# taz.de -- EU billigt deutschen Ausgabenplan: Lob aus Brüssel
       
       > Deutschland erhält von der EU Zuschüsse in Höhe von über 25 Milliarden
       > Euro – um die Wirtschaft, Klimaschutz und Digitalisierung zu stärken.
       
 (IMG) Bild: Kanzlerin Merkel und EU-Kommissionschefin von der Leyen loben sich bei ihrem Treffen gegenseitig
       
       Brüssel taz | Nach Portugal, Spanien, Griechenland und weiteren EU-Ländern
       hat auch Deutschland grünes Licht für sein Corona-[1][Aufbauprogramm]
       erhalten. 25,6 Milliarden Euro darf die Bundesregierung in den nächsten
       Jahren in Brüssel abrufen, um die Wirtschaft anzukurbeln, den Klimaschutz
       zu stärken und die Digitalisierung voranzutreiben.
       
       EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ließ es sich nicht nehmen,
       die gute Nachricht persönlich im Berliner Kanzleramt zu überbringen. Mit
       den neuen Plänen zur Digitalisierung sei Deutschland „europaweit an der
       Spitze“, erklärte sie. Die Maßnahmen zum Aufbau einer
       Wasserstoff-Produktion seien vorbildlich. Auch Kanzlerin Angela Merkel war
       zufrieden. Ihre frühere Ministerin – von der Leyen führte bis 2019 das
       Verteidigungsressort – habe ein „wahnsinniges Tempo“ vorgelegt und die
       Bundesregierung „sehr gefordert“, sagte Merkel. Der deutsche Aufbau- und
       Resilienzplan und die anderen Programme seien eine „wichtige Antwort auf
       die Pandemie“.
       
       Doch das sehen nicht alle so. Im Europaparlament hagelt es Kritik am
       deutschen Reformplan. Zudem ist unklar, wie es mit dem Wiederaufbau
       weitergeht. Das mit bis zu 750 Milliarden Euro dotierte,
       [2][schuldenfinanzierte Aufbauprogramm „Next Generation EU“] ist auf fünf
       Jahre befristet; nun ist Streit über eine mögliche Verlängerung entbrannt.
       Merkel hatte vor einem Jahr darauf bestanden, dass es sich um eine
       „Einmalmaßnahme“ handele, die nur zur Lösung der Coronakrise bestimmt sei.
       Dies betonen auch CDU/CSU in ihrem Programm für die Bundestagswahl. Von der
       Leyen – ein CDU-Mitglied – fühlt sich an diese Vorgabe gebunden.
       
       Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron und die Präsidentin der Europäischen
       Zentralbank, Christine Lagarde, haben jedoch bereits eine Verlängerung
       gefordert. Sie wollen die Konjunktur solange mit EU-Schulden stützen, wie
       dies nötig ist. Auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) und die Grünen
       setzen sich für eine Fortsetzung ein. Sie wollen auch die Fiskalpolitik neu
       ordnen – CDU/CSU fordern die Rückkehr zum alten Stabilitätspakt. „Die
       Konservativen wollen in der Finanzpolitik zurück in die Vor-Coronazeit“,
       sagte der grüne Europaabgeordnete Rasmus Andresen. „Wir Grüne dagegen sind
       der Auffassung, dass wir eine vertiefte europäische Zusammenarbeit
       benötigen, um auf künftige Krisen europäisch reagieren zu können.“ Die
       Rückkehr zur schwarzen Null sei keine Antwort.
       
       ## Ungelöste Fragen
       
       Vom Ausgang der Bundestagswahl dürfte es abhängen, wie es weitergeht. Eine
       schnelle Rückkehr zu den Schuldenregeln und ein vorzeitiger Abbruch der
       Konjunkturspritzen könnten Krisenländer wie Italien in neue Turbulenzen
       stürzen. Auch die Rückzahlung der EU-Schulden (geplant bis 2058) könnte zum
       Problem werden.
       
       Merkel und von der Leyen vermieden es bei ihrer Pressekonferenz, auf die
       ungelösten Fragen einzugehen. Unklar blieb auch, was aus den
       Reformversprechen wird. Merkel hatte darauf bestanden, dass alle 27
       EU-Staaten umfassende Pläne vorlegen, bevor es Finanzspritzen aus Brüssel
       gibt. Der deutsche Plan enthält 129 sogenannte Meilensteine, die
       abgearbeitet werden müssen. Doch sowohl an den Versprechen als auch an
       ihrer Umsetzung gibt es Zweifel. „Bundesfinanzminister Olaf Scholz muss
       sich den Vorwurf gefallen lassen, dass er beim deutschen Plan auf echte
       Reformen weitgehend verzichtet hat“, kritisiert CSU-Europapolitiker Markus
       Ferber. Die „mauen Vorschläge“ hätten auch dazu beigetragen, dass im Rest
       der EU wenig Reformeifer entstanden sei. Ähnlich äußerte sich Damian
       Boeselager von der jungen Partei Volt. Während Portugal, Dänemark und
       Luxemburg viel für den Umwelt- und Klimaschutz vorhätten, betätige sich
       Deutschland in „Greenwashing“.
       
       Deutschland sollte nach den Empfehlungen der EU-Kommission das
       Ehegattensplitting abschaffen und eine Rentenreform angehen.
       
       22 Jun 2021
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Eric Bonse
       
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