# taz.de -- Bayern besiegt Real Madrid: Eruption der Gefühle
> In einem unterhaltsamen Rückspiel besiegt Bayern München erneut Real
> Madrid. Der Wille ist da, im Champions-League-Halbfinale auch
> Titelverteidiger PSG zu stürzen.
(IMG) Bild: Von den Kollegen geliebt: Bayerns Luis Diaz schießt das wichtige Tor zum 3:3
Es war kurz nach Mitternacht in der Münchner Arena, da trug Joshua Kimmich
vor, warum so ein Abend auch seine Schattenseiten hat. Ein Abend, an dem
der FC Bayern seiner an epischen Kapiteln reichen
Champions-League-Geschichte ein weiteres hinzufügte – und einen Mythos
wiederbelebte.
Dieses 4:3 im Viertelfinal-Rückspiel gegen Real Madrid sei „Drama pur“
gewesen, sagte Kimmich. Keines „auf hohem Niveau“ zwar, aber, wie er zugab,
„sehr, sehr unterhaltsam“ für die Zuschauer.
Und erfolgreich für die Münchner, die nun [1][ihren Traum von Triple]
weiterleben. Auf dem Weg zum Finale in Budapest Ende Mai wartet nun erst
mal Titelverteidiger [2][Paris Saint-Germain], für Kimmich die
„wahrscheinlich derzeit formstärkste Mannschaft Europas“. Aber das alles
hat nichts mit der erwähnten Schattenseite zu tun. Der Mittelfeldspieler
sorgt sich um seinen Schlaf. „Man zählt die Stunden“, sagte er, Vater von
vier Kindern. „Ab 7 Uhr brennt's, da ist nicht mehr viel mit
Weiterschlafen.“
Klar, in der entscheidenden Phase der Saison ist gute Erholung wichtig,
aber die Müdigkeit lässt sich leichter ertragen, wenn man nach zu kurzer
Nacht mit dem Gefühl geweckt wird, etwas vollbracht zu haben. „So ein Spiel
hat man nicht jedes Jahr“, weiß Kimmich. Ein Spiel, das mit einem Fehler
des eine Woche zuvor beim 2:1 in Madrid noch überragenden Manuel Neuer und
einem daraus resultierenden frühen 0:1 begann. Und in einer Eruption der
Gefühle endete.
## Gelbe und Rote Karten
Dazwischen bot das Duell fast alles, was eine Partie zwischen zwei
europäischen Dauerrivalen bieten kann. Aleksandar Pavlović, Harry Kane und
dann spät Luis Diaz konterten jeweils die Führungstore von Arda Güler und
Kylian Mbappé, ehe Michael Olise noch der Siegtreffer gelang. Durch die
Gelb-Rote Karte für Eduardo Camavinga in der Schlussphase, die man durchaus
als hart bezeichnen kann, sah sich Real Madrid um den Erfolg betrogen.
Jenes Real, das in den vergangenen Jahren schon ein paarmal in
entscheidenden Champions-League-Spielen sagen wir mal nicht unbedingt
benachteiligt worden war, auch gegen den FC Bayern nicht.
In der ersten Halbzeit hatte auch Münchens Trainer Vincent Kompany die
Gelbe Karte gesehen, die dritte im Wettbewerb und deshalb eine mit Folgen.
Er ist im Hinspiel in Paris am 28. April gesperrt und muss auf der Tribüne
Platz nehmen. „Ich habe den kompletten Glauben, dass es auch ohne mich
funktioniert“, sagt Kompany.
Gegen [3][den Titelverteidiger] geht es nun also weiter, den die Münchner
in der Vorrunde eine Halbzeit lang an die Wand gespielt haben, aber der
sich – wie in der vergangenen Saison – nun in der Rückrunde gefunden hat
und überragend auftritt. PSG wird den Münchner kein so wildes Spiel
abverlangen, wie es Real getan hat, aber eine bessere Restverteidigung. Die
hatte am Mittwoch lange etwas zu wünschen übrig gelassen. Aber dass der FC
Bayern Widerstände überwinden kann, hat er gegen die Madrilenen bewiesen.
„Es ist gut, wenn man mit zwei Siegen gegen Real weiterkommt und trotzdem
das Gefühl hat, etwas verbessern zu können“, sagte Kimmich.
## Der FC Bayern und der Ruf der Unbeugsamen
Spielerisch, meint er. Denn das, was Champions ausmacht, ist nicht nur die
Kunst am Ball und mit dem Ball, sondern mentale Stärke, „der absolute
Wille, sich immer wieder zurückzukämpfen“ (Kompany), „der Glaube daran,
dass man Spiele drehen kann“ (Neuer).
Es ist nicht so, dass die Bayern nicht auch schon vor dieser Partie gewusst
hätten, dass sie dazu fähig sind. „In letzter Zeit hatten wir viele so
Spiele, die wir hinten raus dann noch entschieden oder gebogen haben“,
sagte Kimmich. Gegen Freiburg an Ostern, davor fielen auch gegen Dortmund
und Leverkusen späte Tore. Aber es hat ein anderes Gewicht, es in der
Champions League im Duell mit dem Rekordsieger zu schaffen, als in der
Bundesliga.
Die Bayern hatten sich einst in Europa den Ruf der Unbeugsamen erworben,
jeweils nach Last-Minute-Tiefschlägen. Es waren die Niederlagen im Endspiel
von Barcelona 1999 gegen Manchester und im Finale „dahoam“ 13 Jahre später
gegen den FC Chelsea, die die Mannschaft anschließend jeweils zu den ganz
großen Triumphen in Europa trieb – durch eine Wir-geben-nie-auf-Mentalität.
In dieser Phase war dafür kein singuläres Ereignis verantwortlich, wenn man
mal von der verlorenen Meisterschaft 2024 absieht, sondern vor allem die
Arbeit des Trainers, sein Führungsstil. Kompany schweißte die guten, sehr
guten, außergewöhnlichen Spieler zu einer Mannschaft zusammen. Einer
Mannschaft, die nun Großes schaffen kann.
Auch mit manchmal zu wenig Schlaf.
16 Apr 2026
## LINKS
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(DIR) [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Paris_Saint-Germain
(DIR) [3] /Champions-League-Sieger-PSG/!6088313
## AUTOREN
(DIR) Elisabeth Schlammerl
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