# taz.de -- Torjäger Harry Kane: Ein Engländer wird Bayer
> Harry Kane, dreifacher Torschütze im DFB-Pokal, ist so treffsicher wie
> kein anderer, aber kein Egomane. Die Rettung für den FC Bayern und Uli
> Hoeneß.
(IMG) Bild: Harry Kane nach dem Gewinn des DFB-Pokals
Was schreiben, wenn das Besondere nicht mehr besonders ist? Sicherlich,
drei Tore vom selben Spieler in einem DFB-Pokalfinale, das gab es nicht
oft. Nur Spielern mit für Fußballfanohren wohlklingenden Namen ist das
bislang gelungen: Uwe Seeler (1963), Roland Wohlfahrt (1986) und Robert
Lewandowski (2012) haben das schon geschafft. [1][Kane vom FC Bayern
München] ist nun der Erste, der am Samstag beim 3:0-Pokalsieg gegen den VfB
Stuttgart alle drei Treffer binnen der zweiten Halbzeit erzielt hat.
Außergewöhnlich ist es jedoch nicht wirklich. Die drei Kane-Tore in der
zweiten Hälfte beim 5:0-Erfolg des FC Bayern beim Ligaspiel in Stuttgart
sind bei den Fans noch in frischer Erinnerung. Schließlich geschah [2][das
erst vergangenen Dezember].
Dreißigmal hat der 32-Jährige schon in seiner Karriere über Dreierpacks,
wie es im Fußballdeutschen heißt, gejubelt. Kane-Tore gehören zu einem
Bundesligaspiel wie Anpfiff und Abpfiff. 36-mal war er bei 31 Einsätzen
erfolgreich. Und im DFB-Pokal gab es diese Saison keine Pokalrunde ohne
Kane in der Torschützenliste. Eine besondere Geschichte haben
Fußballschreiber nur, wenn der Engländer kein Tor schießt.
Als Bayern-Trainer Vincent Kompany nach dem Finale gebeten wurde, doch mal
eine Hymne auf Harry Kane zu formulieren, deren Text nicht schon allseits
bekannt ist, wich dieser aus und stellte dem Reporter die Gegenfrage: „Was
wollen Sie denn schreiben?“
Seine Übersicht und Mannschaftsdienlichkeit, seine Passgenauigkeit und
Abschlussstärke, seine Wandlungsfähigkeit, Coolness vom Elfmeterpunkt und
Bescheidenheit bei Interviews sind hinlänglich gewürdigt worden. Kompany
erklärte aufgrund der vielen Nachfragen doch mit altbekanntem Text: „Keine
Ahnung, wie man so viele Tore in seiner Karriere schießen kann und dann
trotzdem dasteht wie einer von allen.“
## Charme und Gentlemanlikeness
Harry Kane wirkt auf den ersten Blick wie ein KI-generierter Musterprofi,
der auf allen Fußballschulen dieser Welt den Nachwuchskickern vermutlich
als Role Model besonders nahegelegt wird. Wobei Kane durchaus einen eigenen
Charme und eine besondere „Gentlemanlikeness“ hat. Lange wurde er
verspottet, weil er mit dem Tottenham Hotspur und dem englischen
Nationalteam immer titellos blieb. So war sein Fazit in Berlin wenig
verwunderlich: „Das war definitiv einer der schönsten Abende meiner
Karriere.“
Was bei der Draufsicht auf all das Lob dann doch auffällt und besonders
ist: Wann wurde schon einmal ein Torjäger dieses Formats für so viele Dinge
gelobt, die nichts mit dem Toreschießen zu tun haben?
So erklärte Stuttgarts Trainer Sebastian Hoeneß am Samstagabend: „Es ist ja
nicht so, dass er nur drei Tore gemacht hat. Er hat dann auch noch in der
96. Minute hinten in der eigenen Box einen gegnerischen Spieler geblockt.
Da stand es schon 3:0.“ Just in dieser Saison hat sich Stürmer Kane
obendrein als Verteidiger, Mittelfeldspieler und Vorbereiter neu erfunden.
Und was Kane noch [3][unentbehrlicher für den FC Bayern macht]: Mit seinem
flächendeckend brillanten Spiel beruhigt er auch die Brandherde jenseits
des Rasens, die sich in München mit größter Verlässlichkeit immer wieder
auftun. Wenige Stunden vor dem DFB-Pokalfinale und dem Double-Gewinn seines
Vereins hatte Aufsichtsratsvorsitzender Uli Hoeneß öffentlich seine Zweifel
an Sportvorstand Max Eberl bekundet. Die Chancen auf eine Verlängerung
seines Vertrags bemaß er bei knappen 60 zu 40 Prozent.
Hätten die Münchner das lange Zeit recht enge Finale unspektakulär mit
vielleicht nur einem Tor für sich entschieden, wäre der Klub absurderweise
nicht um eine intensive Debatte über dieses Thema herumgekommen. Kane
jedoch lenkte an diesem Tag alle Aufmerksamkeit auf sich. Hoeneß wusste nur
zu gut, warum er Harry Kane nach dem Schlusspfiff zum besten Transfer
adelte, den der FC Bayern je gemacht habe.
26 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Johannes Kopp
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