# taz.de -- „Bild“-Chefredakteurin entschuldigt sich: Fuck AfD, ähm, doch nicht
> Da denkt man für einen kurzen Augenblick, die „Bild“-Chefredakteurin
> Marion Horn zeigt klare Kante gegen die AfD. Doch dann macht sie einen
> Rückzieher.
(IMG) Bild: Als Journalistin sollte Marion Horn eigentlich mit der Autorisierung von Interviews vertraut sein
Über das Verhältnis von Springer und vor allem der Bild-Zeitung zur AfD
wird viel diskutiert. Wer es sich wie Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU)
einfach macht, sieht in Springer vor allem den persönlichen Gegner.
[1][Merz halte an der „Legende fest, dass er vom Axel-Springer-Verlag
verfolgt wird“], sagte Bild-Chefredakteurin Marion Horn vor einer Woche im
Interview mit dem Mediendienst Kress Pro.
Und lieferte prompt eine kleine Sensation. Denn sie erklärte auch, ihre
Einstellung sei „Fuck AfD“. Doch obwohl diese Ansage klar Aufmerksamkeit
und Respekt verdient, blieb die sonst um keinen Schwatz verlegene
Medienblase erstaunlich still.
Dabei sagt Horn im auf Augenhöhe von Kress-Pro-Chefredakteur Markus Wiegand
geführten Interview wörtlich: „In meinem Büro hängt ein Poster. Da zieht so
ein Sportflugzeug eine Werbung hinter sich her. Darauf steht: ‚Fuck AfD.‘
Das ist meine Haltung.“
Auch die Bild-Redaktion sei sich klar in dem, was sie sagt, was ihr
Anspruch und ihre Haltung sei, aber eben gleichzeitig auch „verunsichert“,
so Horn bei Kress. Und schiebt dann selbstkritisch nach: „Möchte ich, dass
es auch nur ein Foto von mir mit Frau Weidel gibt? Nein. Ist das
unjournalistisch? Leider ja.“
## Der Trend geht nach rechts
Nun hat Bild schon immer den Anspruch gehabt, zu wissen, was das Volk will.
Und der Trend geht nach rechts, weshalb es laut Horn „keine Konferenz mehr
gibt, in der wir nicht hin und her diskutieren und sagen: Das hört sich
jetzt an, als ob wir die AfD an der Macht haben wollten.“
Was die Schizophrenie von Bild auf den Punkt bringt. Die Führungsetage mag
gegen die AfD sein. Das Blatt betreibt trotzdem immer wieder das Geschäft
der Partei. Auch das ist unjournalistisch. Horns persönliche klare Kante
sorgte immerhin bei einem für Reaktionen. Ihr gescheiterter Vorgänger
Julian Reichelt schäumte im Diffamierungsportal Nius über die „absolut
fatale, politisch propagandistisch aktivistische Äußerung“. Für andere hat
der geschasste Bild-Chefredakteur nicht so viele Adjektive übrig.
Aber warum entschuldigt sich Horn jetzt plötzlich Anfang dieser Woche bei
LinkedIn in Sachen Kress-Interview für einen „Fehler“ und schreibt, dass
sie sich habe „provozieren lassen“? Und das auch noch „leider mit diesem
blöden Spruch, den die Antifa für sich gekapert hat“. Macht sie den
Rückzieher, weil sie das als Bild-Chefin anders sehen muss?
„Provozieren lassen“ klingt dabei hübsch, denn das Interview ist laut Kress
ganz offiziell autorisiert, also Horn nochmals vorgelegt und von ihr
abgenommen worden. Soll allerdings ein bisschen gedauert haben. Ach so, und
das Flugzeug mit „Fuck AfD“ gibt es auch nicht. „Es hängt auch kein Poster
in der Redaktion mit diesem Satz“, so Horn bei LinkedIn. Schade eigentlich.
„Das klingt irgendwie ausgedacht oder wie eine KI-Halluzination“, sagt die
Mitbewohnerin. „Der KI kannste aber auch nicht für alles die Schuld geben!“
22 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Steffen Grimberg
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