# taz.de -- Berliner Grüne: Auf der Suche nach einer grünen Elif Eralp
       
       > Die Grünen beschließen nicht nur Koalitionsgespräche. Sie legen auch
       > quasi fest, dass ihr Spitzenduo Graf und Jarasch nicht in den Senat
       > rücken soll.
       
 (IMG) Bild: Werner Graf und Bettina Jarasch
       
       „Der Wahlkampf der Berliner Grünen war zu blass, zu wenig erkennbar.“ Das
       war gleich nach der Abgeordnetenhauswahl in der F.A.Z. zu lesen – aber eben
       nicht in der Kommentarspalte des Blattes, sondern in einem Interview mit
       dem Grünen-Bundeschef Felix Banaszak. „Die Grünen sind eine Programmpartei
       und gute Ideen, durchdachte Konzepte sind wichtig“, [1][sagte der dort auch
       noch], „aber Politik erschöpft sich nicht im Schreiben von Konzepten.
       Politik ist auch, was bei RTL zum Jahresrückblick läuft: Menschen, Bilder,
       Emotionen.“ Das ließ sich als Frontalangriff auf das Personal vom 20.
       September verstehen, nämlich Werner Graf und seine Co-Spitzenkandidatin
       Bettina Jarasch.
       
       Als die Berliner Grünen fast vier Wochen danach am späten Montagabend
       Koalitionsgesprächen mit SPD und Linkspartei zustimmen, gibt es [2][bei
       diesem Landesparteitag] noch einen zweiten Beschluss. Und der setzt die
       Banaszak-Kritik in die Praxis um und straft de facto Graf und Jarasch ab.
       Denn der Landesvorstand soll nicht allein entscheiden, wer für die Grünen
       künftig im Senat sitzt, und einfach die Spitzenkandidaten dafür auswählen
       können.
       
       Der einstimmig beschlossene Antrag sieht vielmehr vor, dass eine
       vierköpfige Kommission sich dazu Gedanken macht, aus denen der
       Landesvorstand einen Vorschlag formuliert, zu dem es dann eine
       Mitgliederbefragung gibt. Dabei handelt es sich nicht um irgendeine
       Kommission. Es ist vielmehr eine, die mit einem aktuellen
       Vize-Bundestagsfraktionschef, einer Ex-Bundesministerin, einer früheren
       Staatssekretärin und einer Bezirksbürgermeisterin maximal stark besetzt
       ist.
       
       Der Antragsbeschluss gibt der Kommission diese Bestandsaufnahme mit auf den
       Weg: „Wir haben es nicht geschafft, mit unseren Themen durchzudringen und
       eine grüne Vision für Berlin zu vermitteln.“ Stünde am Ende des
       Findungsprozesses wieder das Duo Graf/Jarasch, hieße das: Bessere als die,
       die uns hierher geführt haben, gibt es in unserem Landesverband trotz
       inzwischen rund 18.000 Mitglieder nicht.
       
       ## Das Grünen-Potenzial ist viel größer
       
       14,3 Prozent nur gab es am Wahlabend für die Grünen. Dabei hatten die wie
       die Linkspartei versprochen, für bezahlbare Wohnungen zu sorgen, hatten
       sich anders als die SPD offen für Enteignungen gezeigt. Sie hatten auch
       mehr Abgeordnete mit Migrationshintergrund in ihrer Fraktion als die
       Linkspartei – aber die hatte Elif Eralp als Spitzenkandidatin.
       
       Grüne vom Realo-Flügel wiesen schon nach der Wahl 2023 darauf hin, dass es
       die Partei nicht schaffe, ihr Potenzial auszuschöpfen. Dass sie mit damals
       18,4 Prozent gegenüber der Wahl 2011 gerade mal einen Prozentpunkt
       hinzugewann. Dabei lagen die Grünen in Umfragen von 2019 bis 2021
       [3][oftmals bei 25 Prozent].
       
       Dennoch rückte nach der Wahl 2023 die erfolglose Spitzenkandidatin Bettina
       Jarasch – sie hatte zweimal vergeblich versucht, Regierende Bürgermeisterin
       zu werden – sofort an die Fraktionsspitze. Sie verdrängte dort Silke Gebel
       und bildete mit Graf ein Führungsduo, mit dem die Grünen auch in die
       aktuelle Wahl gingen.
       
       Es hat nicht funktioniert. Um noch mal Bundeschef Banaszak zu zitieren:
       „Der Wahlkampf der Berliner Grünen war zu blass, zu wenig erkennbar.“ Was
       im am Montag beschlossenen Antrag nicht wörtlich steht, aber erkennbar
       Auftrag an die Kommission ist: Findet uns ein Aushängeschild, findet die
       Elif Eralp bei den Berliner Grünen.
       
       20 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/felix-banaszak-im-interview-berliner-linke-hat-eine-chance-verdient-201259137.html
 (DIR) [2] /Gruenen-Parteitag-stimmt-fuer-Rot-Gruen-Rot/!6222232
 (DIR) [3] https://www.wahlrecht.de/umfragen/landtage/berlin.htm
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Stefan Alberti
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Rot-Grün-Rot in Berlin
 (DIR) Grüne Berlin
 (DIR) Werner Graf
       
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