# taz.de -- Midterms und die EU: Trump-Klatsche macht es nicht einfacher für Europa
> Trotz der Niederlage der Republikaner bei den Zwischenwahlen bleibt die
> US-Handelspolitik unberechenbar und protektionistisch, meinen
> Ökonom*innen.
(IMG) Bild: Quo vadis US-Handelspolitik?
Der Sieg der Demokraten bei den [1][Zwischenwahlen in den USA] hat bei
Ökonom*innen, Wirtschaftsverbänden und Expert*innen in Europa für
gemischte Reaktionen gesorgt. Die Handelspolitik der USA werde trotz der
Klatsche für die Republikaner von US-Präsident Donald Trump unberechenbar
und protektionistisch bleiben haben, meint Achim Wambach, Präsident des
konservativen Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung
(ZEW).
Ohne Mehrheit im Repräsentantenhaus und Senat dürfte der Präsident
versuchen, seine „Agenda verstärkt über die Handels- und Außenpolitik
voranzutreiben, wo er über weitreichende eigene Handlungsmöglichkeiten
verfügt“, sagt Wambach. Von der neuen [2][demokratischen Mehrheit] sei
„keine grundlegende Rückkehr der USA zum Freihandel zu erwarten“, da sich
die Parteien beim Schutz der eigenen Industrie inhaltlich kaum
unterschieden. Die protektionistische Ausrichtung der Wirtschaftspolitik
ist keine Besonderheit der Trump-Regierung.
Das sieht auch der Chef des arbeitgebernahen Instituts der deutschen
Wirtschaft (IW) so. Die US-Zollpolitik werde die deutsche und die
europäische Wirtschaft weiter bremsen, sagt IW-Direktor Michael Hüther.
Wahrscheinlich werde Trump neue Zölle weiter per Dekret am Kongress vorbei
verhängen. Auch innenpolitisch stünden den USA unruhige Zeiten bevor.
Hüther glaubt: „Politische Unsicherheit beim wichtigsten Handelspartner
Deutschlands wird den transatlantischen Handel belasten.“
Der SPD-Europaabgeordnete und Handelsexperte Bernd Lange warnte davor,
einen US-Präsidenten ohne Mehrheit im Kongress als „lame duck“ („lahme
Ente“) anzusehen. Trump könnte in den kommenden Jahren eher zur „angry
duck“ („verärgerte Ente“) werden, so Lange.
## Gebaren der US-Techkonzerne weniger aggressiv
Das Ergebnis der Wahlen sei „eine gute Nachricht“, meint hingegen der
[3][Präsident des liberalen Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung],
Marcel Fratzscher. „Die Mehrheit der Demokraten in beiden Kammern des
US-Kongresses dürfte es Trump erschweren, seinen Handelskonflikt, vor allem
mit Europa, stets neu anzufachen“, so Fratzscher. „Zudem kann der Kongress
über sein Budgetrecht den Krieg mit dem Iran stärker begrenzen. Das könnte
die Energiepreise senken, wovon auch Europa profitieren würde“, sagt der
Wirtschaftswissenschaftler.
Das aggressive Gebaren der US-Techkonzerne könnte laut Fratzscher „nun ein
Stück weit eingehegt werden, da sich die Demokraten für eine Regulierung
von KI einsetzen und den massiven Boom beim Bau von Rechenzentren wohl
deutlich kritischer begleiten werden“. Dies, so der Ökonom, dürfte die
Wachstumsaussichten vor allem in Europa verbessern. Fratzscher meint auch,
dies „dürfte die Überhitzung an den Finanzmärkten bei Techkonzernen etwas
abkühlen“. Auch in der Finanzpolitik werde „Trump weniger freie Hand haben
und stärker Rechenschaft ablegen müssen“.
Wirtschaftsverbände äußerten sich eher skeptisch. Der Präsident des
Außenhandelsverbandes BGA, Dirk Jandura, geht von einem Fortbestehen von
Trumps Zollpolitik aus. „Wir setzen erst einmal auf Stabilität“ und ein
Ende des „Zickzackkurses“, sagt die Hauptgeschäftsführerin der Deutschen
Industrie- und Handelskammer (DIHK), Helena Melnikov.
Sie hob hervor, dass Verlässlichkeit im wichtigsten Exportmarkt deutscher
Unternehmen „extrem wichtig“ sei. Außerdem plädierte sie dafür, weiterhin
„neue Partnerschaften jenseits der USA“ zu suchen. Melnikov verwies unter
anderem auf die EU-Abkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten und
mit Indien. In Asien stünden neue Kooperationen an.
Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger hob hervor, dass Europas Probleme nicht
in Washington gelöst würden: „Unsere Wettbewerbsfähigkeit müssen wir schon
selbst in die Hand nehmen“, sagte er dem Portal T-Online. Deutschland und
Europa müssten „endlich die anstehenden Hausaufgaben machen“, also
Bürokratie abbauen, Unternehmen entlasten, Investitionen erleichtern und
die Wettbewerbsfähigkeit stärken. (mit Agenturen)
4 Nov 2026
## LINKS
(DIR) [1] /US-Republikaner-bei-den-Midterms-Krachende-Niederlage-unsichere-Zukunft/!6227184
(DIR) [2] /Demokrat-El-Sayed-gewinnt-Michigan/!6227311
(DIR) [3] https://www.diw.de/de/diw_01.c.1024098.de/sieg_der_demokraten_bei_den_us-midterms_ist_eine_positive_botschaft_____auch_fuer_europa.html
## AUTOREN
(DIR) Kai Schöneberg
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