# taz.de -- Konflikt in Syrien: Karawane ins kurdische Kobanê
> Auf ihrem Weg in die umkämpfte Stadt werden den
> Friedensaktivist*innen Steine in den Weg gelegt. Ob sie es an ihr
> Ziel schaffen, ist unklar.
(IMG) Bild: Mitglieder der SDF kommen in der kurdischen Stadt Kobanê an, nachdem sie sich aus anderen Städten zurückziehen mussten
Seit einer Woche sind sie unterwegs. In Autos, die sich zu Konvois bilden,
im Flugzeug. Mindestens 100 Menschen, aus den verschiedensten Ländern
Europas. Von Dänemark bis Serbien, von Irland bis Italien.
Friedensaktivist*innen, die sich für die Initiative „Karawane zur
Verteidigung der Menschlichkeit“ zusammengetan haben. Ihr Ziel ist klar:
[1][Nordostsyrien, Kobanê.] Der Weg dahin hingegen unsicher.
Erst am Donnerstag mussten zwei Gruppen ihre Reise abbrechen. Eine wurde an
der griechisch-türkischen Grenze an der Einreise in die Türkei gehindert,
unklar ist, ob von griechischen oder türkischen Beamt*innen. Die Behörden
zogen die Pässe ein und ließen die Aktivst*innen zwei Stunden warten.
Dann kehrte die Gruppe um.
Als sich die Aktivist*innen auf den Weg zur türkischen Grenze machten,
befand sich ein Teil der Karawane bereits in der Türkei, in den
südöstlichen kurdischen Gebieten. [2][16 Teilnehmer*innen hatte die
türkische Polizei jedoch vor wenigen Tagen festgenommen], sie mussten nach
Istanbul und dann weiter in ihre Heimatländer zurück. Unter ihnen waren
auch Deutsche, die inzwischen in der Bundesrepublik gelandet sind.
Andere bleiben noch in der Türkei, sie hoffen, es bis nach Kobanê zu
schaffen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist dies noch keiner Delegation der
Karawane gelungen, [3][die Aktivist*innen geben jedoch die Hoffnung
nicht auf]. „Weil die Bilder, die aus Nordostsyrien in den letzten Wochen
gekommen sind, deutlich gezeigt haben, dass wir uns auf den Weg machen
müssen“, sagt Karawanen-Sprecherin Gesa Jonasson über ihre Motivation. Sie
selbst ist unterwegs nach Kobanê.
## Aktivist*innen machen auf Bedrohung von Rojava aufmerksam
Mit der Aktion wollen die Aktivist*innen auf die desaströse humanitäre
Lage in Nordostsyrien aufmerksam machen. Aber auch auf [4][die Bedrohung
des kurdischen Projekts Rojava] im Konflikt mit den Truppen der syrischen
Armee. Und die Hindernisse, die Aktivist*innen in den Grenzländern
erfahren – etwa in der Türkei.
Im Januar sind die Spannungen zwischen der syrischen Armee und den
kurdischen Syrian Democratic Forces (SDF) in Aleppo und Nordostsyrien
eskaliert. Bewaffnete Konfrontationen sind entflammt, dabei konnte die
syrische Armee weite Gebiete der kurdischen Selbstverwaltung unter ihre
Kontrolle bringen.
Hier hatten Kurd*innen vor Jahren ein Regierungsmodell etabliert, das
sich nach Prinzipien wie Gleichberechtigung und Basisdemokratie richten
sollte. Die nördliche Stadt Kobanê wird seit über einer Woche belagert, die
humanitäre Lage bleibt hier trotz einiger Hilfskonvois ernst. Tausende
Menschen sind aus ihren Häusern geflohen oder vertrieben worden.
„Wir lassen nicht zu, dass europäische Staaten das finanzieren, was dann
[5][al-Dscholani [früherer Kampfname des syrischen Präsidenten Ahmed
al-Scharaa, Anm. d. Red.]] dort umsetzt, nämlich Massaker an Kurd*innen“,
so Jonasson. In den vergangenen Tagen haben sich beide Seiten gegenseitig
vorgeworfen, Zivilist*innen willkürlich anzugreifen, festzunehmen und
umzubringen.
## Seit diesem Freitag gibt es ein neues Abkommen
Al-Scharaa will seit Monaten die SDF und die kurdischen Gebiete in die
neuen staatlichen Strukturen integrieren. Ein entsprechendes Abkommen wurde
von beiden Seiten im Frühling 2025 unterzeichnet. Die Kurd*innen zögerten
dennoch, sie gaben an, den Verlust ihrer Rechte und ihres Regierungsmodells
zu fürchten.
An diesem Freitag haben sich beide Parteien indes auf ein Abkommen
geeinigt. Dies schließe einen Waffenstillstand sowie die „schrittweise
Integration militärischer und administrativer Strukturen“ ein, wie die
deutsche Vertretung der Selbstverwaltung schreibt.
„Wir bleiben bei unserer Forderung, dass es humanitäre Korridore braucht,
dass es Aufmerksamkeit auf die Region braucht sowie diplomatische
Beziehungen mit der Selbstverwaltung“, sagt Jonasson. Ebenso sollten die
Rechte der Kurd*innen, vor allem der Frauen, die in Rojava jahrelang die
Terrororganisation „Islamischer Staat“ an der Seite westlicher Staaten
bekämpft haben, garantiert werden.
Bislang sei die Reise ihrer Gruppe gut verlaufen, findet die Sprecherin.
Demonstrationen haben die Aktivist*innen auf dem Weg gehalten, um
öffentliche Aufmerksamkeit zu erzielen. Jetzt wollen sie die [6][„Grenzen
brechen“,] so wie ihr Motto besagt. Ob das ihnen auch gelingt, das wird
sich zeigen.
30 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Serena Bilanceri
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