# taz.de -- Autonome Region Rojava: Hoffnung für die Kurden in Syrien
> Die Integration in den Zentralstaat mag für die Kurden zunächst wie eine
> vollkommene Niederlage erscheinen, könnte sich aber noch als wichtiger
> Schritt in die Selbstbestimmung erweisen.
(IMG) Bild: Beerdigung von SDF-Angehörigen, die bei Zusammenstößen mit der syrischen Armee starben, in Qamischli am 28. Januar 2026
Für die Kurden in Syrien scheint es auf den ersten Blick eine völlige
Niederlage zu sein. Aus Angst, von den Truppen und Milizen der
Übergangsregierung am Ende völlig überrannt zu werden, haben sie am Freitag
einer neuen Vereinbarung mit Damaskus zugestimmt, mit der sie ihre
[1][autonome Region Rojava] endgültig aufgeben und sich zu einer
vollständigen Integration in den Zentralstaat verpflichten.
Eine regionale Selbstverwaltung, wie sie sich die Kurden im Nordirak schon
vor Jahren erkämpft haben, ist damit passé. Dennoch sprechen kurdische
PolitikerInnen von einem Erfolg. Das bezieht sich nicht nur darauf, dass
das Töten der letzten Wochen beendet und ein drohendes Massaker an der
Zivilbevölkerung verhindert werden konnte, es gibt auch Elemente in der
Vereinbarung, die für die Zukunft der Kurden in Syrien hoffen lassen.
Da ist zuerst einmal die Gleichberechtigung mit der arabischen Bevölkerung,
die ihnen [2][unter der Assad-Diktatur] immer verweigert wurde. Dazu gehört
die Gleichberechtigung ihrer Sprache und Kultur, die, wenn sie denn auch in
der Praxis angewandt wird, den KurdInnen ein Leben in Würde ermöglichen
würde. Dazu kommt, dass Elemente einer kommunalen Selbstverwaltung erhalten
bleiben, einschließlich einer eigenen kommunalen Polizei, wenn auch unter
der Hoheit von Gouverneuren, die in Damaskus ernannt werden.
Das alles wird sich in den kommenden Monaten und vielleicht sogar Jahren
noch einspielen müssen, es wird viele Rückschläge und Konflikte geben, aber
der große Krieg scheint beendet und eine Richtung vorgegeben. Noch ist das
Misstrauen auf beiden Seiten aber groß. Damit es tatsächlich friedlich
bleibt und die Vereinbarungen auch umgesetzt werden, wünschen die Kurden
sich, dass die USA und Frankreich, die das Abkommen mit verhandelt haben,
als sogenannte Garantiemächte mit an Bord bleiben.
Das ist nicht ausgeschlossen, da auch die USA und Europa ein Interesse
daran haben, dass sich Syrien zu einem einigermaßen stabilen Staat
entwickelt. Das Ende von Rojava wird auch für die Kurden in der Türkei
große Auswirkungen haben. Die PKK hatte zwar schon vor einem Jahr die
Waffen gestreckt, aber der politische Prozess, in dem der zukünftige Status
und die kulturellen Rechte der Kurden ausgehandelt wird, ist noch in vollem
Gange.
Eine vom Parlament eingesetzte Kommission, in der alle wichtigen
politischen Parteien einschließlich der kurdischen DEM vertreten sind, wird
im Februar ihre Empfehlungen vorlegen. Dann wird sich zeigen, was die
Kurden im „Friedensprozess“ erreichen können. Der jetzt in Syrien
ausgehandelte Vertrag könnte da eine Orientierung bieten.
31 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Jürgen Gottschlich
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