# taz.de -- Die US-Demokraten nach den Midterms: Gewonnen, und jetzt?
       
       > Den US-Demokraten steht nach dem Erfolg bei den Midterms ein
       > Richtungskampf bevor: Kompromiss oder Attacke?
       
 (IMG) Bild: Vorwärtsgerichtet? Der alteingesessene Demokrat Chuck Schumer im Wahlkampf
       
       Noch ist die Zeit nicht vorbei, in der Social-Media-Feeds von US-Demokraten
       vor allem aus Videos von Siegesreden vor jubelnden Anhängern oder lustigen
       Memes bestehen, jedenfalls aber vom Enthusiasmus eines Wahlsiegs geprägt
       sind, den so selbst die kühnsten Optimist*innen nicht hatten erwarten
       können.
       
       Aber in den Jubel mischen sich die ersten ernsthaften Diskussionen darüber,
       wie die demokratische Performance im neuen Kongress eigentlich aussehen
       soll, der sich am 3. Januar 2027 konstituiert. Und auch, ob die beiden
       bisherigen Fraktionsführer, Senator Chuck Schumer und der Abgeordnete
       Hakeem Jeffries, beide aus New York, eigentlich wirklich die richtigen
       sind, um die neue Macht zu kanalisieren.
       
       Die Gruppe „Indivisible“, bekannt als Organisatoren der großen landesweiten
       „No Kings“-Proteste, postete schon am Mittwoch auf Bluesky eine [1][Kachel
       gegen Schumer] als neuem Senatsführer. „Gestern haben die Wähler
       klargestellt, dass sie eine neue Generation demokratischer Kämpfer wollen.
       Wir brauchen einen Anführer im Senat, der in der Lage ist, diesen Kampf zu
       führen. Es ist Zeit, eine neue Führung zu wählen“, heißt es in dem Post.
       
       Tatsächlich hat Schumer seit geraumer Zeit den Ärger vieler progressiver
       demokratischer Anhänger auf sich gezogen. Spätestens, als er [2][im März
       2025] dafür sorgte, dass ein republikanischer Übergangshaushalt im Senat
       auch mit demokratischen Stimmen verabschiedet wurde, galt er in
       progressiven Kreisen als feige und opportunistisch. Das Gleiche
       [3][wiederholte sich im November letzten Jahres].
       
       ## Schlechtere Umfragewerte als Trump
       
       In nationalen Umfragen geben gerade einmal 25 Prozent der Befragten Schumer
       eine positive Bewertung: Das ist deutlich unter den historisch schlechten
       Umfragewerten von Präsident Trump.
       
       Dazu kommt: Die Demokratische Partei und die politisch-ideologische
       Zusammensetzung ihrer gewählten Kandidat*innen haben sich verändert,
       seit Schumer 1980 erstmals ins Repräsentantenhaus und 1998 in den Senat
       gewählt wurde. Schumer, Sohn einer jüdischen New Yorker Familie, verstand
       sich lange öffentlich als Shomer Yisrael, als Schutzengel Israels. Er ist
       einer jener demokratischen Politiker, deren Wahlkämpfe über Jahrzehnte von
       der pro-israelischen Lobby-Organisation AIPAC unterstützt wurden. [4][Neu
       gewählte Senatoren wie Abdul El-Sayed, der Shootingstar aus Michigan],
       haben Teile ihres Wahlkampfes darauf aufgebaut, eben gerade kein Geld von
       der AIPAC anzunehmen.
       
       Aber nicht nur ideologische Grundfragen müssen Schumer und Jeffries
       womöglich neu beantworten. Auch wie die neue Kongressmehrheit taktisch
       agieren will, steht zur Diskussion. Kooperation mit der Regierung suchen,
       um etwa eine Erhöhung des Mindestlohnes oder Verbesserungen bei Medicare
       durchzusetzen, ohne von Trump per Veto gestoppt zu werden – oder
       kompromisslose Opposition mit Untersuchungsausschüssen bis hin zu
       Amtsenthebungsverfahren? „Wir können gleichzeitig spazieren gehen und
       Kaugummi kauen“, zitierte Jeffries nach der Wahl zu dieser Frage eine
       US-Redensart.
       
       Aber ob das funktioniert in einem Jahr, in dem sich unterschiedlichste
       Flügel der Partei auf das Präsidentschaftswahljahr 2028 vorbereiten?
       Spätestens die zweite Jahreshälfte 2027 wird von den bevorstehenden
       Vorwahlen geprägt sein. Bis ein*e Kandidat*in gefunden ist, hinter dem
       oder der sich die Partei versammelt, ist die Kongressführung die einzige,
       die die Demokraten haben. Und das kann ganz schön haarig werden.
       
       5 Nov 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
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