# taz.de -- Korruptionsermittlungen in der Ukraine: Razzia bei Julija Tymoschenko
> Antikorruptionsbehörden haben Julija Tymoschenkos Büro durchsucht. Sie
> soll Abgeordneten im Parlament Geld für ihre Stimmen geboten haben.
(IMG) Bild: Kyjiw, März 2022: Julija Tymoschenko gibt ein Interview
Vor allem Menschen etwas fortgeschrittenen Alters dürfte sie ein Begriff
sein: Die ukrainische Politikerin [1][Julija Tymoschenko] – viele Jahre
trug sie einen kunstvoll um den Kopf geschlungenen blonden Zopf, der zu
ihrem Markenzeichen wurde.
Seit dieser Woche hat die 65-Jährige wieder einmal Probleme am Hals. Am
Mittwoch veröffentlichte die [2][Nationale Antikorruptionsbehörde der
Ukraine] (NABU) Mitschnitte eines Gesprächs zwischen Tymoschenko und einem
Abgeordneten. Es geht es um das Verhalten bei einer bevorstehenden
Abstimmung über die Minister für Verteidigung und digitale Transformation,
Denys Schmyhal und Mychajlo Fedorow.
Man „zahle zehn für zwei Sitzungen“, ist von Tymoschenko, die Chefin der
oppositionellen Fraktion Batkiwschtschyna (Vaterland) ist, zu vernehmen.
Bei Abberufungen werde mit Ja gestimmt, hingegen mit Nein bei Ernennungen.
Tymoschenko nennt als Grund, die aktuelle Mehrheit „zu zerschlagen“ und ihr
„keinen Spielraum zu lassen“.
Bereits am Dienstag hatten ukrainische Medien über [3][Korruptionsvorwürfe
gegen Tymoschenko und Hausdurchsuchungen in den Büroräumen von
Batkiwschtschyna] berichtet. Am Mittwoch bestätigte Tymoschenko diese
Informationen. Mehr als 30 schwer bewaffnete Männer hätten, ohne
irgendwelche Dokumente vorzulegen, „das Gebäude praktisch besetzt und
Angestellte als Geiseln genommen. Alle diese absurden Anschuldigungen weise
sie kategorisch zurück, wird sie zitiert.
Tymoschenko wurde in der Industriestadt Dnipro (bis 2016 Dnipropetrowsk)
geboren, dort wuchs sie auch auf. Nach Abschluss eines Studiums der
Wirtschaftswissenschaften 1984, ihrer Heirat und der Geburt einer Tochter
arbeitet Tymoschenko zunächst in einem Betrieb für Maschinenbau in
Dnipropetrowsk. Mit ihrem Mann gründet sie einen Videoverleih. Nach der
Unabhängigkeit der Ukraine 1991 steigen beide ins Ölgeschäft ein. 1995 wird
Tymoschenko Chefin des Energiekonzerns „Vereinigte Energiesysteme der
Ukraine“ (EESU).
## Mehrere Ermittlungsverfahren
Zwei Jahre später zieht sie erstmals als Abgeordnete in das nationale
Parlament (Werchowna Rada) ein. Sie gründet das Parteienbündnis Bjut (Block
Julija Tymoschenko), in dessen Namen sie mit [4][Wiktor Juschtschenko] eine
Vereinbarung unterzeichnet. Als der infolge der [5][Orangenen Revolution]
2004 zum Präsidenten gewählt wird, steigt Julija, wie ihre Landsleute sie
nennen, zur ersten Regierungschefin der Ukraine auf.
Im September 2005 wird die Regierung entlassen, die Staatsanwaltschaft
leitet mehrere Ermittlungsverfahren gegen Tymoschenko ein – vor allem wegen
ihrer Tätigkeit für die EESU. Nach zwei Jahren in der Opposition wird sie
2007 erneut Ministerpräsidentin. Drei Jahre später tritt sie bei den
Präsidentenwahlen an (wie auch 2014 und 2019) und unterliegt dem
prorussischen Kandidaten [6][Wiktor Janukowitsch].
2011 wird sie wegen des Abschlusses eines für Kyjiw unvorteilhaften
Gas-Deals mit Russland zu sieben Jahren Haft und einer
Entschädigungszahlung von umgerechnet 141 Millionen Euro an den
ukrainischen Öl- und Gaskonzern Naftogaz verurteilt. 2014, nach der
Revolution der Würde, kommt sie frei. Unvergessen der Moment, als sie – auf
einer Bühne im Rollstuhl sitzend – sich politisch wieder zurückmeldet.
Die jüngsten Vorwürfe könnten weiteren Ambitionen ein Ende setzen.
Übrigens: Als Präsident Wolodymyr Selenskyj im vergangenen Sommer mehrere
Antikorruptionsbehörden an die Kandare nehmen wollte, stimmte Tymoschenko
für das Gesetz. Als dieses wenige Tage später wieder zurückgenommen wurde,
stimmte sie gegen diese Entscheidung. Noch Fragen?
14 Jan 2026
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(DIR) [6] /Ukrainischer-Ex-Praesident/!5019571
## AUTOREN
(DIR) Barbara Oertel
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