# taz.de -- Rückzug von Spahn: Die CDU hat keinen Platz für Sonnenkönige
       
       > Nur wenige Tage im neuen Job stolpert Jens Spahn über den nächsten
       > Skandal und muss sich nach massiver Kritik zurückziehen. Das macht
       > Hoffnung.
       
 (IMG) Bild: Glaubt, dass Regeln nicht für ihn gelten: Jens Spahn, hier beim Bezirksparteitag der CDU im Münsterland am 15. September
       
       Jens Spahn [1][zieht sich aus dem Haushaltsausschuss des Bundestags
       zurück]. Diese Nachricht zeigt zweierlei: Spahn hat seit seinem Rücktritt
       als Fraktionschef nichts dazugelernt. Und es ist noch Leben in der Union.
       
       Jens Spahn war vergangene Woche am Flughafen von Sardinien fotografiert
       worden – während der Sitzungswoche im Bundestag. Die Bild hatte das Foto
       veröffentlicht und dann gelöscht – vorgeblich, weil es in einem privaten
       Rahmen aufgenommen worden sei. Bei einer Boulevardzeitung, deren
       Geschäftsmodell die Missachtung von Privatsphäre ist, ist das ein guter
       Witz.
       
       Und es war zu spät. Nicht nur die Öffentlichkeit entrüstete sich über den
       Kurzurlaub während der Sitzungswoche, auch in der Unionsfraktion verlangten
       viele Konsequenzen. Diesem Druck gibt Spahn nun nach. Er hat angekündigt,
       sich auf die Arbeit im Wahlkreis zu konzentrieren. Hoffentlich ist ihm
       bewusst, dass dieser nicht Sardinien heißt, sondern Steinfurt I – Borken I.
       
       Spahn begründet seinen Rückzug damit, dass „normales Arbeiten“ für ihn kaum
       möglich sei, und macht sich zum Opfer: Nicht sein Blaumachen ist in seinen
       Augen das Problem, sondern eine angebliche „Politisierung“ – was auch immer
       das bei einem Politiker sein soll.
       
       Jens Spahn hat seine Karriere auch dem engen Draht zum Springer-Verlag zu
       verdanken. [2][Beim Streit um seine Leihmutterschaft] hoffte er zunächst,
       er könnte mit Kinderwagenfotos in der Bild die Herzen gewinnen. Nun ist
       auch sein Abstieg mit der Zeitung verbunden. Ohne das eilig gelöschte Foto
       vom Flughafen wäre es nicht so weit gekommen. Bei Springer scheint man sich
       uneins zu sein, ob man Spahn in Zukunft noch braucht, um etwa die
       schwarz-blauen Träume des Verlegers umzusetzen. Vorerst verliert Springer
       seinen wichtigsten Mann in der Spitzenpolitik.
       
       Nicht nur deshalb kann man Spahns Rückzug optimistisch deuten. Einige
       Konservative beweisen gerade zum zweiten Mal Rückgrat und drängen einen
       Mann vom Posten, der glaubt, dass Regeln nicht für ihn gelten. Bei der
       Affäre um Spahns Leihmutterschaft rebellierten die Frauen in der Union. Nun
       begehrten die Haushaltspolitiker auf.
       
       Dazu passt, dass es am Montag noch einen weiteren Rückzug gab:
       [3][CDU-Staatsminister Philipp Amthor will den Strandkorb, den er sich auf
       den Balkon des Kanzleramts hatte stellen lassen, wieder loswerden]. Vorher
       hatte es heftige Kritik an der selbstherrlichen Aktion gegeben. Amthor und
       Spahn stehen für eine CDU, die das Gefühl verloren hat für die Stimmung im
       Land.
       
       Die Union mag in vielen Bereichen ihren politischen Kompass verloren haben
       – aber eine Partei für Sonnenkönige will sie dann doch nicht sein.
       
       28 Sep 2026
       
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