# taz.de -- Klimaschutz in Unternehmen: Thermomix schaltet auf Ökomodus
       
       > Hersteller Vorwerk geht in einen Klima-Firmenverband. Dahinter steht auch
       > die Deutsche Industrie- und Handelskammer, die gegen Klimapolitik
       > lobbyiert.
       
 (IMG) Bild: Der Hersteller vom Thermomix schließt sich einem Klima-Unternehmensverband an
       
       Der Thermomix ist ein fester Bestandteil in vielen deutschen Küchen.
       Kochmagazine haben ganze Rezeptrubriken für die Küchenmaschine, die neben
       zerkleinern und mixen auch erhitzen und braten kann. Nun will
       Thermomix-Produzent Vorwerk auch ein fester Bestandteil beim [1][Thema
       Klimaschutz] sein. Das Wuppertaler Familienunternehmen wird dafür Mitglied
       im Verband Klimaschutz-Unternehmen. Am Mittwoch wird es neben zwei anderen
       Unternehmen beim Klimaschutztag 2026 im Berliner Haus der deutschen
       Wirtschaft in den Verein aufgenommen.
       
       Der Verband Klimaschutz-Unternehmen wurde einst auf Initiative des
       Bundeswirtschaftsministeriums, des Bundesumweltministeriums und der
       Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) gegründet. Ihm gehören
       Konzerne wie die Discounter-Kette Aldi Süd und der Möbel-Riese Ikea
       Deutschland ebenso an wie mittelständische Familienunternehmen, etwa
       Deutschlands größte Biobrauerei Lammsbräu. Die Mitglieder wollen dem
       Firmenverein zufolge beweisen, „dass ambitionierte Klimaziele zum
       unternehmerischen Selbstverständnis gehören“.
       
       „Die Aufnahme in unseren Verband erfolgt über ein Auswahlverfahren und
       liegt bei unserem unabhängigen Beirat“, teilt der Verband auf Nachfrage
       mit. In diesem seien neben Vertreter*innen der Mitglieder und
       Institutionen wie dem Umweltbundesamt auch die drei Initiatoren vertreten.
       Vorwerk selbst argumentiert etwa mit einer genauen Kundenberatung durch den
       traditionellen Vertrieb an der Haustür und dem Fokus auf Langlebigkeit der
       Produkte.
       
       In Bezug auf die DIHK wirft das die Frage auf, wie sie ihr Engagement bei
       den Klimaschutz-Unternehmen mit ihren sonstigen klimapolitischen
       Positionierungen in Einklang bringt. Denn die DIHK hat im vergangenen
       Herbst ein Positionspapier verabschiedet, in dem sie eine [2][Abkehr von
       wichtigen Klimazielen] fordert. So soll Deutschland das Ziel der
       Klimaneutralität bis 2045 aufgeben, auch soll die Bundesregierung auf die
       Festlegung von konkreten CO2-Minderungszielen für einzelne Jahre
       verzichten.
       
       ## DIHK-Engagement passt nicht zu ihren Positionen
       
       „Dass sich die DIHK beim Klimaschutztag 2026 auf die Bühne stellt und
       Vorreiter beim Klimaschutz auszeichnet, ist begrüßenswert, passt aber nicht
       zu ihrem politischen Wirken“, sagt die Geschäftsführerin des
       Bundesverbandes Nachhaltige Wirtschaft (BNW), Katharina Reuter, der taz.
       
       Seit 1992 engagiert sich der Unternehmensverband für Umweltschutz, bis 2021
       noch unter dem Namen Unternehmensgrün. Er gilt als Vorreiter in Sachen
       nachhaltiges Wirtschaften. Auch unter seinen Mitgliedern gibt es größere
       Unternehmen wie die Drogeriekette dm oder den Naturkosmetikhersteller
       Weleda. Der Fokus liegt aber auf Mittelständlern wie dem Outdoor-Ausrüster
       Vaude oder Start-ups wie dem Suchmaschinenbetreiber Ecosia oder dem Kondom-
       und Hygieneprodukthersteller Einhorn.
       
       „Mit ihren rückwärtsgewandten Positionen zu Energiewende,
       Energieeffizienzgesetz und dem Infragestellen vom verbindlichen
       jahresscharfen Klimazielen hat die Kammer seit dem vergangenen Herbst
       massiv Unsicherheit geschürt“, führt Reuter ihre Kritik weiter aus. Teile
       der DIHK-Positionen fänden sich nun in den aktuellen Vorhaben des
       Wirtschaftsministeriums wieder. Mit den vorgeschlagenen Änderungen am
       Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und dem Netzpaket könne der
       Erneuerbarenausbau erneut ins Stocken geraten und die Energiewende im
       Mittelstand ausgebremst werden.
       
       BNW-Geschäftsführerin Reuter berichtet, dass ihr Verband viele Anrufe von
       Unternehmen erhalten habe, die sich wegen des Klimapapiers von der DIHK
       übergangen fühlten. Ihr Verband startete daraufhin eine Onlinekampagne.
       Über 1.200 Unternehmen haben diese unterzeichnet, um ihre Unzufriedenheit
       mit der DIHK auszudrücken. Darunter sind unter anderem Vaude und der
       Obstsaft-Produzent Voelkel, ebenfalls BNW-Mitglied. Sie kritisieren, dass
       die DIHK das Klimapapier ohne breite Beteiligung aller ihrer
       Mitgliedsunternehmen beschlossen hat.
       
       Seitens der DIHK heißt es, dass man die Klimaneutralität erreichen wolle,
       ohne die Breite der Wirtschaft zu überfordern. „Allerdings sehen wir, dass
       sich mit der derzeitigen Politik das Ziel der Klimaneutralität 2045 nur
       unter hohen Kosten für erhebliche Teile der Wirtschaft erreichen lässt und
       dies zu einem massiven Verlust an Wertschöpfung, Arbeitsplätzen und
       Wohlstand führt“, teilte eine DIHK-Sprecherin der taz mit.
       
       ## Vorwerk will sich zur DIHK nicht äußern
       
       Allerdings wollen weder Vorwerk noch der Verband Klimaschutz-Unternehmen
       das Klimapapier der DIHK kommentieren. „Für Fragen zu dessen Inhalt und
       Zielsetzung wenden Sie sich bitte direkt an die DIHK“, teilte Vorwerk der
       taz mit. „Im Rahmen unserer Mitgliedschaft im Verein
       Klimaschutz-Unternehmen e. V. möchten wir Erfahrungen austauschen und
       gemeinsam konkrete Fortschritte bei Klimaschutz, Energieeffizienz und
       Ressourcenschonung erzielen.“ Vorwerk verfolgt darüber hinaus eine eigene
       Klimastrategie, mit der man einen Beitrag zu den internationalen
       Klimazielen des Pariser Weltklimaabkommens leisten wolle.
       
       „Als Klimaschutz-Unternehmen e.V. sind wir institutionell und finanziell
       unabhängig“, teilte der Verband mit. „Zu den politischen Positionen unserer
       Initiatoren und Netzwerkpartner nehmen wir keine Stellung.“ Als Vorreiter
       im unternehmerischen Klimaschutz zeigten die Mitgliedsunternehmen, „was
       heute bereits möglich ist“.
       
       Dabei gibt es durchaus auch Überschneidungen mit dem Bundesverband
       Nachhaltige Wirtschaft (BNW). Die Unternehmen Lammsbräu und Märkisches
       Landbrot sind etwa in beiden Verbänden Mitglied. „Die
       Klimaschutz-Unternehmen und auch Vorwerk leisten einen wichtigen Beitrag“,
       sagt deshalb BNW-Geschäftsführerin Reuter. Sie zeigten, dass sich
       Mittelstand, Familienunternehmen und Großkonzerne längst auf den Weg der
       Transformation gemacht hätten. [3][Das Wirtschaftsministerium] und die DIHK
       sollten daher auf der Preisverleihung „genau zuhören, wenn es um die
       Wünsche nachhaltiger Unternehmen geht – und den Zukunftsmärkten nicht mit
       ihren politischen Positionen im Weg stehen“.
       
       11 Oct 2026
       
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