# taz.de -- FC Bayern auf Rekordkurs: Es fehlt nicht mehr viel
> Nach dem 4:0 gegen Union kann der FC Bayern den 54 Jahre alten
> Saisonrekord von 101 Toren schon im nächsten Bundesligaspiel knacken.
(IMG) Bild: Trauriger Unioner: Tom Rothe nach dem 0:4 in München
Die Aufmerksamkeit mussten sich die Spieler des FC Bayern diesmal teilen.
Ein bisschen wirkten sie sogar selbst wie Fans. Leon Draisaitl lief nach
dem 4:0 (2:0) der Münchner gegen Union Berlin am Samstag durch den
Kabinengang und zog die Blicke auf sich, auch die der Kicker. Der verletzte
Eishockey-Profi der Edmonton Oilers lässt sich derzeit behandeln von
Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, 83, dem früheren Mannschaftsarzt des FC
Bayern und der Fußball-Nationalmannschaft. Draisaitls Arenabesuch nutzten
unter anderem Joshua Kimmich, Leon Goretzka und Serge Gnabry, um einmal mit
dem NHL-Star zu sprechen.
Das Zusammentreffen der deutschen Nationalspieler aus zwei verschiedenen
Sportarten passte insofern gut ins Bild, als die Fußballer des FC Bayern
inzwischen regelmäßig Eishockey-Ergebnisse erzielen, vor allem bei ihren
geschossenen Toren. Auf 97 kommen sie nun allein in dieser Saison der
Bundesliga, und das nach gerade einmal 27 Spieltagen. Schon jetzt gibt es
nur fünf Spielzeiten, an deren Ende der FC Bayern mehr Treffer erzielt
hatte. Es ist also nur noch die Frage, wann der 54 Jahre alte
Bundesligarekord aus der Saison 1971/72 fallen wird, als die Bayern mit
Gerd Müller, Uli Hoeneß und Franz Beckenbauer 101 Tore angehäuft hatten.
Erzählt ist damit auch viel über das zunehmende Leistungsgefälle zwischen
dem FC Bayern und dem Rest der Liga. „Es ist tatsächlich verrückt, dass wir
so früh bei 97 sind“, sagte Kimmich. Möglich sei das, weil man nicht nur
überragende Offensivspieler habe, das sei auch in der Vergangenheit so
gewesen. „Ich glaube, am Ende ist es schon viel das Team“, befand Kimmich,
„aus jeder Phase des Spiels können wir Tore machen. Wir können kontern, wir
können Standards, wir können Ballbesitz, wir können einen Schnellangriff.“
Und: „Da hilft jeder mit, jeder Verteidiger, jeder Offensivspieler.“
Sportdirektor Christoph Freund nannte die Torausbeute „unglaublich“, er
sagte: „Aber das ist nur möglich, weil die Jungs immer Gas geben bis zum
Schluss und einfach richtig hungrig sind, Tore zu erzielen. Und wir haben
sehr viele Spieler, die sehr torgefährlich sind.“
Besonderen Anteil am Ertrag hatte diesmal Gnabry mit seinen wuchtigen
Rechtsschüssen jeweils ins kurze Eck zum 2:0 (45.+1) und 4:0 (67.), gefolgt
von seiner Rührgeste. Zudem hatten die Offensivkollegen Michael Olise per
Schlenzer mit links (43.) und Harry Kane mit rechts getroffen (49.). Für
Kane war es bereits das 31. Bundesligator in dieser Saison. Gnabry steht
nun immerhin bei acht. Damit liegt der 30-Jährige in der internen
Torschützenliste auf Platz vier hinter Kane, Luis Díaz (15) und Olise
(elf). „Ich glaube, dass es vom Talent und von der Qualität her ganz wenig
Unterschied gibt zu den anderen Jungs, die wir vorne haben“, sagte Trainer
Vincent Kompany über Gnabry. Ihm habe wegen Verletzungen nur ein wenig
Konstanz gefehlt. „Aber insgesamt hat er in dieser Saison für uns immer
geleistet, ob im Zentrum oder links oder rechts außen. Das ist ein ganz
wichtiger Spieler für uns, nicht nur auf dem Platz, sondern auch in der
Kabine“, sagte Kompany. „Fußballerisch gibt er der Mannschaft sehr viel. Er
ist immer torgefährlich, hat eine super Statistik“, ergänzte Freund. Auch
deshalb haben die Bayern den Vertrag mit Gnabry bis 2028 verlängert.
## 25 in 57
[1][In der deutschen Nationalmannschaft] ist Gnabry der derzeit
erfolgreichste Torschütze, 25 Treffer in 57 Spielen stehen in seiner
Bilanz. Am Freitag tritt das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann in
Basel gegen die Schweiz und [2][am Montag in Stuttgart gegen Ghana] zu den
letzten WM-Tests vor der unmittelbaren Turniervorbereitung nach der Saison
an.
Womöglich fällt der Bundesliga-Torrekord schon direkt nach der
Länderspielpause, wenn die Münchner am Ostersamstag beim SC Freiburg
antreten. Sobald man den Rekord breche, „schauen wir, was noch drin ist,
wie weit wir den noch nach oben schrauben können. Dass wir jetzt schon bei
97 sind, ist wirklich sehr krass“, sagte Gnabry. Die neue Bestmarke wäre
sogar bereits gegen Union möglich gewesen, weil Lennart Karl und Olise
jeweils den Pfosten trafen und die Bayern weitere Großchancen ausließen,
darunter Kane.
Um [3][Robert Lewandowskis Bundesligarekord] von 41 Toren für den FC Bayern
aus der Saison 2020/21 zu knacken, hofft Kane, noch einen Hattrick oder
einige Doppelpacks zu erzielen, wie er sagte. Schon jetzt ist seine Quote
herausragend, auch wettbewerbsübergreifend mit 48 Toren in 40
Saisonspielen. Da kann auch Draisaitl nur staunen.
22 Mar 2026
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