# taz.de -- Korruption in der Ukraine: Teurer Schmuck und viel Bargeld
       
       > Der Generalstaatsanwalt und sein Vize treten zurück. Ein hochrangiger
       > Vertreter der Behörde und seine Lebensgefährtin werden festgenommen.
       
 (IMG) Bild: Elisabeta Iwachnenko vor dem Obersten Antikorruptionsgericht in Kyjiw, Ukraine
       
       Die ukrainische Justiz sorgt derzeit für Schlagzeilen: Nach dem Rücktritt
       des Generalstaatsanwaltes Ruslan Krawtschenko am Montagabend folgte 24
       Stunden später der Rücktritt seiner Stellvertreterin, Marija Wdowytschenko.
       Zuvor waren Serhij Kropywa, ein hochrangiger Angehöriger der
       Generalstaatsanwaltschaft, sowie seine Weggefährtin Elisabeta Iwachnenko
       von [1][den ukrainischen Antikorruptionsbehörden Nabu (Nationales
       Antikorruptionsbüro) und Sapo (Spezialisierte
       Antikorruptionsstaatsanwaltschaft)] festgenommen worden.
       
       Bei Hausdurchsuchungen in den Räumen der Generalstaatsanwaltschaft hatten
       die Antikorruptionsbehörden teuren Schmuck und erhebliche Bargeldsummen
       gefunden. Kropywa, stellvertretender Leiter der Abteilung für
       internationale Zusammenarbeit im Büro des Generalstaatsanwalts, wird die
       Annahme von Bestechungsgeldern für den Schutz betrügerischer Callcenter
       vorgeworfen.
       
       Ungefähr 2 Millionen Euro hätte Serhij Kropywa unter Mitwirkung von
       Iwachnenko, so der Staatsanwalt der Sonderermittlungsbehörde (SAP),
       bisherigen Erkenntnissen der Ermittlungen zufolge gewaschen. Mit diesen
       Geldern hätten sie unter anderem Immobilien in Kyjiw und Odessa erworben.
       Darüber hinaus wird Iwachnenko vorgeworfen, Kropywa geholfen zu haben, mit
       aus kriminellen Quellen stammenden Geldern einen Mercedes-Benz zu kaufen.
       
       In einem mitgeschnittenen Telefonat wird sie von ihrem Gesprächspartner,
       offensichtlich Kropywa, angewiesen, Fotos von ihrem teuren Schmuck auf
       Instagram zu löschen. Gegen beide ordnete das Gericht eine zweimonatige
       Untersuchungshaft an. Iwachnenko wird nicht beschuldigt, Callcenter
       betrieben oder deren Schutz organisiert zu haben.
       
       ## Bis zu 3.000 Euro
       
       Sie und Kropywa bestreiten die gegen sie erhobenen Vorwürfe. Gegenüber dem
       vom US-amerikanischen Kongress finanzierten Sender Svoboda geht Volodymyr
       Fomitschow, Redakteur der Ukrajinska Prawda, von derzeit rund 2.000
       illegalen Callcentern in der Ukraine aus. Die Zentren beschäftigten seinen
       Informationen zufolge jeweils zwischen 40 und 200 Menschen. Diese
       verdienten im Durchschnitt zwischen 2.000 und 3.000 Euro pro Monat, so
       Fomitschow.
       
       Die Ukrainska Pravda schätzt unter Berufung auf eigene Quellen, [2][dass
       die Vertreter der Generalstaatsanwaltschaft monatlich etwa 7.000 Dollar von
       jedem illegalen Callcenter erhalten hätten].
       
       Wenn man davon ausgehe, dass die Generalstaatsanwaltschaft 100 illegale
       Callcenter unter ihre Fittiche genommen habe, komme man auf die stolze
       Summe von 700.000 Dollar monatlich, rechnet die Ukrajinska Pravda vor.
       Möglicherweise waren es 2026 gar 500 Callcenter, denen Vertreter der
       Generalstaatsanwaltschaft Schutz angeboten hätten. Dann, so rechnet die
       Ukrajinska Prawda weiter, hätten sich pro Monat 3,5 Millionen Dollar
       illegal erwirtschaften lassen.
       
       Noch wirft man Ex-Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko und seiner
       ehemaligen Stellvertreterin Marija Wdowytschenko keine Beteiligung an
       diesen Machenschaften vor. Doch es dürfte ihnen schwerfallen, den
       Antikorruptionsbehörden zu erklären, von all dem nichts gewusst zu haben.
       
       9 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [2] https://www.pravda.com.ua/news/2026/09/08/8052373/
       
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 (DIR) Bernhard Clasen
       
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