# taz.de -- Artensterben schreitet voran: Fischen im Meer geht es besser, Fischen in Flüssen schlecht
       
       > Tierbestände weltweit schrumpfen drastisch. Ein WWF-Bericht kurz vor der
       > UN-Artenschutzkonferenz in Jerewan zeigt aber auch Erfolge für die Natur.
       
 (IMG) Bild: Küstenfischereifahrzeug vor Seebrügge auf der belgischen Nordsee
       
       Naturschutz wirkt: Viele Fischbestände in den Ozeanen haben sich in den
       vergangenen Jahren erholt. „Fischereiwirtschaftliche Maßnahmen führen zur
       Erholung der Fischbestände“, sagt Stefan Ziegler, Bereichsleiter Asien des
       WWF bei der Vorstellung des „Living Planet Index“ der Umweltorganisation.
       Negative Ausnahmen blieben Arten wie Haie und Rochen, die nur jeweils
       wenige Nachkommen hätten und deren Bestände sich dadurch nur langsamer
       regenerieren könnten.
       
       Den Index zum Zustand der Artenvielfalt stellt der WWF alle zwei Jahre
       zusammen mit der Zoologischen Gesellschaft London vor, immer vor der großen
       UN-Naturschutzkonferenz. Der Living Planet [1][Index zeigt auch diesmal,
       wie dringlich die Verhandlungen der Biodiversitäts-COP sind, die Mitte
       Oktober in Armeniens Hauptstadt Jerewan stattfinden.] Mit Ausnahme der in
       Meeren lebenden Fische geht es den meisten anderen untersuchten
       Wirbeltierarten nämlich weniger gut.
       
       Der Index bildet den Zustand von fast 36.000 Beständen von 5.800 Arten von
       Säugetieren, Amphibien, Fischen und Vögeln ab – Insekten, Schnecken,
       Spinnen oder Pflanzen werden nicht erfasst. Gezählt wird seit 1970, von
       Wissenschaftler:innen, Naturschutzbehörden, Naturliebhabern. Obwohl
       Vergleiche mit vorherigen Datensätzen schwierig sind – manchmal werden neue
       Bestände gezählt, andere fallen weg – lässt sich doch ein globaler Trend
       ablesen. „Alle beobachteten Populationen sind im Niedergang“, sagt Ziegler.
       
       Die Bestände von Säugetieren, Reptilien und Vögeln, die an Land leben, sind
       danach seit 1970 um 69 Prozent zurückgegangen. Auch die Bestände
       derjenigen, die im Meer leben, sanken um 59 Prozent – aber hier gibt es
       eine wie beschrieben leichte Erholungstendenz. Die Zahl der Tiere, die im
       Süßwasser leben, sank sogar um 85 Prozent. Die Ursachen sind vielfältig: So
       sind laut WWF global zwischen 1990 und 2020 weltweit 420 Millionen Hektar
       Wald verloren gegangen, maßgeblich um landwirtschaftliche Nutzflächen zu
       schaffen. Das entspricht fast der Fläche der Europäischen Union. Außerdem
       wurden Flüsse eingedämmt und kanalisiert, verschmutzt und ihnen viel Wasser
       entnommen.
       
       ## Es gibt mehr Tiger und mehr Elefanten
       
       Den größten Artenschwund verzeichnen Lateinamerika und Afrika, den
       geringsten Nordamerika und Europa. „Allerdings wurde die Natur dort schon
       vor 1970 degradiert und vernichtet, deswegen messen wir keinen starken
       Rückgang mehr“, sagt Ziegler. In Lateinamerika setze den Wirbeltieren
       massiv zu, dass Urwald in Grasland umgewandelt werde, um Weide- oder
       Ackerflächen zu erhalten.
       
       In Afrika leiden vor allem die vielen Buntbarsch-Arten der großen Seen
       unter Überfischung und invasiven Arten. Etwa ist die Zahl der Buntbarsche
       im Malawisee in den vergangenen vier Jahren um die Hälfte zurückgegangen.
       Insgesamt verzeichnen die untersuchten Bestände an Wirbeltieren seit 1970
       einen Rückgang von 73 Prozent.
       
       In Einzelfällen gibt es auch positive Nachrichten: Neben den Fischen in den
       Ozeanen steigt etwa in Asien die Zahl der Asiatischen Elefanten, der Tiger
       und der Panzernashörner wieder an. In Vietnam erholen sich die Bestände von
       Kragenbären und Fasanen. Hier wirkten Schutzgebiete und der Schutz vor
       Wilderern.
       
       Auch die Bestände von Afrikanischen Savannenelefanten im südlichen Afrika
       sind stabil. Hier hat sich der Bestand seit 1995 nahezu auf 330.000 Tiere
       verdoppelt. „Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen, dass den Handel mit
       Elfenbein verbietet, wirkt“, sagt Ziegler, „die lokale Bevölkerung wird in
       den Schutz eingebunden, und der Safari-Tourismus führt zu der Erkenntnis,
       dass ein lebender Elefant wertvoller ist als ein toter.“ [2][Allerdings
       gebe es inzwischen auch wieder mehr Konflikte zwischen Menschen und
       Elefanten.]
       
       8 Oct 2026
       
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