# taz.de -- Große CSD-Demo am Samstag in Berlin: Politik und Party
       
       > 20.000 Menschen werden erwartet: Am Samstag ist CSD in Berlin. Bei der
       > Großdemo und weiteren Events steht in diesem Jahr die Politik im
       > Vordergrund.
       
 (IMG) Bild: Tausende waren bei der East-Pride-Demo; auch der CSD erwartet viel mehr Besucher*innen als 2020
       
       Berlin taz | Ermutigend, ernüchternd, irritierend. Die Berliner Pridesaison
       2021 bot ein gemischtes Bild. Ja, das war immer so, doch es gab auch Neues
       zu beobachten. Äußerst ermutigend etwa war der Zug Schwarzer Queers,
       Indigener, People of Colour und ihrer Verbündeten, der am 26. Juni, zum
       Auftakt des Regenbogenmonats, in Kreuzberg startete. Mit deutlicher
       antirassistischer Botschaft („Niemand ist frei, bis nicht alle frei sind“)
       und diszipliniertem Verhalten, was den Infektionsschutz betrifft, hat diese
       Demo endgültig die jahrzehntelange weiße Dominanz im Berliner CSD-Business
       aufgebrochen.
       
       Sie war Teil einer Sterndemo, deren Zentrum der Alexanderplatz bildete. Die
       beiden andere Demoarme, „East Pride“ mit Start in Prenzlauer Berg und die
       von Neukölln ausgehende „Queerschutz now“-Demo, fokussierten die Bewegung
       in der DDR und Solidarität mit osteuropäischen LGBTIs sowie den Erhalt
       queerer Infrastruktur in Berlin. Die Sterndemo selbst – flankiert von einem
       enorm vielfältigen Livestream – erwies sich als ein ermutigendes,
       zukunftsweisendes Modell für die Berliner Community, denn sie demonstrierte
       Verbundenheit bei unterschiedlichen Schwerpunkten.
       
       Ernüchternd war später am Tag der Eindruck vom anarchistischen CSD am
       Kreuzberger Mariannenplatz, der vor allem der maskenfreien Druckabfuhr nach
       einer partyarmen Zeit zu dienen schien – nicht unähnlich der Entwicklung,
       die der Abend in der Hasenheide nehmen sollte. Dabei ist Feiern durchaus
       möglich, ohne politischen Anspruch und Infektionsschutz aufzugeben.
       
       Das zeigten zum Beispiel der erste Berliner Trans* Pride und der
       ermutigende Marzahn Pride, der am 17. Juli zum zweiten Mal auf die Straße
       zog, um mit Fokus auf die russischsprachige Community Vorurteile abzubauen:
       gegenüber LGBTI, aber auch gegenüber einem Stadtteil, der bislang als nicht
       sonderlich queer-freundlich gilt.
       
       ## Regenbogeninflation und Doppelmoral
       
       Verglichen damit konnte die plötzliche Regenbogeninflation irritieren, die
       sich, ausgelöst durch die epidemiologisch mehr als zweifelhafte
       Fußball-Europameisterschaft, bis weit ins konservative Lager ausbreitete.
       
       Zuweilen schien es dabei mehr um eine Abwertung osteuropäischer Ländern zu
       gehen, als um Solidarität mit den Queers dort. Die Doppelmoral
       pinkwashender Großunternehmen trat deutlich zu Tage. Auch kamen die nicht
       gerade queerfreundliche Struktur des deutschen Männerfussballs, sowie die
       überkommene Geschlechterbinarität des Sports in der Debatte kaum vor.
       
       Gegen männliche Dominanz und für lesbische Sichtbarkeit gehen,
       beziehungsweise fahren, [1][am Freitag hingegen Lesben und Co.] beim Dyke*
       March auf die Straße. Traditionell findet diese Demo am Vorabend des
       „großen“ CSDs statt, der am Samstag durch die Stadt zieht.
       
       Doch auch die Parade des Berliner CSD e.V, die in Berlin eine Art Abschluss
       der Saison bilden wird, kommt in diesem Jahr anders daher. Mit Nasser
       El-Ahmad wurde im März zum ersten Mal eine Person of Color in den Vorstand
       des Vereins gewählt. Dieser hatte schon im vergangenen Jahr eine
       Alternativdemo initiiert, nachdem der Verein ausschließlich auf einen
       Livestream setzte.
       
       Wesentlich kleiner als in der Vergangenheit war die Parade 2020, weniger
       kommerziell und politischer. Dieser Charakter soll erhalten bleiben, so
       scheint es. „Der CSD soll inhaltlich mehr eine Bühne sein und nicht nur
       eine Bühne haben“, sagte Patrick Ehrhardt vom Vorstand kürzlich.
       
       32 politische Forderungen sollen im Fokus stehen, von der Einrichtung von
       LGBTI-Omdudsstellen durch alle zwölf Bezirke bis zur Abschaffung des
       „Transsexuellengesetzes“. Mit 20.000 erwarteten Teilnehmenden könnte der
       Zug zwar weit größer werden, als im ersten Pandemiejahr, Partywägen soll es
       aber auch diesmal keine geben. Um den Verzicht auf Alkohol wird gebeten,
       das Tragen einer Maske wird erwartet.
       
       Solches gilt auch bei der Internationalist Queer Pride for Liberation, die
       am frühen Abend in Neukölln starten soll. In der Ankündigung der radikalen
       Komplementärdemo heißt es: „Wir setzen uns mit ganzem Herzen dafür ein, die
       Strukturen des weißen suprematistischen, kapitalistischen Patriarchats
       herauszufordern.“
       
       22 Jul 2021
       
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