# taz.de -- Christen in Südlibanon: „Unser Dorf ist ein Trümmerhaufen“
> Die Zerstörung in Südlibanon geht weiter. Im Grenzdorf Yaroun demolieren
> israelische Bulldozer trotz Waffenruhe Wohnhäuser und ein Nonnenkloster.
(IMG) Bild: Das zerstörte Kloster von Yanoun. Das Foto wurde der Autorin von Einwohnern zugeschickt
Wer in das Dorf Yaroun in Südlibanon zurückkehren möchte, wird von
israelischen Soldaten erschossen. Zudem ist die Zufahrtsstraße zerstört.
Das berichten Anwohnende der taz. Trotz des zwischen Israel und Libanon
vereinbartem [1][Waffenstillstands] sind israelische Soldaten weiter im
Dorf.
„Mein Haus wurde vor fünf Tagen [am Samstag] zerstört, von einem Bulldozer
eingerissen“, sagt ein christlicher Bewohner aus Yaroun. Er möchte seinen
Klarnamen nicht in der Zeitung sehen, aus Angst. „Wir sind im Krieg. Ich
kann nicht zurück, sie würden mich vielleicht töten. Keiner kann zurück“,
sagt der Bewohner, der nach Beirut vertrieben wurde. Das letzte Mal sei er
am 2. März in Yaroun gewesen, zu Beginn des Kriegs.
Seit dem 17. April gilt eine Feuerpause. Doch Luftangriffe,
Artilleriebeschuss und Zerstörungen gehen weiter. Israelische Angriffe
töteten seitdem mindestens 380 Menschen im Libanon, zählt das
[2][UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR]. 1,2 Millionen Menschen sind weiterhin
vertrieben, so das Rote Kreuz.
Die israelische Armee hält 55 Orte in Südlibanon besetzt. Einer davon ist
Yaroun. Dort wohnten schiitische Muslime und katholische Christen, es gab
zwei Moscheen und eine Kirche.
## Israels Armee: keine eindeutige Beschilderung am Gebäude
Wie es ihren Häusern geht, wissen die Menschen durch Satellitenbilder. Der
Einwohner berichtet, ein Freund mache aus dem Nachbarort Rmeich mit einer
hochauflösenden Kamera Fotos von Yaroun. In den letzten 12 Tagen sei so die
Zerstörung weiterer Häuser dokumentiert. Menschen lokalisieren auf
Satellitenfotos ihre Häuser, um herauszufinden, was davon noch übrig ist.
Am Freitag meldete die staatliche Nachrichtenagentur: „Nach einer Reihe von
Bombenangriffen auf Häuser, Geschäfte, Straßen und Sehenswürdigkeiten in
Yaroun zerstört die israelische Armee das Kloster und die Schule der
Nonnen.“
Das katholische Kloster der Schwestern des Heiligen Erlösers und die
dazugehörige Schule standen auf der Spitze eines Hügels. Dort lernten
Kinder lesen, beteten Nonnen. Dann kamen die israelischen Drohnen und die
Luftangriffe. Die Nonnen verließen ihre Räume. Videos zeigen eine
Planierraupe, die das Gebäude auf dem Berg zerstört.
Das israelische Militär räumte einen „gewissen Schaden an einem
katholischen Kloster“ ein, bestritt aber, das Gelände mit Bulldozern
„abgerissen“ zu haben. Es habe keine eindeutige Beschilderung am Gebäude
gegeben. Das israelische Außenministerium veröffentlichte ein Foto von dem
angeblich intakten Gebäude.
## Eine ganze Reihe von Häusern liegt in Schutt
„Das ist ein altes Foto von der nebenstehenden Malteser-Klinik“, sagt Adib
Ajaka. Er ist Mokthar, eine Art Stadtvorsitzender in Yaroun. Ajaka schickt
Fotos des Klosters: ein gelbes Haus, davor ein Schild mit der Aufschrift
„Schule“, im Hof eine Vitrine mit einer Marien-Statue. Fotos sollen die
Innenräume zeigen: eine Ikone an der Wand, ein Holzkreuz auf einem Tisch.
Ein Foto von Weitem zeigt Trümmer an der Stelle des Hauses. „Wie du siehst,
ist von dem gelben Haus nichts übrig.“ Auch die Klinik könnte beschädigt
sein, mutmaßt Ajaka.
Er schickt ein Foto von dem Hügel – ein aktuelles von Mittwoch und ein
altes zum Vergleich. Bäume sind herausgerissen, eine ganze Reihe an Häusern
um den Hügel herum liegt in Schutt. Der Turm der Moschee ist nicht mehr zu
erkennen, von der einstigen Kirche stehen nur noch die Wände.
Ein Gemeindebeamter aus Yaroun und die Generaloberin der Nonnen des
Klosters bestätigten gegenüber AP, das Kloster sei mit Bulldozern
abgerissen worden.
Ajaka war zuletzt am 28. Februar in Yaroun. „Es war kein normaler Tag,
überall waren Raketen und Sirenen zu hören.“ Er schickt das
Erinnerungsvideo von seinem sandsteinfarbenen Haus: weiße Fensterrahmen aus
Holz, innen beige Terrazzo-Fliesen, Holzstühle mit Blumenbezug, ein
Kronleuchter. In einer Mauernische steht eine Statue der Jungfrau Maria.
Reife Zitronen hängen am Baum. „Unter dem Zitronenbaum haben wir zu Ostern
immer Familienfotos gemacht.“
## Im März wurden die Bewohner erneut vertrieben
Mit Beginn des Krieges zwischen Israel und der Hisbollah im Oktober 2023
wurden alle Einwohner*innen der Grenzdörfer vertrieben. Zwischen
Dezember 2024 bis Ende Februar 2025 besetzte die israelische Armee Yaroun.
Stadtverwalter Ajaka schätzt, 60 Prozent der Gebäude seien damals zerstört
worden.
„Sie haben Bäume entwurzelt, viele Wohnhäuser verschwanden, die übrigen
wurden schwer beschädigt“, erzählt ein Anwohner der taz. „Sie zerstörten
die gesamte Infrastruktur. Strom, Wasserversorgung, Straßen und religiöse
Stätten wie die Moscheen, Friedhöfe und die historische Kirche.“
[3][Fotos] der Gemeinde von der Osterprozession aus dem Jahr 2025 zeigen
Mitglieder der Kirchengemeinde singend mit Kerzen und Olivenzweigen durch
die Straße laufen – neben ihnen kaputte Häuser und Trümmer. In der
sandsteinfarbenen Kirchenwand klafft ein großes Loch. Das Kirchendach ist
vollständig abgerissen, unter freiem Himmel liegen im Innenraum der Kirche
kaputte Holzlatten auf Trümmerhaufen.
Danach reparierte ein kleiner Teil der Bewohner die Häuser. Sie hielten
Messen im beschädigten Gemeindehaus ab. Als der Krieg im März 2026 wieder
stärker wurde, bombardierte die israelische Armee ein Haus in einer
Wohnstraße, erzählt der Anwohner. „Die israelische Armee besetzte das Dorf
vom ersten Kriegstag an. Wir wurden wieder vertrieben.“
Laut Aussagen von Bewohnern benachbarter Dörfer, Berichten der
libanesischen Armee und Presseberichten gab es 2026 keine Kämpfe in Yaroun.
„Vor etwa zehn Tagen zerstörte die israelische Armee verbliebene
Wohnhäuser, das Kloster, die Behilfskirche und die gesamte zuvor erst
reparierte Infrastruktur durch Sprengungen und Bomben“, so der Anwohner.
„Unser Dorf ist ein Trümmerhaufen.“
6 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Krieg-in-Libanon/!6174346
(DIR) [2] https://www.ungeneva.org/en/news-media/news/2026/05/118334/lebanon-same-fears-and-dangers-persist-despite-ceasefire-unhcr
(DIR) [3] https://www.facebook.com/photo/?fbid=1081736310666949&set=pcb.1081736374000276
## AUTOREN
(DIR) Julia Neumann
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