# taz.de -- Angriffe auf deutsches Stromnetz: Noch mehr Raketen – aber weiter keine Spur von Daniel V.
       
       > In Sachsen haben die Behörden weitere Sprengkörper nahe einem Umspannwerk
       > gefunden. Der mutmaßliche Täter ist weiter flüchtig.
       
 (IMG) Bild: Keine Spur von Daniel V.: Die Polizei ist in Remscheid an einem Umspannwerk im Einsatz am 7. 9. 2026
       
       Die Anschlagsserie auf das deutsche Stromnetz beschäftigt die
       Sicherheitsbehörden weiter. Am Montag fanden Ermittler nahe dem sächsischen
       Umspannwerk Graustein weitere Abschussvorrichtungen für Raketen. Erste
       Sprengkörper waren dort schon am Samstag entschärft worden. Der mutmaßliche
       Täter Daniel V. ist weiter auf der Flucht.
       
       Die in Graustein gefundenen Raketen entsprechen denen, die vergangene Woche
       bei Angriffen auf das Stromnetz in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen
       eingesetzt wurden. Dort flogen einige der mit Zeitzündern versehenen
       Flugkörper tatsächlich in die Stromleitungen von Umspannwerken und
       verursachten Kurzschlüsse. An beiden Orten mussten daraufhin Blöcke
       nahegelegener Kohlekraftwerke abgeschaltet werden. Die Stromversorgung
       blieb jedoch stabil. In Sachsen spürte die Polizei die Raketen dagegen
       rechtzeitig auf und entschärfte sie, bevor sie ausgelöst wurden.
       
       Bei einem weiteren Vorfall erhärtete sich der anfängliche
       Terrorismusverdacht am Montag nicht. Der Brand in einem Berliner
       Umspannwerk am Vormittag geht offenbar nicht auf einen gezielten Angriff
       zurück. Ursache war wohl ein technischer Defekt. Das Berliner Stromnetz
       blieb trotz des Vorfalls stabil, allerdings fielen zwischenzeitlich rund 90
       Ampeln im Stadtgebiet aus.
       
       Der mutmaßliche Täter Daniel V. hatte sich nach den ersten beiden
       Anschlägen vergangene Woche ein Bekennerschreiber [1][an die taz
       geschickt]. Er habe die Taten begangen, weil Stromerzeugung in
       Kohlekraftwerken „ein Verbrechen“ sei, „das unsägliches Leid nach sich
       zieht“. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach deshalb von
       mutmaßlichem „Klimaterrorismus“ eines Einzeltäters.
       
       Allerdings gibt es auch Zweifel an der These, dass V. allein hinter den
       Anschlägen steckt, wie er es in seinem Bekennerschreiben schildert. So ist
       es höchst ungewöhnlich, dass Täter in solchen Texten ihre Identität samt
       Adresse preisgeben – zumal V. gleichzeitig weiter versucht, sich den
       Behörden zu entziehen. Auch die Sprache des Bekennerschreibens wirkt mit
       Formulierungen wie „Recht und Ordnung“ nicht typisch für Personen aus der
       linken oder klimabewegten Szene.
       
       ## Großfahndung bislang ohne Ergebnis
       
       Obwohl die Polizei mit Hochdruck nach V. sucht, konnte er sich bislang
       entziehen. Zuletzt ging die Polizei offenbar davon aus, dass V. sich im
       Hambacher Forst aufhalten könnte und [2][durchkämmte Teile des Gebiets],
       allerdings ohne Erfolg. Der Forst ist ein symbolträchtiger Ort für die
       Klimabewegung, seit große Proteste 2018 verhindern konnten, dass der Wald
       für den Braunkohleabbau zerstört wird.
       
       Am Montag suchte die Polizei aber auch ein Gebiet nahe einem Umspannwerk im
       Raum Remscheid-Wuppertal ab. Und auch nahe einem Umspannwerk in Wesel am
       Niederrhein gab es einen Großeinsatz in Verbindung mit der Anschlagsserie.
       
       Unabhängig von der Täterschaft haben die Anschläge auf das Stromnetz die
       grundsätzliche Verletzlichkeit der deutschen Infrastruktur deutlich
       gemacht. Zusammen mit dem inzwischen klar Russland zugeordneten
       Drohnenangriff am Flughafen Leipzig im August, ergibt sich das Bild eines
       Landes, das für seine Feinde eine leichte Beute ist.
       
       Als Reaktion hatte Innenminister Dobrindt zuletzt angekündigt, Betreiber
       von Einrichtungen der kritischen Infrastruktur mehr Kompetenzen bei der
       Sicherung ihrer Anlagen zu geben. Sie sollen Drohnen künftig selbst
       abwehren dürfen. Außerdem soll ein „Cyberdome“ getauftes Netzwerk digitaler
       Sensoren künftig Hackerangriff auf Infrastruktureinrichtungen erkennen und
       so deren frühe Bekämpfung ermöglichen.
       
       7 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Bekennerschreiben-zu-Anschlag-in-Jaenschwalde-aufgetaucht/!6209920
 (DIR) [2] /Grosseinsatz-im-Hambacher-Forst-nach-Bekennerschreiben-Wo-versteckt-sich-Daniel-V/!6210659
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Frederik Eikmanns
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Anschlag
 (DIR) Stromnetz
 (DIR) Alexander Dobrindt
 (DIR) GNS
 (DIR) Anschlag
 (DIR) Bekennerschreiben
 (DIR) GNS
 (DIR) Anschlag
 (DIR) Sabotage
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Attacken auf Kraftwerke: Mutmaßlicher Strom-Terrorist Daniel V. gefasst
       
       Die Polizei hat den 48-Jährigen verhaftet, der für eine Kette von
       Anschlägen auf Kraftwerke verantwortlich sein soll. Viele Fragen sind noch
       offen.
       
 (DIR) Festnahme nach Stromnetz-Anschlägen: Polizei nimmt Autor der Bekennerschreiben fest
       
       Der 48-Jährige, der sich zu mehreren Anschlägen auf Kraftwerke bekannt hat,
       ist festgenommen worden. Die Polizei fand ihn nahe des Kraftwerks in
       Weisweiler.
       
 (DIR) Großeinsatz im Hambi: Wo versteckt sich Daniel V.?
       
       Seit Tagen sucht die Polizei nach Daniel V., der Umspannwerke in mehreren
       Bundesländern angegriffen haben soll. Jetzt läuft ein Einsatz am Hambacher
       Forst.
       
 (DIR) Sabotage an Umspannwerk Jänschwalde: Bekennerschreiben zu Anschlag aufgetaucht
       
       Nach dem Anschlag auf das Umspannwerk bei Jänschwalde erreicht die taz ein
       Bekennerschreiben. Ist es authentisch? Das lässt sich nicht zweifelsfrei
       klären.
       
 (DIR) Angriff auf Umspannwerk in Brandenburg: Spurensuche nach Kurzschlüssen läuft
       
       Beim Sabotageversuch in Brandenburg sei „leitfähiges Material“ eingebracht
       worden, erklärt Innenminister Redmann. Die Tat unterscheide sich von den
       Stromanschlägen in Berlin.