# taz.de -- Grüne Kampagne zur Abgeordnetenhauswahl: Zurück nach vorne
       
       > Die Grünen wollen nicht alles ganz anders, aber vieles wieder besser
       > machen. Am Freitag stellte das Spitzenduo Graf/Jarasch seine Wahlkampagne
       > vor.
       
 (IMG) Bild: Das Grün ist dieses Jahr ein bisschen fahler als sonst
       
       Alliterationen gehen immer, lautet eine alte Marketingregel. Das wissen
       auch die Berliner Grünen. Und so haben sie für ihre Plakatkampagne zur
       Abgeordnetenhauswahl am 20. September, die sie am Freitag vorstellen, in
       die Buchstabenkiste gegriffen: „Raus aus dem Rückwärts“. Mit diesem Claim
       will die Partei endlich an die Spitze kommen und [1][ihren Kandidaten
       Werner Graf] im Roten Rathaus platzieren.
       
       Es sei „ein verdammt knappes Rennen“, orakelt Parteichefin Nina Stahr bei
       dem Termin im Neuköllner Veranstaltungszentrum „Colonia Nova“. Das kann man
       sagen: Anfang Mai sah eine Civey-Umfrage die Grünen, die SPD und die Linke
       alle bei 16 Prozent der Stimmen – hinter der CDU mit 20 und der AfD mit 17
       Prozent.
       
       Gut möglich, dass die regierenden Christdemokraten, die noch bei der
       Wiederholungswahl im Februar 2023 dramatisch zulegten und 28,2 Prozent
       einfuhren, bis zum Herbst noch weiter absacken: Der Umfragetermin lag zwar
       nach dem unrühmlichen Ausscheiden von Kultursenatorin Wedl-Wilson, aber
       noch vor dem peinlichen Theater um den [2][entlassenen
       Digital-Staatssektretär Matthias Hundt].
       
       Die Grünen nun wollen Berlin wieder zu dem machen, was Werner Graf eine
       „pulsierende, strahlende“ Stadt nennt, eine Stadt mit einem
       Freiheitsversprechen und einer magnetischen Kulturszene, aber auch wieder
       mit funktionierendem öffentlichem Nahverkehr, bezahlbaren Mieten und
       weniger Müll. Auf all diesen Feldern, so Graf und seine Co-Kandidatin
       Bettina Jarasch, habe Schwarz-Rot die Stadt nicht vorangebracht oder sogar
       zurückgeworfen.
       
       „Edgy“ sei die Kampagne, war im Raum gemunkelt worden, bevor die Plakate zu
       den einzelnen Themenfeldern auf eine Reihe von Stativen gestellt wurden.
       „Kämpferisch und optimistisch“ findet sie Bettina Jarasch. In jedem Fall
       transportieren die Poster klare Botschaften: „Zuverlässige Öffis, weniger
       Gegurke“ heißt es da, „Wer Kultur streicht, streicht Berlin“ oder
       „Bezahlbare Mieten, Büros zu Wohnraum“. Die grüne Signalfarbe wirkt diesmal
       allerdings irgendwie fahler als früher.
       
       ## Erst mal eine Umbauagentur gründen
       
       Wie das mit den „Büros zu Wohnungen“ genau funktionieren soll – nach
       eigener Aussage ein „zentraler Punkt im Wahlkampf“ –, lässt Werner Graf auf
       Nachfrage ein bisschen offen. Es gehe jedenfalls nicht darum, jemanden zu
       enteignen, sondern um „proaktive, gestalterische“ Lösungen. „Das wird man
       sich im Einzelnen anschauen müssen.“ Ein erster Schritt sei jedenfalls die
       Einrichtung einer „Umbauagentur“.
       
       Man wolle und müsse bei den Forderungen gar nicht das Rad neu erfinden,
       erläuterte Bettina Jarasch. Eher gehe es darum, wieder an positive
       Entwicklungen anzuknüpfen, die längst angestoßen worden seien, aber vom
       Wegner-Senat zurückgedreht würden. So brauche es „keine zehn neuen
       U-Bahn-Linien“, sondern es müssten die einmal anvisierten neuen 1.500 Wagen
       bestellt werden – damit die Bahnen endlich wieder pünktlich führen.
       
       Trotz des Klimaanpassungsgesetzes sei [3][noch kein einziger zusätzlicher
       Baum gepflanzt] worden, kritisierte Jarasch. Das müsse sich ganz schnell
       ändern. Was sich für die Grünen definitiv nicht ändern soll, ist die Weite
       auf dem Tempelhofer Feld. Es gebe jede Menge Genehmigungen für den
       Wohnungsbau an anderer Stelle, die nicht umgesetzt würden, da sehe man
       keinen Grund, den AnwohnerInnen ihre Erholungsfläche und der Stadt eine
       wichtige Kaltluftschneise wegzunehmen.
       
       Die Kultur wiederum ist ein Steckenpferd des Spitzenkandidaten: Ihn selbst
       hätten seinerzeit auch die Techno- und Clubszene der Hauptstadt angezogen,
       sagt der Oberpfälzer, dem bisweilen noch ein „erscht mal“ rausrutscht.
       Schwarz-Rot fahre aber einen „Angriff auf die Kultur“, so Graf. Die
       Regierungskoalition verkenne, dass Kultur nicht nur Freude mache und die
       Demokratie fördere, sondern auch ein echter Jobmotor sei.
       
       Schließlich holt Graf all jene, die etwas anderes erwarten würden, auf den
       Boden der Realität zurück. Auch er könne als Regierender Bürgermeister
       keine Wunder vollbringen: „Ich werde nicht mit dem Finger schnipsen, und
       dann ist alles besser.“
       
       5 Jun 2026
       
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