# taz.de -- Demokratische Sozialisten in den USA: Die andere „rote Welle“ bei den Midterms
       
       > Bei den Midterm-Wahlen konnten die Democratic Socialists of America viele
       > Erfolge verbuchen. Was bedeutet das für die Zukunft der Demokraten?
       
 (IMG) Bild: Bei der Wahlparty der DSA in Astoria, Queens, gab es diese Woche viel zu feiern
       
       Einer der größten Siege der Demokratischen Sozialisten bei den Midterms in
       den USA könnte ausgerechnet eine Niederlage sein. Im Rennen um einen
       Senatsposten in Florida verlor die Sozialistin Angie Nixon nur extrem
       knapp, mit 48 Prozent der Stimmen. Das ist bemerkenswert, weil es sich um
       Florida handelt, das Heartland der rechten Exilkubaner, wo Donald Trump bei
       der Wahl 2024 mit gewaltigem Abstand gewinnen konnte.
       
       Nixon ist Mitglied der Democratic Socialists of America (DSA). Die
       Organisation setzt sich, wie der Name verrät, für einen demokratischen
       Sozialismus ein. Bei den Vorwahlen der Demokraten in Florida hatte sich die
       42-jährige Schwarze Frau gegen ihren Establishment-Konkurrenten durchsetzen
       können.
       
       Nixon kam dem Sieg am Dienstag ganz nah, obwohl die republikanische
       Wahlkampfmaschine finanziell deutlich besser geschmiert war. Das nationale
       Establishment der Demokraten hatte sich erst spät für Nixon ausgesprochen –
       ob ihr das allerdings ein Hindernis war, lässt sich angesichts der wenig
       begeisternden Führung in Washington debattieren.
       
       Noch vor wenigen Monaten sind Menschen verlacht worden, die behauptet
       hatten, eine Sozialistin dürfe sich im konservativen Florida ernste
       Hoffnungen auf einen Senatssitz machen. Die Midterms haben jedoch beweisen,
       dass Kandidaten der DSA sehr wohl auch jenseits der progressiven Metropolen
       Erfolg haben können.
       
       ## Zwei Drittel der Rennen erfolgreich
       
       Laut ihrem [1][eigenen Wahlmonitor] hat die DSA bei den für die Demokraten
       erfolgreichen Wahlen 222 Kandidaten unterstützt – auf allen Ebenen, von der
       nationalen über die bundesstaatliche bis zur lokalen. Stand
       Donnerstagnachmittag konnten rund zwei Drittel dieser Kandidaten die Wahl
       für sich entscheiden. In 38 Rennen steht das Ergebnis noch aus.
       
       Wie bereits der Fall Nixon andeutet, geht es hier nicht nur um tiefblaue
       Landstriche, sondern auch um Swing-Bezirke. So konnte etwa die Sozialistin
       Ashley Herrmann in ihrem Bezirk den Republikanern einen Sitz für Floridas
       Repräsentantenhaus abtrotzen. Diese Siege widerlegen die Behauptung der
       Zentristen in der Partei, dass ein demokratisch-sozialistisches Angebot nur
       in progressiven Städten, nicht aber in konservativeren Regionen verfangen
       kann.
       
       Auch in New York City konnte die DSA Erfolge verbuchen. Drei linke
       Kandidaten, die vom sozialistischen Bürgermeister Zohran Mamdani
       unterstützt wurden und von denen zwei DSA-Mitglieder sind, konnten Sitze im
       nationalen Unterhaus erringen. Gleiches gilt für die DSA-unterstützten
       Donavan McKinney in Michigan und Chris Rabb in Pennsylvania.
       
       In Colorados Hauptstadt Denver konnte Melat Kiros den Wettkampf für das
       House für sich entscheiden – die 29-Jährige ist nicht nur selbst Mitglied
       der DSA, sondern auch die erste Schwarze Frau, die aus Colorado in den
       US-Kongress gewählt wurde. In der Hauptstadt Washington, D. C. wird künftig
       eine sozialistische Bürgermeisterin regieren, und auch die
       DSA-Bürgermeisterkandidatin in Los Angeles hat zum aktuellen Stand der
       Auszählungen gute Chancen auf das Amt.
       
       ## Über 130.000 Mitglieder
       
       Die DSA wurden 1982 von dem Professor und Schriftsteller Michael Harrington
       gegründet. Sie sind eine unabhängige Organisation, die nicht direkt mit der
       Demokratischen Partei verbunden ist. Aus ihrer Mitgliedschaft rekrutieren
       sich jedoch Kandidatinnen und Unterstützer, die sich an den Vorwahlen
       innerhalb der Demokraten beteiligen.
       
       Doch auch innerhalb der DSA gibt es Mitglieder, welche die Teilnahme an
       Wahlen und den Weg durch die Demokratische Partei kritisch sehen. Diese
       Fraktion möchte die Ressourcen lieber in den Aufbau einer unabhängigen
       Bewegung oder einer sozialistischen Partei stecken. Nach den Erfolgen der
       letzten Jahre haben die DSA heute laut eigenen Angaben über 130.000
       Mitglieder.
       
       Selbst an Orten, wo am Dienstag keine DSA-Kandidaten auf den Wahlzetteln
       standen, kann man ihre Handschrift erkennen – bzw. den Druck, den
       Wahlerfolge wie Mamdanis in New York ausgeübt haben. Im Wahlkampf der
       Demokraten rückte der Fokus ab von der „Bewahrung der Demokratie“, wie noch
       unter Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris. Dafür wetterten die
       Progressiven James Talarico in Texas oder [2][Abdul El-Sayed] gegen die
       Korruption der Trump-Regierung, die oligarchischen Verhältnisse in
       Washington, den Krieg gegen Iran und versprachen eine Verbesserung der
       Lebensstandards der arbeitenden Bevölkerung.
       
       „Sozialistinnen und Sozialisten waren in den USA seit einem Jahrhundert
       nicht mehr so stark“, schreibt der US-Leiter der Rosa-Luxemburg-Stiftung
       Stefan Liebich [3][in einer Analyse]. Die damalige Bewegung organisierte
       nicht nur die Industriearbeiterschaft, sondern protestierte auch gegen den
       Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg, worauf die Regierung mit
       Repression und Haftstrafen reagierte. Zum Niedergang der Sozialisten trug
       weiter bei, dass Präsident Roosevelt Teile ihres Programms in seine
       New-Deal-Agenda aufnahm, bis der Neoliberalismus à la Reagan diese
       zaghaften sozialdemokratischen Errungenschaften zerschlug.
       
       Unter anderen Vorzeichen beeinflusst die DSA jetzt erneut das demokratische
       Programm. Es sind die engagierten Basis-Mitglieder, die das Plädoyer für
       eine linke Wirtschaftspolitik ins Land und in die Wahlkämpfe tragen.
       
       Nach den Wahlergebnissen gehe die Linke jetzt gestärkt in den Kampf um die
       weitere Ausrichtung der Demokraten, schreibt Liebich. Auch mit Blick auf
       die nächsten Wahlen 2028: Da ist mit der New Yorker Repräsentantin
       Alexandria Ocasio-Cortez mittlerweile sogar eine DSA-Frau als
       Präsidentschaftskandidatin im Gespräch.
       
       5 Nov 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://2026.electoral.dsausa.org/#&_intcmp=fnc_politics_article_main-content_article-body_6_2
 (DIR) [2] /Demokrat-El-Sayed-gewinnt-Michigan/!6227311
 (DIR) [3] https://rosalux.nyc/de/midterms-trumps-niederlage-und-der-sieg-der-sozialisten/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Leon Holly
       
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