# taz.de -- Aktion der „Neuen Generation“ in Berlin: Mega! Revolution zunächst ohne Megafon!
       
       > Die „Neue Generation“ kündigte für Freitag vor dem Bundestag einen
       > „Revolutionsversuch“ an. Klang zunächst recht radikal, blieb am Ende aber
       > harmlos.
       
 (IMG) Bild: Revolution nur in der Theorie: Neue Generation
       
       Sieht so die Revolution aus? Bis kurz vor dem eigentlich geplanten Start
       des „Revolutionsversuchs“ der „Neuen Generation“ war an der Ostseite des
       Bundestags am Freitagmittag davon nicht viel zu spüren. Rund 15
       Aktivist:innen versammeln sich am Rande des Eingangs zum Bundestag, der
       von der Polizei bewacht wird.
       
       Als es dann losgehen soll, kommt die Aktion aufgrund technischer
       Schwierigkeiten mit dem Megafon nur holprig ins Rollen. Um die
       Unannehmlichkeiten zu überbrücken, stimmen die Aktivist:innen erst mal
       ein Lied an.
       
       Als das Megafon dann doch noch funktioniert, wird zunächst über die
       Entstehung der Gruppe aufgeklärt. Diese ist aus der Letzten Generation
       hervorgegangen. Die Neue Generation fiel zuletzt mit einem radikaleren
       Tonfall auf als ihr Vorläufer. Setzte die Letzte Generation neben ihrem
       Protest auf der Straße auch auf bürgerliche Forderung wie etwa Tempolimits,
       will man sich bei der Neuen Generation auf einen Kollaps oder eine Krise
       vorbereiten, weil diese eine revolutionäre Stimmung begünstigen könnten.
       
       Eigentlich wollte die Neue Generation den „Revolutionsversuch“ nach eigenen
       Angaben bereits am Donnerstag starten. Wegen eines Staatsbesuches blies die
       Gruppe diesen jedoch kurz zuvor ab. Der Sohn des iranischen Politikers und
       Schah-Sohn Reza Pahlavi war zu Besuch in der Hauptstadt. Die Neue
       Generation verschob den Termin für die Revolte deshalb auf den darauf
       folgenden Tag.
       
       ## Höflich um Einlass gebeten
       
       Revolutionär ist am Freitag vor dem Bundestag dann vorerst nur die Theorie.
       Man müsse seinen Körper „auf die Zahnräder der Maschine“ werfen, sagt
       Henning Jeschke, ein Sprecher der Gruppe. Die Neue Generation seien
       diejenigen, die „jetzt schon versuchen“, auf eine zukünftige Revolution
       hinzuwirken.
       
       Zum Weg dahin gehöre auch das Scheitern dazu, erklärt er. Man müsse sich
       „vorstellen können, was sein könnte“, so Jeschke. Viele
       Bundestagsabgeordnete, auch solche der CDU und AfD, die gerade dabei sind,
       den Bundestag zu verlassen, nehmen von der Aktion kaum Notiz oder
       ignorieren sie gekonnt beim Vorbeigehen.
       
       Es gehe bei ihrer Aktion auch darum, ein „Angebot zu schaffen“, erklärt
       Lina Eichler, Sprecherin der Gruppe, im Gespräch mit der taz. Wichtig zu
       betonen sei ihr, dass sie auf eine „friedliche Revolution“ aus seien. Auch
       gehe es ihnen darum, den Einfluss von Geld auf Entscheidungsfindungen zu
       reduzieren, etwa durch Korruption. Dagegen richtet sich auch die Kampagne
       „#MerzMafia“ der Neuen Generation, mit der diese in den letzten Tagen auf
       sich aufmerksam machte.
       
       Bereits am Donnerstag richtete sich die Gruppe mit einer Farbattacke gegen
       den Axel-Springer-Verlag. Aktivist:innen verpassten der
       Springer-Zentrale eine Ladung blaue Farbe. Diese stehe symbolisch wahlweise
       für die CDU oder die AfD, schrieb die Gruppe auf Instagram anschließend.
       Beide Parteien seien Teil der „MerzMafia“, die in Deutschland den
       „drohenden Faschismus“ befeuere.
       
       ## Poschardt schlägt Einladung aus
       
       Der Axel-Springer-Verlag stehe als „Teil der #Merzmafia, für die enge
       Verflechtung von Geld, Lobbyismus und Medienmacht“, begründet die Gruppe
       die Aktion. Über Instagram lud die Gruppe den Welt-Herausgeber Ulf
       Poschardt dann noch zu einer Onlinediskussion für Freitag ein. Poschardt
       kam der Einladung jedoch nicht nach.
       
       Am Freitagmittag will die Gruppe noch das Sicherheitspersonal des
       Bundestags von ihrem Konzept der „Parlamente der Menschen“ überzeugen und
       höflich um Einlass bitten, doch die Polizist:innen schütteln den Kopf
       und winken ab. „Wir wollen Sie um Einlass bitten, um fortan aus dem
       Bundestag heraus Parlamente der Menschen zu organisieren“, steht auf dem
       Zettel, den Jeschke dem Einlasspersonal überreichen wollte.
       
       „Parlamente der Menschen“ sollen laut Jeschke Orte sein, in denen per
       Losverfahren Bürger:innen in Bürgergremien Entscheidungsmacht erhalten
       sollen. Orte der „deliberativen Demokratie“ nennen sie das. Angelehnt sei
       das Konzept an dem von Bürgerräten, erklärt Jeschke. Langfristig soll das
       laut dem Sprecher zu einem „neuen Modus“ der Demokratie führen. Die
       „Parlamente der Menschen“ würden dann schrittweise andere demokratische
       Institutionen ablösen.
       
       Bevor die Gruppe die Kundgebung vor dem Bundestag schließlich geordnet
       auflöst, kündigt die Gruppe noch den Termin für den nächsten
       „Revolutionsversuch“ an. Er soll im Oktober stattfinden.
       
       24 Apr 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Nicolai Kary
       
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