# taz.de -- FC Bayern im CL-Halbfinale: Spielen und Lernen auf höchstem Niveau
       
       > Der FC Bayern ist trotz des Scheiterns im Halbfinale gegen Paris St.
       > Germain optimistisch. Der sehr guten Saison soll nun eine noch bessere
       > folgen.
       
 (IMG) Bild: Schneller Fußball: Hier mit Vorteilen für Desire Doue von Paris St. Germain
       
       Da saß Vincent Kompany, wo er immer nach Heimspielen [1][des FC Bayern]
       sitzt und über das Spiel seiner Mannschaft spricht. Eine Stunde zuvor hatte
       er den bittersten Moment in dieser Saison erlebt, vielleicht war es sogar
       der bitterste in seiner noch kurzen Trainerkarriere in München. Aber wer
       Kompany beobachtete, ohne auf seine Worte zu achten, stellte keinen großen
       Unterschied fest zu all den vorangegangenen, meist erfolgreichen Spielen in
       dieser Saison.
       
       Da saß kein geknickter Trainer, bei dem die verpasste Chance auf den
       Champions-League-Sieg sichtbare Spuren hinterließ, dieses 1:1 im
       Halbfinal-Rückspiel gegen Paris St. Germain (PSG), das das Aus bedeutete.
       Kompany sagte, er habe „nicht die Fähigkeit lange enttäuscht zu sein“, sich
       groß aufzuhalten mit Ereignissen, die ohnehin nicht mehr zu ändern sind.
       „Ich bin schon ziemlich motiviert für die nächste Saison.“
       
       Um es besser zu machen als dieses Mal, als in dieser Partie am
       Mittwochabend in der Münchner Arena, in der es die Bayern nicht so gut
       gemacht haben wie sonst. Sie sind zwar wie so oft in dieser Saison in
       Rückstand geraten, aber dieses Mal setzte das Gegentor nicht die übliche
       Energie frei. Im Gegenteil Osmane Dembelés 1:0 schien sie zu beeindrucken,
       der Ausgleich von Harry Kane in der Nachspielzeit kam zu spät. „Wir waren
       keine Killer in der Offensive“, stellte Torhüter Manuel Neuer im
       Dazn-Interview fest.
       
       PSG ist eben im Moment noch eine Nuance größer als die Bayern. Vielleicht
       weil die Mannschaft [2][von Trainer Luis Enrique] auch eine andere Facette
       des Spiels beherrscht, jene, die gar nicht ihrem Charakter entspricht, aber
       eben notwendig sein kann, um erfolgreich zu sein. Die Franzosen, die nun am
       30. Mai in Budapest gegen Arsenal London um den Henkelpott spielen,
       bewiesen, dass sie auch sehr, sehr gut verteidigen können. „Heute war
       unsere Defensive besser als die Offensive“, stellte Enrique fest. PSG gab
       das aggressive Pressing weitgehend auf und zog sich tief in die eigene
       Hälfte zurück. Nichts, was für die Bayern neu ist, in der Bundesliga agiert
       so fast jeder Gegner, aber eben unerwartet, weil in diesem Spiel jeder mit
       einem ähnlichen Spektakel wie in der Woche [3][zuvor beim 5:4 für PSG]
       gerechnet hat.
       
       ## Die stärkste Saison überhaupt
       
       Und dann war da auch ein in K.o.-Spielen unerfahrener Schiedsrichter, der
       im Zweifel eher für den Titelverteidiger entschied wie beim Handspiel von
       Nuno Mendes. Da gab es nicht Gelb-Rot für den bereits verwarnten
       Außenverteidiger, sondern Freistoß für Paris, weil Joao Pinheiro zuvor ein
       Handspiel von Laimer gesehen haben wollte. Als Ausrede sollte das aber
       nicht herhalten. „Um erfolgreich zu sein, muss man mit verschiedenen
       Situationen umgehen“, sagte Jonathan Tah.
       
       Die Bayern versuchten, sich nicht mehr lange mit dem Unabänderlichen zu
       beschäftigen. „Ich glaube nicht, dass uns das irgendwie umwerfen oder vom
       Weg abbringen wird“, sagt Joshua Kimmich – auch mit Blick auf das Finale im
       DFB-Pokal in gut zwei Wochen gegen den VfB Stuttgart. „Das war, glaube ich,
       die bisher stärkste Saison, die wir gespielt haben“, sagte Kimmich. Stärker
       als die Triplesaison 2020, findet er. „In dieser Konstanz, in dieser Art
       und Weise, mit so einer Truppe in der Kabine – das habe ich selten erlebt.“
       Die Saison zum ersten Mal seit 2020 mit mehr als einem Titel abzuschließen,
       habe eine „große Relevanz“, findet der Vorstandsvorsitzende Jan-Christian
       Dreesen.
       
       Dieses Halbfinal-Aus in der Königsklasse ist vielleicht so etwas wie eine
       weitere Station auf der Reise, die mit Kompany in der vergangenen Saison
       begonnen hatte. „Wir haben letztes Jahr etwas gelernt, wir werden dieses
       Jahr wieder etwas daraus lernen. Und dann werden wir nächstes Jahr wieder
       angreifen“, sagte Sportvorstand Max Eberl.
       
       Eine Mannschaft also, die noch nicht an ihrer Leistungsgrenze angekommen
       ist? Für Kompany keine Frage: „Grundsätzlich bin ich der Überzeugung, dass
       wir nächste Saison noch einmal einen Schritt machen.“ Mit etwas
       modifiziertem Kader, da neben den bereits feststehenden Abgängen Leon
       Goretzka, Raphael Guerreiro und Nicolas Jackson noch ein paar weitere nicht
       zur Stammelf zählende Spieler abgegeben werden sollen. Auch Kimmich ist
       sicher, dass diese Reise nur unterbrochen, aber noch nicht zu Ende ist.
       „Ich sitze in der Kabine und habe das Gefühl, dass wir mit dieser
       Mannschaft die Champions League noch gewinnen können.“ Nicht am Ende dieses
       Monats in Budapest, sondern in einem Jahr in Madrid. Vielleicht.
       
       7 May 2026
       
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