# taz.de -- FC Bayern Trainer Vincent Kompany: Nur kein Übermut
       
       > Die Ansprüche an Vincent Kompanys Bayern steigen. Auch er selbst setzt
       > den Champions-League-Titel als Ziel. Dennoch bleibt der Coach
       > bodenständig.
       
 (IMG) Bild: Bloß nicht abheben: Vincent Kompany
       
       Es gab viele Themen beim FC Bayern vor dem Start in die neue
       Bundesliga-Saison. Die [1][Gesundheit von Jamal Musiala], die Zukunft von
       Sportvorstand Max Eberl und davor, noch während der Weltmeisterschaft in
       Amerika, ob Michael Olise bleibt oder nicht. Und ob die Münchner noch ein
       paar Altlasten losbekommen. Mit Ausnahme der Sorgen um Musiala keine
       wirklichen Aufreger, denn es hatte sich schon im Juli angedeutet, dass
       Eberl bleiben wird, ehe dies am Dienstag offiziell vom Aufsichtsrat
       abgesegnet wurde.
       
       Was der Sportvorstand mit den Worten kommentierte: „Die Verlängerung war
       kein Geschenk, sondern hart erarbeitet.“ Bei [2][Olise] thematisierten
       einen möglichen Wechsel zu Real Madrid vor allem der Boulevard und
       Transferjournalisten. Die Spanier hatten dagegen nach dem Nein der Bayern
       erst gar nicht angefangen, um den Spieler zu werben.
       
       Die Neuverpflichtungen passierten so geräuschlos und schnell wie selten bei
       Bayern, und zwei Tage vor dem Auftakt gegen den VfB Stuttgart an diesem
       Freitag sind die Bayern noch João Palhinha losgeworden, für 20 Millionen
       Euro an Benfica Lissabon. Und auch bei Bryan Zaragoza stehen die Chancen
       für einen Verkauf vor Ende der Transferfrist am kommenden Dienstag gut. Es
       ist also fast alles geregelt beim FC Bayern. Einer neuen Rekordsaison steht
       nichts im Wege, oder?
       
       Klar, die Münchner sind auch dieses Mal die großen Favoriten. Nur der
       Paderborner Trainer Ralf Kettemann wagte bei der Umfrage der Deutschen
       Presse-Agentur nicht den Titelverteidiger, sondern den VfB Stuttgart als
       ersten Meisteraspiranten zu nennen. „Ich hoffe, wir sind so gut wie in der
       vergangenen Saison, und dass wir, wo es geht, vielleicht noch besser
       werden“, sagte [3][Trainer Vincent Kompany] am Donnerstag. Aber er wisse,
       dass es schwierig sei, besser zu werden, denn „es geht ja nicht nur um die
       Pokale, sondern auch um die Anzahl der Tore und der Spiele, die wir
       gewonnen haben.“
       
       ## Hohe Ansprüche
       
       Kompany ist sich im Klaren, dass die Ansprüche an ihn, an die Mannschaft
       hoch sind. Er hat sie immer ein wenig höher geschraubt. In seiner
       Premierensaison ging es darum, die Mannschaft zu befrieden, eine Hierarchie
       aufzubauen, auch zu sehen, wer passt zum Kompany-Fußball und wer eher
       nicht. Im vergangenen Spieljahr hatte die Mannschaft den Kompany-Fußball
       verinnerlicht, herausgekommen ist eine Rekordsaison, national jedenfalls.
       International [4][fehlte noch der letzte Schritt] gegen einen etwas
       clevereren und in seiner taktischen Ausrichtung flexibleren
       Titelverteidiger aus Paris im Halbfinale.
       
       Mit Nathanel Brown und Ismael Saibiri hoffen die Bayern, diese Lücke zu
       schließen. Die beiden Neuen sind in der Lage, verschiedene Positionen zu
       spielen und haben in der Vorbereitung schon gezeigt, dass sich mit ihnen
       auch das Spiel verändern kann. Beim Supercup in Dortmund am vergangenen
       Samstag hatte Brown, der in erster Linie als linker Außenverteidiger
       vorgesehen ist, einen sehr ordentlichen Auftritt als Zehner. Gegen
       Stuttgart könnte er wieder den nach seinen Absencen noch fehlenden Musiala
       ersetzen. Oder auch Saibiri, der seine bei der WM erlittene
       Muskelverletzung auskuriert hat, aber bei dem Kompany noch nicht sicher
       ist, ob er schon für 90 Minuten bereit ist.
       
       ## Ziel: Champions-League-Sieg
       
       Der sonst eher zurückhaltende Kompany hatte Anfang August bei der
       Asien-Tour den Triumph in der Champions League als Ziel formuliert, neben
       den nationalen Titeln selbstverständlich. Dass er anschließend aber
       verkündete, dies während der Saison nicht mehr zu wiederholen, passt zu dem
       Belgier. Nur kein Übermut. Da werde er dann immer sagen, „dass wir uns auf
       das nächste Spiel konzentrieren müssen“.
       
       Das Ziel ist aber ausgesprochen und daran wird der bisher so erfolgreiche
       Bayern-Trainer gemessen werden. Sorge, dass der Trainer ein wenig zu
       selbstsicher wird, die Bodenhaftung verliert, müssen die Bayern nicht
       haben. Kompany arbeitet so akribisch wie am ersten Tag. Obwohl überall
       hochgeschätzt, tritt Kompany sehr bescheiden auf, sieht sich nicht als
       Trainer, den viele Weltklasseklubs gerne verpflichten würden, sondern fühlt
       sich auch bei seinem dritten Saisonstart in München „wie beim ersten Mal“ –
       damals vor zwei Jahren, vielleicht auch wie einst in Burnley und
       Anderlecht, seinen ersten Stationen als Trainer. „In meinem Kopf“, sagt er,
       „sind null Titel“. Erst einmal.
       
       28 Aug 2026
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Elisabeth Schlammerl
       
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