# taz.de -- PSG gewinnt die Champions League: Ganz schön zäh
       
       > Es war ein wenig unterhaltsames Spiel und ein spannendes
       > Elfmeterschießen. Am Ende verteidigt Paris SG seinen Champions League
       > Titel gegen Arsenal.
       
 (IMG) Bild: Achraf Hakimi (links) and Ousmane Dembélé feiern sich und die Champions-League-Trophäe
       
       Als die Verlängerung begann, wandten sich Marquinhos und Gabriel Magalhães
       an ihre Fankurven. Der brasilianische Kapitän von Paris Saint-Germain und
       der ebenfalls brasilianische Abwehrchef des FC Arsenal putschten mit
       derselben rudernden Armbewegung ihre jeweiligen Anhänger auf. Diese
       erwiderten mit Gesängen, herauskam eine flirrende Kakophonie. In einem
       zähen Champions-League-Finale stand die Auflösung an. Spannend kann Fußball
       immer sein.
       
       Als die Entscheidung – 5:4 (1:1) n.E. – dann eine knappe Stunde später
       endlich gefallen war, standen Marquinhos und Gabriel ganz nah beieinander.
       Während seine Pariser Kollegen ihren ersten Jubellauf über den Platz
       starteten, bog der PSG-Profi direkt zu Gabriel ab – der gerade den letzten
       Elfmeter in die Wolken gesetzt hatte.
       
       Es war einer dieser Fehlschüsse, die sich schon abzeichnen, wenn der
       Schütze nicht die ideale Ballposition auf dem Elfmeterpunkt findet.
       Magalhães wurde so nach einer zuvor überragenden Defensivleistung vom
       möglichen MVP zur tragischen Figur. Marquinhos nahm ihn in den Arm und
       tröstete ihn lange. Ab sofort bilden die beiden gemeinsam das
       WM-Innenverteidigerpaar für Rekordweltmeister Brasilien.
       
       Aus Sicht des Spiels kann es dann fast nur besser werden. Denn wie die
       spanische „Marca“ das Duell vom Samstag aus Publikumssicht kommentierte:
       „Gewonnen haben diejenigen, die erst um 21 Uhr den Fernseher
       einschalteten.“ Um diese Uhrzeit begann früher ein Champions-League-Finale,
       diesmal war es auf 18 Uhr vorverlegt worden und um 21 Uhr fiel die
       Entscheidung. Und – aus Sicht des Spiels – wohl dankenswerterweise für den
       angriffsbemühteren [1][Titelverteidiger PSG].
       
       ## Die Arsenal-Strategie
       
       Denn Sieger machen Schule, und die Schule von Arsenal würde auf kurz oder
       lang die Stadien leerfegen. Das Team von Trainer Mikel Arteta ist eine
       harte Nummer für Ästheten wie für Puristen. Das Finale eröffnete es mit
       einem Anstoß hoch in die Luft wie bei einem Rugby-Spielzug, damit sich
       gleich das erste dieser Getümmel bilden konnte, auf die es Arsenals
       Strategie anlegte.
       
       Endgültig geklärt war das Drehbuch der Partie dann nach fünf Minuten, als
       Kai Havertz instinktsicher in den freien Raum startete, dort einen
       glücklich in seinen Lauf geflipperten Ball vorfand und grandios zum 1:0
       vollstreckte. Danach verteidigte die defensiv stärkste Mannschaft der
       Champions League taktisch wie individuell brillant, und zerstörte mit
       enervierendem Zeitspiel bei jedem Abschlag, Einwurf oder Freistoß für lange
       Zeit jede Art von Rhythmus.
       
       Die Londoner, das muss man ihnen lassen, definierten über weite Strecken,
       was in Budapest gespielt wurde. Sie ließen die Pariser Offensivvirtuosen so
       gewöhnlich aussehen wie lange niemand mehr. Die VIPs waren von dem
       Geschehen so gelangweilt, dass sie weit vor und nach der Halbzeitpause die
       Canapés den Befreiungsschlägen vorzogen und ihre Sitze leer ließen.
       
       Erst als der deutsche Schiedsrichter Daniel Siebert kurz nach Wiederbeginn
       zu spät, aber immerhin die erste Verwarnung für Zeitspiel aussprach,
       besserte sich der Unterhaltungsfaktor, und nach dem Pariser Ausgleich durch
       ein Elfmetertor von Ousmane Dembélé folgten tatsächlich einige rasantere
       Minuten, ehe das Geschehen in der Verlängerung wieder verflachte.
       
       ## Viel Mühe und ein Quäntchen Glück
       
       „Das hat viel Mühe gekostet“, schnaufte [2][PSG-Trainer Luis Enrique]
       später und räumte ein: „In Paris haben wir gerade die Blume.“ In seiner
       spanischen Muttersprache ist das die Formulierung für Fortune, und diese
       wiederum ist bekanntlich die Schwester der Mentalität.
       
       Das ist vielleicht das Erstaunlichste in der Metamorphose des PSG von einem
       Klub der großen Ankündigungen zu einem der großen Taten: Wenn es läuft,
       gewinnt er so [3][brillant wie beim 5:0 im Vorjahresfinale gegen Inter
       Mailand]. Und wenn es nicht läuft – wie oft in dieser Saison mit der
       Müdigkeit von der Klub-WM des letzten Sommers in den Knochen und vielen
       Verletzungssorgen –, dann gewinnt er trotzdem.
       
       Gefeiert wurde beide Male ähnlich euphorisch, in Budapest tanzte Luis
       Enrique völlig losgelöst mit seinen Spielern und jedem, der ihm irgendwie
       in die Quere kam. Als erst zweiter Verein nach Real Madrid konnte Paris die
       Champions League erfolgreich verteidigen.
       
       Luis Enrique, schon 2015 mit Barcelona erfolgreich, avanciert immer
       deutlicher zum führenden Strategen der Gegenwart. Seine Mannschaft ist
       überwiegend immer noch sehr jung und eine feste Einheit, auch wenn es in
       ihr so schwierige Koexistenzen wie zwischen dem russischen Torwart Matwei
       Safonow und dem ukrainischen Einwechselspieler Illya Zabarnyi gibt, die
       sich nicht mal grüßen wollen.
       
       Diesem PSG kann offenbar nicht mal ein Krieg etwas anhaben.
       
       31 May 2026
       
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