# taz.de -- Impfstoff-Geberkonferenz: Milliardenspritzen gegen das Virus
       
       > In Brüssel gehen von überall Finanzzusagen zur Entwicklung von
       > Impfstoffen gegen Covid-19 ein. Gibt es doch noch internationale
       > Solidarität?
       
 (IMG) Bild: Die Entwicklung eines Covid-19-Impfstoffes gilt als Schlüssel für die Überwindung der Pandemie
       
       Brüssel taz | Der Kampf gegen die Coronakrise geht in eine neue Phase. Nach
       einer Welle des Nationalismus und Protektionismus, die auch die 27
       EU-Länder auseinanderdividiert hat und zu Spannungen mit den USA und China
       führt, wirbt die [1][EU-Kommission] nun für eine globale und solidarische
       Antwort auf die verheerende Pandemie.
       
       „Wir müssen die Welt zusammenbringen, um das Virus zu besiegen“, erklärte
       EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zum Auftakt einer weltweiten
       Geberkonferenz am Montag in Brüssel. Die ungewöhnliche Online-Konferenz
       soll mindestens 7,5 Milliarden Euro eintreiben – 4 Milliarden für die
       Entwicklung und Einführung erschwinglicher Impfstoffe, weitere 2 Milliarden
       für Behandlungsmöglichkeiten und 1,5 Milliarden Euro für Tests.
       
       Die EU-Kommission hat 1 Milliarde Euro zugesagt, Deutschland will 525
       Millionen Euro zuschießen. Auch Frankreich, Großbritannien, die Türkei und
       China machen mit, sogar Saudi-Arabien als Vorsitzland der G20-Gruppe. Die
       Konferenz, die von der Weltgesundheitsorganisation WHO unterstützt wird,
       sei ein „Signal der Hoffnung in schwierigen Stunden für viele Länder“,
       sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin.
       
       Die Entwicklung eines Impfstoffs gilt als Schlüssel für eine Überwindung
       der Pandemie. Erst wenn möglichst viele Menschen gegen Covid-19 geimpft
       sind, können die Schutzmaßnahmen und Reisebeschränkungen aufgehoben werden.
       
       „Impfstoff von der Welt für die Welt“ 
       
       Schon jetzt wird nach Angaben der EU-Kommission an mehr als 70 möglichen
       Impfstoffen geforscht. Mindestens drei Produkte werden inzwischen klinisch
       getestet. Doch die „Global Response“ will weitergehen – und sicherstellen,
       dass der Impfstoff am Ende nicht nur einzelnen Ländern oder Konzernen
       zugutekommt, sondern allen. Es gehe um einen „Impfstoff von der Welt für
       die Welt“, heißt es in Brüssel. „Wir verpflichten uns dazu, ihn für alle
       verfügbar, zugänglich und erschwinglich zu machen“, heißt es in dem Appell,
       den auch Merkel unterzeichnet hat.
       
       Allerdings gleicht der Weg zu einem Impfstoff bisher mehr einem
       rücksichtslosen Wettlauf um die globale Vorherrschaft als einem
       solidarischen Marathon, wie ihn sich von der Leyen wünscht. Vor allem die
       USA stellen sich der „Global Response“ der Europäer in den Weg.
       US-Präsident Donald Trump hat ein eigenes nationales Programm gestartet. Er
       wolle einen Impfstoff möglichst schon vor Jahresende bereitstellen, sagte
       er.
       
       Europa und der Rest der Welt könnten dabei den Kürzeren ziehen, so die
       Sorge in Brüssel. Er sehe „die Gefahr, dass [2][Donald Trump das Prinzip
       ‚America first‘ durchsetzt“], warnt der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese.
       
       Kritik von den Vereinten Nationen 
       
       Unklar ist bei dem Weg zum Impfstoff auch, ob die EU-Kommission der
       richtige Wegweiser ist. Die Präsidentin der Hilfswerke Brot für die Welt
       und Diakonie Katastrophenhilfe, Cornelia Füllkrug-Weitzel, meldete im SWR
       erste Zweifel an. Es flössen öffentliche Gelder ohne klare Mechanismen zur
       Rechenschaftslegung. „Das ist stark ungewöhnlich“, sagte sie.
       
       Leise Kritik kommt auch von den Vereinten Nationen. Nötig sei das größte
       öffentliche Gesundheitsprogramm der Geschichte, erklärte UN-Generalsekretär
       António Guterres. Die 7,5 Milliarden Euro aus Brüssel seien ein guter
       Start. „Aber um jeden überall zu erreichen, werden wir wahrscheinlich
       fünfmal so viel brauchen“, betonte Guterres. Insgesamt gehe es um rund 40
       Milliarden.
       
       Dass noch viel mehr Hilfe gebraucht wird, ist auch [3][Kommissionschefin
       von der Leyen] bewusst. Die Konferenz sei nur der Auftakt zu weiteren,
       weltweiten Bemühungen, sagte sie. Die Brüsseler Kommission wolle das Geld
       nicht selbst ausgeben, sondern nur verbuchen und danach an die richtigen
       Stellen weiterleiten. Es sollen alle Zusagen mitgezählt werden, die seit
       dem 30. Januar gegenüber der WHO gemacht wurden.
       
       Die CDU-Politikerin hatte im April eingeräumt, dass die EU zu Beginn der
       Coronakrise selbst Fehler gemacht habe. So habe man dem besonders
       betroffenen Italien zunächst zu wenig geholfen. Seither habe sich Brüssel
       aber zum „Epizentrum der Solidarität“ entwickelt. Mit der Geberkonferenz
       wollte von der Leyen diesen Anspruch bekräftigen.
       
       4 May 2020
       
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