# taz.de -- Krieg zwischen Israel und Hisbollah: Fragile Waffenruhe um 45 Tage verlängert
       
       > Eigentlich sollen die Waffen im Libanon schweigen, trotzdem gehen die
       > Angriffe weiter. Unterhändler wollen die Feuerpause für neue
       > Friedensgespräche nutzen.
       
 (IMG) Bild: Trümmerlandschaft in einem südlichen Vorort von Beirut
       
       dpa/taz | Die fragile Waffenruhe zwischen Israel und der proiranischen
       Hisbollah-Miliz im Libanon wird um eineinhalb Monate verlängert. Unter
       Vermittlung der Vereinigten Staaten sollen Vertreter Israels und des
       Libanons währenddessen weiter an einer Lösung des Konflikts arbeiten,
       teilte am Freitag das US-Außenministerium mit. Die aktuell geltende
       Waffenruhe war in den vergangenen Wochen allerdings [1][von beiden Seiten
       immer wieder verletzt worden].
       
       Die abermalige Verlängerung der Ende April schon einmal ausgedehnten
       Feuerpause um weitere 45 Tage wurde nach einer dritten Gesprächsrunde
       zwischen israelischen und libanesischen Regierungsvertretern in Washington
       bekannt gegeben. „Die Friedensgespräche verliefen offen und konstruktiv und
       sollen nun auf zwei Ebenen vorangetrieben werden: auf
       sicherheitspolitischer und auf politischer Ebene“, schrieb der israelische
       Botschafter in den USA, Jechiel Leiter, auf der Onlineplattform X. „Es wird
       Höhen und Tiefen geben, doch die Erfolgsaussichten sind groß.“
       
       Auch die libanesischen Unterhändler zeigten sich optimistisch. „Die
       Verlängerung des Waffenstillstands und die Einrichtung eines von den USA
       unterstützten Sicherheitsprozesses verschaffen unseren Bürgern eine
       dringend benötigte Atempause, stärken die staatlichen Institutionen und
       ebnen den Weg für dauerhafte Stabilität“, zitierte die Nachrichtenseite
       Naharnet aus einer Stellungnahme der Delegation.
       
       Der libanesische Staat ist in der Auseinandersetzung zwischen Israel und
       der von dessen Erzfeind Iran unterstützten islamistisch-schiitischen
       Terrormiliz Hisbollah nicht selbst Konfliktpartei. Angesichts der
       zahlreichen Opfer bei den israelischen Angriffen pocht die Regierung in
       Beirut aber auf die territoriale Integrität des Landes und eine dauerhafte
       Waffenruhe.
       
       ## Nächste Runde Anfang Juni
       
       Vertreter der israelischen und der libanesischen Regierung sollen nun am 2.
       und 3. Juni zu einer neuen Verhandlungsrunde zusammenkommen. Zuvor soll am
       29. Mai im Pentagon ein militärischer Dialog zwischen Delegationen beider
       Länder stattfinden.
       
       Israel und der Libanon hätten sich auf einen Verhandlungsrahmen geeinigt,
       um einen dauerhaften Frieden, eine uneingeschränkte Anerkennung der
       Souveränität und territorialen Integrität des jeweiligen Nachbarlandes
       sowie Sicherheit entlang ihrer Grenze zu fördern, teilte das
       US-Außenministerium mit.
       
       Die Regierungen beider Länder [2][hatten sich Mitte April erstmals auf eine
       Feuerpause geeinigt]. Allerdings ist die Waffenruhe äußerst brüchig und
       wird von beiden Seiten immer wieder verletzt. Erst am Freitag wurden nach
       libanesischen Angaben bei einem mutmaßlich von den israelischen
       Streitkräften geführten Angriff im Süden des Libanon sechs Menschen
       getötet, darunter sollen angeblich drei Sanitäter sein.
       
       Nach Beginn des Irankriegs hatte die Hisbollah, die im Libanon lange wie
       ein Staat im Staate agierte, aus Solidarität mit dem iranischen
       Mullahregime wieder Raketen und Drohnen auf den Norden Israels abgefeuert.
       Die israelischen Streitkräfte griffen daraufhin Stellungen der Hisbollah im
       Süden des Libanons und Hochburgen der Miliz in den Vororten der Hauptstadt
       Beirut an.
       
       ## Libanesische Regierung soll Hisbollah an Angriffen hindern
       
       Laut der ursprünglichen Vereinbarung soll die libanesische Regierung die
       Hisbollah mit internationaler Hilfe daran hindern, vom Libanon aus Angriffe
       auf israelische Ziele auszuführen. Israel soll demnach zwar auf „offensive
       Militäroperationen“ im Libanon verzichten, sich aber gegen geplante,
       unmittelbar bevorstehende oder andauernde Angriffe verteidigen dürfen.
       
       Unterdessen wurde ein mutmaßlicher Anführer [3][der proiranischen Miliz
       Kataib Hisbollah aus dem Irak] gefasst und in die USA gebracht. Mohammed
       Bakir Saad Dawud al-Saadi habe eine Reihe von Anschlägen in den USA und
       Europa angeordnet und geplant, teilte das US-Justizministerium mit. Wo und
       wann der 32-Jährige festgenommen wurde, blieb zunächst unklar.
       
       Die Kataib Hisbollah zählt zu den stärksten und einflussreichsten Milizen
       im Irak. Die USA stufen die Gruppe als ausländische Terrororganisation ein.
       Al-Saadi soll zudem enge Verbindungen zu den Revolutionsgarden unterhalten
       haben, der Elitestreitmacht Irans.
       
       16 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Krieg-im-Libanon/!6177311
 (DIR) [2] /Krieg-zwischen-Israel-und-Libanon/!6171775
 (DIR) [3] /Shelly-Kittleson/!6167843
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Libanon-Krieg
 (DIR) Israel
 (DIR) Waffenruhe
 (DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
 (DIR) Hisbollah
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
 (DIR) Libanon-Krieg
 (DIR) Gaza
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Krieg im Libanon: Welche Waffenruhe?
       
       Viele Libanes:innen sahen den Krieg der Hisbollah gegen Israel zunächst
       kritisch. Nun erscheint die Miliz vielen als ihre einzige Schutzmacht.
       
 (DIR) Christen in Südlibanon: „Unser Dorf ist ein Trümmerhaufen“
       
       Die Zerstörung in Südlibanon geht weiter. Im Grenzdorf Yaroun demolieren
       israelische Bulldozer trotz Waffenruhe Wohnhäuser und ein Nonnenkloster.
       
 (DIR) Wackelige Waffenruhe: Kurz vor der erneuten Eskalation
       
       Im Libanon kann kaum noch von einer Waffenruhe gesprochen werden, in Gaza
       steht sie auf dem Spiel. Und Trump? Hat sich in eine Sackgasse manövriert.