# taz.de -- Berliner Baumentscheid: Gründlich verzögert
> Der Senat reißt erste Fristen zur Umsetzung des Baumentscheids. Das Ziel
> von einer Million Straßenbäume gerät dadurch in Gefahr, sagen Kritiker.
(IMG) Bild: Nach Beschluss des Klimanpassungsgesetzes am 3. November war bei den Initiatoren des Baumentscheids die Stimmung noch gut
Die Initiative Baumentscheid, die sich im vergangenen Herbst mit dem Senat
darauf einigte, die Zahl der Berliner Straßenbäume auf rund eine Million
mehr als zu verdoppeln, wirft der schwarz-roten Landesregierung schwere
Versäumnisse vor. Heinrich Strößenreuther, Initiator und Vorstand des
Vereins BaumEntscheid, spricht ein halbes Jahr nach der Einigung von einem
„Fehlstart“.
Es seien trotz gesetzlich festgelegter Fristen weder „Personal noch
Budgets“ für notwendige Vorarbeiten bereitgestellt worden. „Wie will man
für eine Million Straßenbäume sorgen und die Kosten der Umsetzung um
Milliardenbeträge reduzieren, wenn man nicht mal das nötige Budget für die
Vorbereitung investieren will?“, so Strößenreuther.
Das Abgeordnetenhaus hatte das Baumgesetz – offiziell
„Klimaanpassungsgesetz“ – nach Verhandlungen zwischen der Initiative und
dem Senat in einer Sondersitzung am 3. November 2025 beschlossen. Bis 2040
muss die Stadt demnach den Baumbestand auf eine Million ausweiten und
generell für mehr Hitzeschutz sorgen. Die anvisierten Kosten betragen 3,2
Milliarden Euro und waren gegenüber einer ersten Kostenschätzung deutlich
reduziert worden. Gelingen soll dies etwa durch innovative Pflanzmethoden,
Einbeziehen von Privatkapital sowie Standardisierung und
Rahmenvertragsausschreibungen.
Laut Gesetz müssen spätestens bis diesen Donnerstag verschiedene Dinge
erledigt sein. Dazu gehören die Sicherstellung von Personal und
Sachmitteln, die Einsetzung eines wissenschaftlichen Beirats und die
Verabschiedung einer Novelle der Baumschutzverordnung mit dem Ziel
Bestandsbäume wirksamer vor Fällung zu schützen.
## Senatorin: „Jahrhundertaufgabe“
Nach Darstellung der Initiative droht nun jedoch ein erheblicher
Zeitverzug. Denn in der zuständigen Senatsverwaltung für Umwelt und Verkehr
seien zwar Vorarbeiten gestartet, Zusagen der Finanzverwaltung stünden
jedoch noch aus. Notwendige Stellen seien „weder ausgeschrieben noch
besetzt worden“.
Für den Beirat, der die Umsetzung des Gesetzes kontrollieren und bei
Verfehlungen die Erarbeitung eines Sofortprogramms zur Nachbesserung
anmahnen soll, gebe es bislang keine Geschäftsstelle. Zudem warnt die
Initiative: „Wenn das Umsetzungsplanungsprojekt diese Vorarbeiten nicht
professionell vorbereitet, werden sich die Gesamtkosten auf die
ursprünglich veranschlagten 7 Milliarden Euro bis 2040 wieder mehr als
verdoppeln.“
Umweltsenatorin Ute Bonde (CDU) sagte auf Anfrage der taz: Die
Transformation der gesamten Stadt für die [1][Anpassung an den Klimawandel]
sei eine komplexe und umfangreiche Herausforderung. „Es reicht eben nicht,
ein paar Bäume zu pflanzen, es ist wirklich eine Jahrhundertaufgabe“, so
die Senatorin. Deshalb stünden „Gründlichkeit und überlegtes Handeln an
erster Stelle“. Nach ihren Worten sind die gesetzlich vorgesehenen Arbeiten
im Dezember angelaufen: „Seitdem sind wir eine Vielzahl von Einzelschritten
unter Einbeziehung der anderen beteiligten Senatsverwaltungen, der Bezirke
sowie sehr vieler NGOs (Nichtregierungsorganisationen, d. Red.) und der
Wissenschaft erfolgreich gegangen.“
Bonde bestätigte allerdings, dass ihre Senatsverwaltung nicht im Zeitplan
für die eigentlich am 21. Mai fällige Vorlage für das Abgeordnetenhaus ist.
„Wir haben alles versucht, die Frist einzuhalten – es ist uns nicht
gelungen“, sagt sie vor Journalisten nach der Senatssitzung. Von einer
mutwilligen Verschleppung oder Verzögerung könne aber keine Rede sein. Die
Senatorin wies auch die Kritik nicht ausreichender Finanzierung zurück: Der
Senat habe Geld hinterlegt. „Insofern kann ich mich der Kritik von Herrn
Strößenreuther nicht anschließen“, sagte Bonde.
## Grüne sehen Gesetzesbruch
Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Bettina Jarasch sieht in dem Vorgang einen
„handfesten Bruch des parteiübergreifend beschlossenen Gesetzes“. Ohne
Mittel für das Umsetzungsplanungsprojekt und eine novellierte
Baumschutzverordnung drohe das gesamte Vorhaben zu scheitern, da dann die
Gesamtkosten wieder auf 7 Milliarden Euro steigen könnten. „Wir fordern die
Finanzverwaltung und die Koalitionsfraktionen auf, die Blockade bei den
konsumptiven Mitteln und Stellen sofort aufzugeben“, sagte Jarasch
Zumindest auf die Besetzung des Expertengremiums hat sich der Senat in
seiner Sitzung am Dienstag geeinigt. Demnach seien „fünf renommierte
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Fachgebieten Stadt- und
Siedlungsentwicklung, Gesundheit und Klimawandel, Landschaftsarchitektur,
urbane Nachhaltigkeitspolitik sowie Straßenbau“ für zunächst fünf Jahre in
den Beirat berufen worden. Das Gremium soll „Gutachten zu Maßnahmen und
Programmen erstellen, mit denen Berlin den Folgen des Klimawandels
begegnet“.
20 May 2026
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