# taz.de -- Israel und Libanon: Waffenstillstand Hunderte Male gebrochen
       
       > Die Waffenruhe zwischen Libanon und Israel soll um drei Wochen verlängert
       > werden. Aber sowohl Israel als auch die Hisbollah schießen weiter.
       
 (IMG) Bild: Blick von Israel aus in den Südlibanon, während dort nach israelischen Angriffen Rauch aufsteigt, 23. April 2026
       
       Drei Wochen mehr, um durchzuatmen. Das verspricht die Einigung zwischen
       Israel und dem Libanon auf eine [1][Verlängerung des Waffenstillstands].
       Botschafter der beiden Länder hatten sich am Donnerstag getroffen,
       US-Präsident Donald Trump verkündete danach einen augenscheinlichen Erfolg:
       die Verlängerung der bisher 10-tägigen Waffenruhe, die am Sonntag
       ausgelaufen wäre.
       
       Doch tatsächlich ist es ein Waffenstillstand auf dem Papier.
       
       Im Südlibanon hält das israelische Militär weiter 55 Orte besetzt. Die
       israelische Armee verhindert die Rückkehr der Bewohnenden. Anwohnende
       [2][berichten], das israelische Militär habe auf sie geschossen, als sie in
       ihre Heimat zurückkehren wollten. In der De-fakto-Sperrzone [3][plünddern]
       israelische Soldaten Fernseher, Teppiche und Gemälde. Das israelische
       Militär demoliert und zerstört trotz Waffenruhe weiter systematisch Häuser
       und Straßen, berichten libanesische Medien und die israelische Zeitung
       [4][Ha’aretz].
       
       Auch israelische Luftangriffe gehen weiter, in der Nacht auf Donnerstag
       wurden dadurch drei Menschen getötet. Zwei israelische Luftangriffe trafen
       die Umgebung von Touline, einer davon begleitet von Artilleriebeschuss,
       meldet die libanesische Zeitung L’Orient-Le Jour. Eine weitere
       Bombardierung galt Majdal Zoun in der Region Sour. Ein Luftangriff am
       Dienstag traf eine [5][Moschee] in der südlibanesischen Stadt Jibchit, die
       Moschee wurde schwer beschädigt. Über der Hauptstadt Beirut fliegen weiter
       laute israelische Überwachungsdrohnen.
       
       ## Seit Dienstag schießt auch die Hisbollah wieder Raketen
       
       Am Mittwoch hatte das israelische Militär die libanesische [6][Journalistin
       Amal Khalil] und ihre Kollegin Zeinab Faraj gezielt angegriffen, Khalil
       wurde dabei [7][getötet]. Israels Militär beschoss zudem das Rettungsteam
       des Roten Kreuzes, das die zwei Journalistinnen und zwei weitere Zivilisten
       bergen wollte.
       
       Israel hat den Waffenstillstand seit Inkrafttreten am 17. April [8][478-mal
       gebrochen]. Dazu zählten: 18 Bombardierungen, 87 Artillerieangriffe, 142
       Sprengungen und Zerstörungen von Infrastruktur, 35 Schüsse mit
       Maschinengewehren sowie 12 Phosphorbomben und Überschallknalle sowie
       zahlreiche militärische Überflüge, unter anderem über der Hauptstadt
       Beirut.
       
       Das zählen das libanesische Nationale Zentrum für wissenschaftliche
       Forschung und das Nationale Zentrum für Naturgefahren und Frühwarnung. Bei
       den Verstößen wurden acht Menschen getötet und 20 verletzt, darunter sechs
       Sanitäter.
       
       Seit Dienstag schießt auch die Miliz der Hisbollah wieder Raketen auf
       Israel. Zuletzt Donnerstagnacht. Laut israelischer Armee haben die
       Abwehrsysteme die Raketen abgefangen.
       
       Libanons Regierung hatte die militärischen Aktivitäten der Hisbollah am 2.
       März für illegal erklärt und Israel wiederholt um Gespräche gebeten. Israel
       hatte die Bitte seit Kriegsbeginn zurückgewiesen und erklärt, die
       bisherigen Bemühungen des Staates zur Entwaffnung der Hisbollah seien zu
       langsam gewesen. Auf Anordnung der USA willigte Israel dann in ein
       historisches Treffen vergangene Woche ein: Zum ersten Mal seit 40 Jahren
       haben sich die Botschafter beider Länder getroffen. Es folgten
       optimistische Äußerungen beider Seiten.
       
       Die Hisbollah hält an ihrer kompromisslosen Haltung gegen die Entwaffnung
       im ganzen Land fest und lehnt die laufenden Verhandlungen offen ab. Sie
       bevorzugt stattdessen, dass der Libanon in die Verhandlungen zwischen Iran
       und den USA einbezogen wird. Das wiederum lehnt Israel ab.
       
       24 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Krieg-zwischen-Israel-und-Libanon/!6173597
 (DIR) [2] https://www.thenationalnews.com/news/mena/2026/04/20/the-war-hasnt-stopped-lebanese-doubt-truce-as-israel-tightens-grip-on-southern-lebanon/
 (DIR) [3] https://www.haaretz.com/israel-news/israel-security/2026-04-23/ty-article/.premium/israeli-soldiers-testify-to-looting-in-lebanon-commanders-know-and-do-nothing/0000019d-b999-d2d7-af9f-bbb986480000
 (DIR) [4] https://www.haaretz.com/israel-news/israel-security/2026-04-19/ty-article/.premium/like-gaza-idf-razes-south-lebanon-villages-during-cease-fire-sources-say/0000019d-a43d-d31c-a1df-ae3f8a660000
 (DIR) [5] https://www.aljazeera.com/video/newsfeed/2026/4/22/israel-attacks-mosque-in-lebanon-in-another-ceasefire-violation#flips-6393611584112:0
 (DIR) [6] /Pressemenschen-als-Freiwild/!6173327
 (DIR) [7] https://cpj.org/2026/04/cpj-calls-for-urgent-international-investigation-into-israels-killing-of-lebanese-journalist-amal-khalil/
 (DIR) [8] https://www.facebook.com/photo/?fbid=1267361925576930&set=a.288521016794364
       
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 (DIR) Julia Neumann
       
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