# taz.de -- Berliner Klimaanpassungsgesetz: Bäume pflanzen, aber richtig
       
       > Bis zu einer Million Straßenbäume soll Berlin im Jahr 2040 haben. Die
       > Stiftung Zukunft Berlin findet das gut, meint aber: Man muss schon
       > wissen, wie.
       
 (IMG) Bild: Schön groß, aber oft zu dicht gepflanzt und krank: Platanen
       
       Seit November gilt das Klimaanpassungsgesetz, das auf die Initiative
       Baumentscheid Berlin zurückgeht. Neben der Schaffung von „Kühlinseln“ für
       hitzegeplagte Quartiere und einer deutlich verbesserten Versickerung von
       Regenwasser – Stichwort „Schwammstadt“ – steht die Nach- und Neupflanzung
       von Straßenbäumen im Mittelpunkt. Bis Ende 2027 sollen wieder 440.000 Bäume
       die Berliner Straßen säumen, und bis 2040 soll diese Zahl massiv gesteigert
       werden. Die Rede ist von rund einer Million Straßenbäumen in der Stadt.
       
       [1][Mittlerweile kritisiert die Initiative Baumentscheid] das schleppende
       Anlaufen der notwendigen Maßnahmen. [2][In einer Petition fordert sie den
       Regierenden Bürgermeister auf], sein Wort zu halten und endlich ins
       Pflanzen zu kommen. Abgelehnt werden dabei Rechentricks, mit denen die Zahl
       der Bestandsbäume durch Nachzählungen erhöht werde.
       
       Weil in Sachen Klimanpassung Quantität aber nicht alles ist, hat sich nun
       die Stiftung Zukunft Berlin (SZB) mit einem Katalog an Forderungen und
       Vorschlägen zu Wort gemeldet. Am Montag stellte sie ein Positionspapier
       vor, das sie der Senatsverwaltung für Umwelt und Klimaschutz unter der
       Leitung von Ute Bonde (CDU) überreichen will. [3][Erarbeitet hat es die neu
       gegründete „AG Stadtgrün“ der Stiftung] unter Vorsitz des Gehölz- und
       Pflanzenschutzexperten Hartmut Balder.
       
       Um greifbarer zu machen, worum es den Fachleuten geht, hatte Balder zur
       Präsentation im Schöneberger Stiftungssitz ein paar welke Platanenblätter
       mitgebracht. Die stattlichen Bäume, die etwa den Ku’damm oder die Treptower
       Puschkinallee säumen, litten unter einer Pilzkrankheit, die die Blattnerven
       befalle und zu frühzeitigem Laubabwurf führten.
       
       Ein Grund für die massive Ausbreitung des Pilzes sei, dass die Platanen vor
       Jahrzehnten viel zu dicht gepflanzt worden seien. „Alle sagen: Toll, dass
       der Ku’damm im Sommer wie ein grüner Tunnel aussieht“, so Balder. Das habe
       aber den Effekt, dass es zu wenig Luftaustausch unterhalb der Bäume gebe
       und Feuchtigkeit sowie Schadstoffkonzentration dort ansteige, was wiederum
       das Pilzwachstum begünstige.
       
       ## Rückschnitt kann sinnvoll sein
       
       Als man vor zwanzig Jahren die Ku’damm-Platanen einmal kräftig gestutzt
       habe, habe das die Pilzerkrankungen vor Ort reduziert. Allerdings sei die
       Maßnahme von den AnwohnerInnen und BesucherInnen nicht gerade positiv
       aufgenommen worden. Eine ähnliche Konfliktlage könne sich ergeben, wenn
       Kastanien gefällt würden, denen die Miniermotte zu stark zugesetzt habe.
       
       Was mindestens zwei zentrale Punkte verdeutlicht: Wissenschaftlich
       fundierte Baumpflege tut not, in den Worten der AG: „Klimaanpassung darf
       nicht bei politischen Zielmarken und quantitativen Vorgaben stehen
       bleiben.“ Und: Die Kommunikation in die Stadtgesellschaft hinein ist
       genauso wichtig. „Klimaanpassung gelingt nicht gegen die Menschen, sondern
       nur mit ihnen“, wie es Stiftungs-Geschäftsführerin Beate Stoffers
       formuliert.
       
       Dabei sieht sich die Stiftung Zukunft Berlin keineswegs in Opposition zur
       Initiative Baumentscheid – sie will aber die von dieser erkämpften
       gesetzlichen Vorgaben nachhaltig machen. Dazu fordert das Positionspapier
       unter anderem die Standardisierung der Baumpflanzungen über alle Bezirke
       hinweg. Das betreffe die Auswahl der Arten, die Bemessung der Pflanzgruben
       oder die Verlässlichkeit der Pflege in den Jahren nach der Pflanzung.
       Balder spricht von „Baumleitplänen“, die zu erarbeiten seien.
       
       ## Eine Baumschule muss her
       
       Schon bevor es ans große Pflanzen gehe, müsse das Berliner Baumkataster
       modernisiert und erweitert werden, inklusive einer Digitalisierung der
       sogenannten Leitungspläne. Schließlich ist ein entscheidendes Problem für
       Baumpflanzungen das Gewirr aus Leitungen für Wasser, Strom, Wärme oder
       Kommunikation unter Straßen und Gehwegen. Und damit in einigen Jahren das
       richtige Pflanzmaterial in ausreichender Menge zur Verfügung stehe, brauche
       Berlin wieder eine Landesbaumschule, die die Anzucht zentral übernehme.
       
       Einen dringenden Wunsch, der nicht im Positionspapier steht, fügt
       schließlich noch Geschäftsführerin Stoffers an: Der „Wissenschaftliche
       Beirat Klimaanpassung“, das Expertengremium, das die Umsetzung des
       Klimaanpassungsgesetzes begleiten soll, sei hochrangig besetzt worden, aber
       eine entscheidende Kompetenz fehle noch: „Es bräuchte hier unbedingt noch
       jemanden mit Fachverstand für die Funktionsweise der Berliner Verwaltung.“
       
       8 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Berliner-Baumentscheid/!6180271
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 (DIR) [3] https://www.stiftungzukunftberlin.eu/initiativen/ag-stadtgruen/
       
       ## AUTOREN
       
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