# taz.de -- Sabotage an Umspannwerk Jänschwalde: Bekennerschreiben zu Anschlag aufgetaucht
> Nach dem Anschlag auf das Umspannwerk bei Jänschwalde erreicht die taz
> ein Bekennerschreiben. Ist es authentisch? Das lässt sich nicht
> zweifelsfrei klären.
(IMG) Bild: Einsatzkräfte der Polizei durchsuchen die Umgebung des Tatorts nahe dem Umspannwerk Jänschwalde
[1][Nach dem Anschlag am Umspannwerk Turnow-Preilack nahe Jänschwalde] in
Südbrandenburg hat die taz ein Bekennerschreiben erreicht. Dieses wurde
laut Poststempel in Nordrhein-Westfalen abgeschickt. In dem Schreiben
bekennt sich ein Einzeltäter zu der Tat und beschreibt detailliert die
verwendeten Selbstbauraketen. „Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist
ein Verbrechen, das unsägliches Leid nach sich zieht“, heißt es darin.
Dieses Leid wolle er abwenden oder vermindern.
Das Bekennerschreiben ist handschriftlich verfasst und enthält Angaben zum
vermeintlichen Absender – das ist für solche Schreiben sehr ungewöhnlich.
Der Verfasser ist demnach ein Mann aus Nordrhein-Westfalen. Die taz hat an
der Adresse vorerst nur ein anderes Familienmitglied angetroffen. Die
Person gab an, keine Kenntnis von der Tat und dem aktuellen Aufenthaltsort
des Mannes zu haben, erkannte die Handschrift aber als die des Angehörigen.
Ein weiteres nahes Familienmitglied wollte sich nicht äußern.
Eine Sprecherin des Brandenburger Polizeipräsidiums sagte, dort sei ein
Bekennerschreiben zu der Tat in Jänschwalde bisher nicht bekannt. Die
Beschreibungen der verwendeten Selbstbauraketen, die medial verbreitet
wurden, decken sich indes mit den detaillierten Beschreibungen in dem
Bekennerschreiben, ebenso die genannte Uhrzeit der Tat am frühen
Dienstagmorgen. Entsprechende Medienberichte wurden erst am späten Dienstag
veröffentlicht, als der Brief schon abgeschickt gewesen sein müsste.
Die Authentizität des Schreibens lässt sich nicht zweifelsfrei belegen.
Möglich wäre auch, dass der Verfasser zu Unrecht für sich beansprucht, den
Anschlag bei Jänschwalde begangen zu haben, oder dass ein anderer Akteur
bewusst eine falsche Fährte legt. Vor der vergangenen Bundestagswahl etwa
sabotierten angebliche „Umweltaktivisten“ Autos mit Bauschaum und
hinterließen Habeck-Aufkleber mit der Aufschrift „sei grüner!“, um Medien
und Öffentlichkeit zu täuschen. Später stellte sich heraus: [2][Die Spur
der angeblichen Aktivisten führt nach Moskau.] Ein ausführliches
Bekennerschreiben gab es zu den Aktionen damals allerdings nicht.
## Brief enthält detaillierte Angaben
In dem jetzigen Bekennerschreiben wird mit detaillierten Maßangaben
beschrieben, wie der Verfasser mit Rohren, Stäben, Silvesterraketen und
Zeitschaltern eine Vorrichtung gebaut haben will, mit der dünne Drahtseile
auf die Hochspannungsleitungen geschossen worden seien. Damit sollten
Verbindungen zur Erde hergestellt und so Kurzschlüsse verursacht werden. In
Jänschwalde war dies offenbar nur in einem Fall erfolgreich – ohne dass es
aber zu einem Stromausfall kam. Rund 20 weitere aufgestellte Raketen sollen
nicht abgehoben haben.
Benannt werden in dem Schreiben auch zwei weitere Orte in Brandenburg und
einer in Sachsen, an denen angeblich ebenfalls Hochspannungsleitungen
attackiert wurden. Die Polizei Brandenburg ließ unbeantwortet, ob es dort
zu Angriffen gekommen ist. Auch ein Sprecher des Kraftwerkbetreibers LEAG
wollte sich dazu nicht äußern.
Nicht erwähnt wird in dem Bekennerschreiben ein [3][Anschlag in der
Folgenacht nahe dem Umspannwerk Köln-Bergheim], bei dem ebenso sechs
Abschussstationen für selbstgebaute Raketen gefunden wurden. Hier fielen
durch einen Kurzschluss mehrere Leitungen aus, fünf
Braunkohle-Kraftwerkblöcke mussten vom Netz gehen. Einen Stromausfall gab
es aber auch hier nicht. Diese Tat erfolgte nach dem mutmaßlichen Versand
des Bekennerschreibens.
Der Verfasser benennt als Motivation für die Tat in Jänschwalde die Nutzung
fossiler Brennstoffe, die „unermessliches Leid“ verursachen würden, ohne
dies aber weiter auszuführen. „Und weil die Medien einen Scheiß tun, die
Dringlichkeit der Situation zu vermitteln, und der Staat da nicht
eingreift, um dieses Leid abzuwenden, muss ich das jetzt machen“, heißt es
weiter.
Außerdem kündigt der Schreiber weitere Taten an: „Wenn hier Recht und
Ordnung herrschten, dann müsste ich das Gesetz nicht brechen und einen
Haufen Leid in Kauf nehmen, das ich wegen dem Stromausfall und allen
Stromausfällen, die da noch kommen müssen, zu verantworten habe.“
## Verfasser betont, er habe allein gehandelt
Vermerkt wird noch, dass der Verfasser „nicht traurig“ sei, wenn die
deutsche Rüstungsindustrie durch die Stromausfälle in Mitleidenschaft
gezogen würde, insbesondere, solange Deutschland „den Völkermord in
Palästina unterstützt“.
Der Autor betont auch, dass er die Taten allein vorbereitet habe und
ausführen werde – „ohne jemals jemandem davon erzählt zu haben“. Er
schreibe dies, weil er befürchte, dass die Taten sonst der „linken Szene“
zugeschrieben würden. „Die ham da nix mit zu tun.“
Die Sprecherin der Polizei Brandenburg und ein Sprecher der
Staatsanwaltschaft Köln sagten der taz am Donnerstag, ihnen lägen keine
Bekennerschreiben vor. Es sei weiter offen, wer hinter den Anschlägen von
Jänschwalde und Köln-Bergheim stecke. Die Brandenburger Polizei ermittelt
inzwischen wegen Terrorverdachts, setzte am Donnerstag die Spurensuche bei
Jänschwalde fort. In Nordrhein-Westfalen wird wegen des Verdachts einer
verfassungsfeindlichen Sabotage ermittelt.
Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) hatte am Mittwoch erklärt, es
verdichteten sich Anzeichen, dass beide Taten Teil eines koordinierten
Angriffs auf die Energieversorgung seien. Auch die Bundesanwaltschaft steht
in Kontakt mit den Ermittlungsbehörden.
In eigener Sache: Es ist sehr ungewöhnlich, dass Bekennerschreiben Angaben
zum Verfasser enthalten. Wir haben, um die Authentizität zu prüfen, zu dem
darin genannten Verfasser recherchiert, dessen Wohnort aufgesucht und mit
Familienangehörigen gesprochen. Angaben aus dem Schreiben, die Täterwissen
nahelegen, haben wir mit den bisherigen Erkenntnissen zum Tatablauf
abgeglichen, und dazu Sicherheitsbehörden kontaktiert und technische
Expertise eingeholt.
Im Ergebnis gehen wir davon aus, dass der genannte Unterzeichner auch der
Verfasser ist. Ob der Verfasser des Bekennerschreibens die Tat tatsächlich
begangen hat, konnten wir bisher nicht zweifelsfrei klären – unsere
Recherchen lassen das aber mindestens möglich erscheinen. Da sich die
öffentliche Debatte zu den Anschlägen aktuell vor allem auf andere mögliche
Täter konzentriert, halten wir es für geboten, über das Bekennerschreiben
zu informieren.
3 Sep 2026
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