# taz.de -- Merz, Döpfner und die AfD: Der Kanzler steht auf Springers Abschussliste
       
       > Der Medienkonzern wendet sich von Friedrich Merz ab – und der AfD zu. Um
       > das mitzubekommen, braucht man keine geheimen Vieraugengespräche zu
       > belauschen.
       
 (IMG) Bild: Bundeskanzler Friedrich Merz und Springer-Chef Mathias Döpfner beim Welt-Wirtschaftsgipfel im Januar 2026
       
       Hat der Chef des Springer-Konzerns Mathias Döpfner Bundeskanzler Friedrich
       Merz im privaten Gespräch zu einer Zusammenarbeit mit der AfD aufgefordert?
       Diese Frage wird im politischen Berlin gerade rauf und runter diskutiert.
       
       Am Mittwoch berichtete der [1][Politik-Podcast „Wenn Sie wüssten …“] von
       einem Treffen unter vier Augen zwischen Bundeskanzler Friedrich Merz und
       dem Chef des Springer-Konzerns Mathias Döpfner, das Anfang des Jahres im
       Kanzleramt stattgefunden haben soll. Darin soll es um den Umgang der CDU
       mit der AfD gegangen sein. Die Podcast-Hosts berufen sich auf „gut
       informierte Personen“, die im Anschluss von dem Treffen erfahren haben
       wollen.
       
       Demzufolge soll Döpfner den Kanzler während des Besuchs dazu gedrängt
       haben, die CDU für eine Zusammenarbeit mit der AfD zu öffnen. Merz habe das
       kategorisch abgelehnt, mit den Worten: „Nur über meine Leiche.“ Als Döpfner
       insistiert habe, soll der Kanzler das Gespräch abrupt beendet haben.
       Döpfner soll beim Verlassen des Raumes gesagt haben: „Das werden Sie noch
       bereuen.“
       
       Einen harten Beweis für ein derartiges Treffen oder seinen genauen Hergang
       haben die Journalisten nicht. Sie sprechen von „Sekundärquellen“ und
       „Indizien“. Der Axel-Springer-Konzern bezeichnet die Vorwürfe in einem
       Statement auf X als „absurd“, „glatte Lüge“ und „frei erfunden“. Das
       Medienhaus verweist auf Informationen, die bereits im November 2025 in der
       Berliner Journalistenblase kursiert haben sollen und in denen von einem
       fast gleich verlaufenen Gespräch die Rede ist.
       
       Die Bundesregierung wiederum entgegnete auf Anfrage, man äußere sich
       grundsätzlich nicht zu nicht öffentlichen Terminen des Kanzlers,
       „unabhängig davon, ob sie stattgefunden haben oder nicht“.
       
       ## Springer gegen die Brandmauer
       
       Während das angebliche Treffen jetzt rauf und runter diskutiert wird, ist
       das nicht einmal die wichtigste Frage. Sowohl die Krise zwischen Merz und
       Springer als auch die Liebäugelei des Konzerns mit der AfD sind längst
       offensichtlich. So offenbart ein Blick in die publizistischen
       Springer-Erzeugnisse, dass Bild und Welt öffentlich und unverblümt eine
       Zusammenarbeit mit der AfD herbeischreiben. Der Journalist Sebastian
       Friedrich lieferte [2][im Blog „Über Rechts“ eine Sammlung von Beiträgen],
       die in den letzten Monaten erschienen sind.
       
       Ende Mai schrieb die Bild-Chefredakteurin Marion Horn [3][in einem
       Kommentar] gegen die „Brandmauer“ an – denn die nutze nur der AfD.
       Deutschland brauche einen „Befreiungsschlag“; die AfD solle sich im
       Gegenzug ihrer „Radikalen“ entledigen, und sich außenpolitisch zu EU und
       Nato bekennen.
       
       Einen Tag später veröffentlichte die Bild [4][ein Stimmungsbild ihrer
       Leser] zur „Brandmauer“. 84 Prozent sprechen sich demnach für eine
       Zusammenarbeit mit der AfD aus. Und die Vizechefredakteurin Linna Nickel
       lobt in einem Kommentar einen „Jungunternehmer“, der sagt: „Die Brandmauer
       lähmt unser Land.“ Nickel findet: „Ich wünsche mir mehr mutige Unternehmer
       wie ihn, die endlich Position beziehen.“
       
       Unvergessen ist natürlich auch [5][der Gastbeitrag], den der Trump-Oligarch
       und frisch gebackene Billionär Elon Musk im Dezember 2024 in der Welt
       veröffentlichte. Dort bezeichnete Musk, der immer wieder Rechtsextremen
       applaudiert und die Verschwörungstheorie vom „großen Austausch“ bedient,
       die AfD als letzten Funken Hoffnung für Europa.
       
       ## Merz und „Bild“
       
       Diese Verschränkung zwischen dem Familienimperium Springer und den
       US-Tech-Oligarchen ist nicht rein publizistischer Natur. Laut einem Bericht
       im Manager Magazin soll der Palantir-Chef und Trump-Vertraute Peter Thiel
       Mathias Döpfners Sohn Moritz [6][50 Millionen Dollar] in dessen
       Risikokapitalfonds eingezahlt haben – Geld, das auch in das
       [7][Drohnen-Start-up Stark Defence] fließt. Döpfner Junior arbeitete zuvor
       als Stabschef von Thiels Investmentfirma Thiel Capital. Mit der Akquise des
       US-Nachrichtenportals Politico 2021 baute Springer gleichzeitig sein
       Geschäftsfeld in den USA aus.
       
       Zwischen Springer und dem Bundeskanzler hingegen hat sich eine Kluft
       aufgetan. Dabei war die Beziehung einst so harmonisch, etwa als Merz im
       Herbst 2018 seine Kandidatur für den CDU-Vorsitz (und damit seine Rückkehr
       auf die politische Bühne) in der Bild ankündigte. „So nah dran, so
       wohlwollend wie kein anderes Medium“, fasste die taz damals die
       Berichterstattung der Bild über Merz zusammen.
       
       Der Chefredakteur des Boulevardblatts hieß damals noch Julian Reichelt.
       Jener Reichelt, der 2023 die Leitung des rechten Portals Nius übernahm. Bei
       Nius hat man sich den Kampf gegen die Brandmauer quasi zur Hauptaufgabe
       gemacht. Jetzt sind auch Springer und Bild auf dem Weg dahin –
       Vieraugengespräche hin oder her.
       
       3 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.rnd.de/politik/merz-und-doepfner-geraten-aneinander-die-ganze-geschichte-im-neuen-rnd-podcast-wenn-sie-wuessten-VSLZMQOY35CSHHHXRMIACGEMB4.html
 (DIR) [2] https://www.ueberrechts.de/p/springer-braucht-kein-geheimtreffen
 (DIR) [3] https://www.bild.de/politik/meinung-kommentare-kolumnen/brandmauer-reicht-nicht-deutschland-braucht-den-befreiungsschlag-6a11d0f23b7096456ac80c03
 (DIR) [4] https://www.bild.de/politik/inland/brandmauer-zur-afd-einreissen-das-sagen-die-bild-leser-6a12a7983b7096456ac81225
 (DIR) [5] /Gastbeitrag-in-der-Welt-am-Sonntag/!6055663
 (DIR) [6] https://www.manager-magazin.de/unternehmen/tech/peter-thiel-50-millionen-dollar-fuer-den-risikokapitalfonds-von-mathias-doepfners-sohn-a-238af84f-d3bf-49e6-b99f-95568a215b95
 (DIR) [7] https://www.capital.de/wirtschaft-politik/doepfner-sohn-bekommt-mehr-geld-fuer-seinen-start-up-fonds-37287390.html
       
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 (DIR) Leon Holly
       
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