# taz.de -- Kapitän der deutschen Klimadiplomatie: Flasbarth schmeißt hin
       
       > Jochen Flasbarth hat es vom Nabu-Chef zum Staatssekretär im
       > Bundesumweltministerium gebracht. Jetzt verlässt er die politische Seite.
       
 (IMG) Bild: Gibt sein Amt auf: Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium
       
       Das Interessantes an dieser Personalie ist der Zeitpunkt: Jochen Flasbarth,
       der verbeamtete Staatssekretär im Bundesumweltministerium, gibt sein hohes
       Amt auf und wird stattdessen Chef der „European Climate Foundation“. Und
       zwar einen Monat vor Beginn der UN-Klimakonferenz 2026 (COP31) in Antalya.
       Verbeamtete Staatssekretäre sind die Kapitäne im Maschinenraum der Politik
       und Jochen Flasbarths Spezialgebiet war die internationale Klimadiplomatie.
       
       Noch bis Donnerstag tagt eine sogenannte Pre-COP auf den Fidschi-Inseln und
       in Tuvalu. Im Vorfeld erklärte Flasbarth dieses Treffen zu „einem wichtigen
       Moment, um vor der Weltklimakonferenz in Antalya politische
       Einigungsmöglichkeiten zu erkunden“. Aktuell ist Flasbarth aktiv auf dieser
       vorgelagerten Konferenz in das „wichtige Momentum“ eingebunden. Die
       politische Einigung wird im November aber ohne ihn stattfinden müssen.
       
       Eine Sprecherin des Bundesumweltministeriums bestätigte gegenüber taz, dass
       die COP31 in Antalya ohne ihn stattfinden wird. Zudem steht seine
       Nachfolgerin bereits fest: Heike Henn wird neue Staatssekretärin, aktuell
       leitet sie im Ministerium die Abteilung für internationalen Umwelt- und
       Klimaschutz. Weltklimakonferenzen beginnen immer mit der Bonner
       Frühjahrskonferenz, strittige Fragen bis zur großen COP im November werden
       dann auf Zwischentreffen und solchen Pre-COPs, wie derzeit im Pazifik,
       verhandelt. Ein Prozess, an dem Heike Henn eng mitgearbeitet hat.
       
       Die Karriere des heute 64-Jährigen ist rasant: Mit 16 Jahren trat Jochen
       Flasbarth in den „Deutschen Bund für Vogelschutz“ ein, mit 21 Jahren wurde
       er zum Jugendsprecher gewählt. 1990 gab es auch im deutschen Naturschutz
       eine Wiedervereinigung: Aus Vogelschutzbund West und dem Naturschutzbund
       Ost wurde „Naturschutzbund Deutschland“ – der Nabu. Als Flasbarth 1992 zum
       Präsidenten gewählt wird, ist er 30 Jahre. Zehn Jahre lang baut der
       diplomierte Volkswirtschaftler den Nabu zu einer stärker politisch
       agierenden Organisation um.
       
       Und schließlich holte ihn Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Bündnis
       90/Die Grünen), trotz SPD-Parteibuch, 2003 als Abteilungsleiter ins
       Ministerium, wo er sich auch unter Bundesumweltminister Sigmar Gabriel
       (SPD) für höhere Aufgaben empfahl. 2009 wurde Flasbarth Präsident des
       Umweltbundesamts, vier Jahre später beamteter Staatssekretär. Genau das
       blieb er 13 Jahre lang: Neun Jahre im Umweltministerium, vier in dem für
       wirtschaftliche Zusammenarbeit.
       
       Wie viel Frust Flasbarth aktueller Entscheidung zugrunde liegt, lässt sich
       nur spekulieren: Zuletzt hatte Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD)
       einen Plan bei der UNO eingereicht, wie die Bundesrepublik fossilfrei
       werden will. Gleichzeitig torpediert Bundeswirtschaftsministerin Katherina
       Reiche (CDU) mit ihren Gesetzen zu den Erneuerbaren und dem Netzausbau
       solche Pläne.
       
       Flasbarth liebäugelte bereits früher mit einem Wechsel in die
       internationale Politik, beispielsweise 2016 und 2018, als er sich um den
       Chefposten bei der Unep, dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen, bewarb
       – aber sich nicht durchsetzte. Zwar ist die „European Climate Foundation“
       nicht die UNO, mit ihren 250 Millionen Euro ausgereichten Mitteln aber
       sicherlich eine der einflussreichsten Stiftung in Europa. Flasbarth wird
       das Amt im Februar antreten. Und einen alten Bekannten wiedertreffen:
       Jonathan Pershing ist stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates.
       Unter US-Präsident Barack Obama war er Chefunterhändler bei den COPs.
       
       6 Oct 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Nick Reimer
       
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