien zu
       versorgen. Dem hochgerüsteten israelischen Militär ist die libanesische
       Armee deutlich unterlegen.
       
       ## Hudruj würde seinen Sohn zur Hisbollah schicken
       
       Viele Menschen im Südlibanon fühlen sich deshalb schutzlos. Besonders unter
       Schiit:innen wächst der Eindruck, weder vom libanesischen Staat noch von
       den UN-Truppen der Unifil-Mission vor israelischen Angriffen geschützt zu
       werden. Auch Mahmoud Hudruj ist verärgert. „Würdest du akzeptieren, dass
       dir jemand dein Haus wegnimmt?“, fragt er. Nein, sagt Hudruj, das könne er
       nicht. Wenn er einen Sohn hätte, würde er ihn zur Hisbollah schicken, damit
       er kämpft – für das Land, für ihre Würde. Frieden mit jemandem zu
       schließen, der ihm sein Zuhause nehme, könne er sich nicht vorstellen.
       
       Die libanesische Regierung unter Präsident Joseph Aoun, dem früheren
       Armeechef, hat angekündigt, die Kontrolle des Staates über bewaffnete
       Gruppen stärken zu wollen. Teil des Waffenstillstands mit Israel ist auch
       die Forderung, dass sich bewaffnete Kämpfer der Hisbollah aus dem
       Südlibanon zurückziehen. Die Regierung erklärte im Januar die erste Phase
       dieses Plans südlich des Litani-Flusses für abgeschlossen, doch in anderen
       Regionen kommt die Umsetzung kaum voran.
       
       Viele Anhänger der Hisbollah sehen den Versuch einer vollständigen
       Entwaffnung ihrer Kampftruppen als Angriff auf die wichtigste Schutzmacht
       des Libanons gegen Israel. Gleichzeitig erhöht die US-Regierung unter
       Präsident Donald Trump den Druck auf Beirut. Trump fordert direkte
       Gespräche zwischen Aoun und Israels Premierminister Benjamin Netanyahu.
       Andernfalls, so berichten mehrere Medien unter Berufung auf Diplomaten,
       werde Washington Israels militärisches Vorgehen weiter unterstützen.
       
       ## Militärpräsenz trotz Waffenruhe
       
       Der Druck auf die Hisbollah verschärft auch die Spannungen im Libanon
       selbst. In der Innenstadt von Beirut hupen junge Männer auf Motorrädern,
       aus Lautsprechern dröhnt Musik. Protestierende recken die Fäuste in die
       Luft und schwenken gelbe Hisbollah-Fahnen. Anhänger der Hisbollah und der
       verbündeten schiitischen Amal-Partei protestieren gegen die Entscheidung
       der Regierung, direkte Gespräche mit Israel zu führen.
       
       Mitte April trafen sich die Botschafter Israels und des Libanon in
       Washington zu direkten Gesprächen – ein ungewöhnlicher Schritt zwischen
       zwei Staaten, die sich offiziell im Kriegszustand befinden. Die
       libanesische Regierung hofft auf einen langfristigen Waffenstillstand.
       Israel knüpft diesen an die vollständige Entwaffnung der Hisbollah und
       kündigte an, seine Militärpräsenz in Teilen des Südlibanon trotz Waffenruhe
       fortzusetzen.
       
       Eines der betroffenen Dörfer ist Hula, nur wenige hundert Meter von der
       israelischen Grenze entfernt. Es ist das Heimatdorf des Architekten und
       Ingenieurs Tarek Mazraani. „Mein Haus ist natürlich weg, das ganze Dorf
       wurde zerstört“, sagt Mazraani. Bereits während einer früheren Waffenruhe
       zwischen Israel und der Hisbollah im Jahr 2024 war die israelische Armee
       nach Hula vorgerückt und hatte dort einen Militärposten errichtet.
       
       Bewohner berichteten damals zudem von Schüssen auf Zivilist:innen. Mazraani
       sagt, er habe rund 300 Häuser in der Region entworfen. „Sie haben alles
       zerstört. Unsere Erinnerungen an die Kindheit, die gepflanzten Bäume, die
       Nachbarschaft, in der unsere Kinder spielten, wo wir lebten – nichts ist
       übrig. Die Straße ist ein Graben.“ Nicht nur die Kindheitserinnerungen,
       auch sein persönliches Archiv und das Dorfarchiv seien verloren.
       
       Der 61-Jährige hat vor dem Krieg ein Heimatmuseum betrieben, sammelte alte
       Werkzeuge, alte Bücher und Fotos – „alles, was die Geschichte der Region
       dokumentiert“. Mazraani flüchtete mit seiner Familie in die Region
       Nabatieh. Er gründete eine Initiative von Bewohner:innen der südlichen
       Grenzstädte. Mit dem Ziel, ihre Bedürfnisse gegenüber den libanesischen
       Behörden zu vertreten und materielle Unterstützung zu fordern.
       
       Dafür wurde er vom israelischen Militär angefeindet. Im Oktober 2025
       kreiste eine Drohne über dem Ort, in den Mazraani mit seiner Familie
       geflüchtet war. Nachbarn bekamen Angst, verließen ihre Wohnungen – aus
       Furcht vor Angriffen, erzählt er später bei einem Treffen in einem Café in
       Beirut. Damals lebte er getrennt von seiner Familie, versteckt bei einem
       Freund.
       
       ## Der Krieg hat nicht nur Häuser zerstört
       
       Heute lebt die Familie wieder zusammen in einer Mietwohnung in Beirut. In
       ihre Heimat können sie nicht zurück. Viele Dörfer im Süden sind zerstört,
       selbst dort, wo sich die israelische Armee zurückgezogen hat, fehlt es an
       Strom, Wasser und Straßen.
       
       Nun droht die nächste Vertreibung: Der Vermieter braucht die Wohnung
       selbst, weil er sein eigenes Haus verloren hat. „Wir fangen wieder von
       vorne an“, sagt Mazraani. Seine Geschichte steht für die von vielen
       Menschen im Libanon. Der Krieg hat nicht nur Häuser zerstört, sondern auch
       das Zusammenleben verändert – Misstrauen wächst, Spannungen zwischen den
       Gemeinschaften nehmen zu.
       
       Deutlich wird das in Saida. Mitte April reihen sich dort Campingzelte an
       der Strandpromenade aneinander. Die Stadt ist für viele Menschen aus dem
       Süden zum Zufluchtsort geworden – auch für Jamal Khalil, der aus Sour
       hierher geflohen ist. „Sie verlangen Wucherpreise“, sagt Khalil. Für kleine
       Wohnungen würden umgerechnet oft 1.500 oder 2.000 Euro im Monat verlangt.
       [3][Viele Geflüchtete könnten sich das nicht leisten.]
       
       Unterschlupf hat er im palästinensischen Camp Ain Hilweh gefunden. Bündel
       von Elektrokabeln hängen zwischen engen, dicht bebauten Gassen, an einer
       Wand prangt ein Graffiti von Yasser Arafat, dem ehemaligen Präsidenten der
       Palästinensischen Autonomiebehörde.
       
       Mit seiner Frau und drei Kindern lebt Khalil hier in einem Zimmer mit Bad.
       Rund 100 Euro Miete zahlt er dafür im Monat. „Ich wollte einen Gemüsestand
       eröffnen“, sagt er. Doch dafür braucht es eine Genehmigung. Und die
       Verkäufer, die bereits vor Ort sind, verteidigten ihre Plätze und sorgten
       dafür, dass keine weiteren Genehmigungen erteilt würden. Hilweh hat die
       Idee des Gemüsestands aufgegeben: „Ich bin kein Sohn dieser Gemeinde – und
       ich will keine Probleme.“
       
       ## Krieg trifft auf Armut
       
       Die Krise durch den Krieg trifft auf existierende Armut. In einem kleinen
       Gebäude geben Helfer:innen Decken und Kissen aus. Die Organisation
       Nashet hilft den Binnengeflüchteten in der Krise. Rund 30.000 sind nach
       Saida in die Notunterkünfte vertrieben worden, nochmal so viele lebten
       zwischenzeitlich auf der Straße, schätzt Nashet. Eine der freiwilligen
       Helfer:innen ist die 19-Jährige Nibal Abdelsalam. Sie studiert
       Psychologie und Soziale Arbeit – wegen des Kriegs derzeit online.
       
       Die Palästinenserin lebt selbst im Camp. Sie erzählt von politischen
       Spannungen zwischen verschiedenen palästinensischen Fraktionen. Selbst
       während des Kriegs komme es immer wieder zu Gewalt und bewaffneten
       Auseinandersetzungen im Camp. Den Grund dafür sieht sie auch in der
       wirtschaftlichen Lage.
       
       „Für Palästinenser ist es sehr schwer, Arbeit zu finden“, sagt die junge
       Frau. Nach ihrem Studium rechnet auch sie damit, möglicherweise erstmal
       keinen Job zu finden. Die meisten Palästinenser:innen im Libanon
       besitzen keine libanesische Staatsbürgerschaft und unterliegen zahlreichen
       Einschränkungen auf dem Arbeitsmarkt. Auch deshalb stellten sich junge
       Männer mitunter in den Sold bewaffneter Gruppen, erklärt Abdelsalam – oft
       für umgerechnet 100 bis 150 Euro im Monat. „Sie riskieren ihr Leben, um
       ihre Familien zu unterstützen.“
       
       Genau diese Perspektivlosigkeit versucht Zafer Alkhateeb mit seiner
       Organisation Nashet aufzubrechen. In Saida organisiert er Dialoge und
       Kulturevents, um Spannungen zwischen Palästinenser:innen, Syrer:innen
       und Libanes:innen abzubauen. Doch der Krieg verschärft auch dort die
       Lage, sagt Alkhateeb – und erzählt von seinem Kollegen Suleiman. Der
       palästinensische Ingenieur arbeitet für Nashet an Dachgärten im Camp.
       Zeitweise habe er im Büro schlafen müssen, weil er keine Unterkunft fand.
       
       So wie ihm geht es vielen. Manche schlafen in Zelten auf der Straße. Viele
       der Vertriebenen stammen aus schiitisch geprägten Regionen im Süden des
       Libanon. Weil auch die Hisbollah schiitisch ist, fürchten manche Vermieter
       und Nachbarn, selbst ins Visier israelischer Angriffe zu geraten, wenn sie
       Geflüchtete aufnehmen. „Sie haben Angst“, sagt Alkhateeb. „Und diese Angst
       spaltet die Gesellschaft.“
       
       ## Der Staat oder die Hisbollah?
       
       Für viele wird mit dieser Angst vor israelischen Drohnenschlägen eine
       andere Frage entscheidend: [4][Wer schützt sie – der Staat oder die
       Hisbollah?] „Das hat den Zorn verschoben“, sagt die
       Politikwissenschaftlerin Aurélie Daher. „Weg von der Hisbollah – hin zur
       Regierung.“ Viele Menschen im Süden hatten die Hisbollah zuvor für ihren
       Kriegseintritt kritisiert. Nach dem Waffenstillstand zog sich die
       Organisation zunächst zurück und überließ der Regierung die Kontrolle. Doch
       die Hoffnung hielt nicht lange: Trotz Waffenruhe kam es weiter zu
       Angriffen. Viele Bewohner:innen der betroffenen Regionen fühlten sich
       weiterhin ungeschützt. [5][Bei den jüngsten Kommunalwahlen] vor einem Jahr
       gewann die Hisbollah in ihren Hochburgen wieder an Unterstützung.
       
       Aurélie Daher ist überzeugt, dass die libanesischen Eliten eingreifen und
       die Lage beruhigen werden. Das habe sich auch im April bei den
       [6][Protesten der Hisbollah-Anhänger in Beirut gegen die Verhandlungen mit
       Israel] gezeigt. Danach erklärten sowohl die Hisbollah als auch die
       schiitische Amal-Partei, die Proteste gegen die Regierung nicht zu
       unterstützen und jegliche Gewalt zwischen Libanes:innen abzulehnen.
       „Zum Tango gehören zwei“, sagt Daher. Abgesehen von einzelnen Stimmen, wie
       der nationalistischen, prochristlichen Forces Libanaises (FL) um den
       Parteivorsitzenden Samir Geagea wünsche sich derzeit kaum jemand im Land
       einen Bürgerkrieg.
       
       Auch Mahmoud Hujdruj wünscht sich das nicht. „Die Lösung ist, dass
       Palästina den Palästinensern gehört und der Libanon den Libanesen, nicht
       den Besatzern.“ Es brauche eine libanesische Regierung, die stark genug
       sei, die israelische Besatzung im Südlibanon zu stoppen. „Diesem Staat
       trauen wir nicht. Diese Regierung sind schwache Machthaber“, schimpft er.
       Die Hoffnung auf Diplomatie mit Israels ultrarechter Regierung hat Hudruj –
       wie viele andere in der Region – längst verloren.
       
       10 May 2026
       
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