# taz.de -- OpenAI-Chef Altman trifft Regierung: Tech-Bros mit freier Terminwahl bei Kanzler und Ministern
       
       > Google, OpenAI, Tiktok: IT-Konzerne treffen sich über 100 Mal mit der
       > Bundesregierung. Sie wollen weniger Datenschutz. Laut Lobbycontrol mit
       > Erfolg.
       
 (IMG) Bild: Traf 18 Mal in einem halben Jahr große Tech-Riesen: Digitalminister Karsten Wildberger (r), hier (v.l.) mit Mathias Döpfner und Sam Altman
       
       Man kennt sich, man schätzt sich: Fünfmal besuchte Sam Altman im
       vergangenen Jahr den Bundeskanzler oder seine Minister zum direkten
       Gespräch. Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) lobte den [1][Chef des
       ChatGPT-Entwicklers] OpenAI bei der Verleihung des „Axel Springer Award“ im
       vergangenen Jahr für seine „unglaubliche Vision“. Gleichzeitig stellte er
       schwächere Datenschutzregeln in Aussicht: Man wolle „KI die Trainingsdaten
       geben, die sie braucht“, so Wildberger.
       
       Vor allem US-Tech-Konzerne haben in Berlin bei Bedarf offenbar [2][freie
       Terminwahl]. Das zeigt eine [3][Recherche] der
       Nichtregierungsorganisationen Corporate Europe Observatory (CEO) und
       LobbyControl. Laut der Analyse hat es zwischen dem Antritt der
       schwarz-roten Bundesregierung im Mai 2025 und dem vergangenen September 103
       Treffen mit außereuropäischen Tech-Konzernen auf höchster Ebene gegeben,
       durchschnittlich 1,5 pro Woche. Google führt mit 28 Treffen, gefolgt von
       Microsoft, Apple und OpenAI mit 18, 16 und 11 Treffen. Auch 4 Unterredungen
       mit dem chinesischen Tiktok-Konzern Bytedance stehen auf der Liste. Die
       Informationen stammen aus Antworten auf parlamentarische Anfragen.
       
       Bei den Unterredungen ging es laut der Untersuchung vor allem um den Abbau
       europäischer Datenschutzstandards. Unter dem Vorwand, Innovationen im
       Bereich künstlicher Intelligenz zu fördern, hätten die Tech-Riesen vor
       allem in Deutschland, aber auch in Irland die Meinungswende im Europäischen
       Rat beeinflusst, so Lobbyontrol und CEO. „Während weltweit über die
       Gefahren von künstlicher Intelligenz gestritten wird, stellt sich die
       Bundesregierung an die Seite der KI-Konzerne“, sagt Lobbycontrol-Campaigner
       Felix Duffy.
       
       Zwischen Juni 2025 und Januar 2026 hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU)
       laut der Analyse die Bosse von Apple und OpenAI sowie hochrangige Vertreter
       von Google und Nvidia getroffen. Digitalminister Wildberger habe gleich 18
       Mal mit den US-Tech-Riesen gesprochen. Die tatsächliche Zahl der Treffen
       dürfte höher liegen, da die Bundesregierung die Treffen nicht systematisch
       veröffentlicht.
       
       ## Altman darf in Berlin alle treffen
       
       Bemerkenswert sind laut Lobbycontrol die Besuche des Tech-Milliardärs
       Altman in Berlin. Innerhalb von nur vier Monaten traf er sich 5 Mal auf
       allerhöchster Ebene: mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und mit
       Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD), den er auch mit seiner Initiative
       „[4][OpenAI for Germany]“ für die Nutzung von KI im öffentlichen Dienst
       umwarb. Darüber hinaus datete Altman dreimal Digitalminister Wildberger. Es
       sei dabei um den „Austausch zu digitalpolitischen Themen“ gegangen. „Sehr
       vage“ findet Lobbycontrol diese Aussage – den genauen Inhalt der Gespräche
       soll nun eine [5][Informationsfreiheitsanfrage] herausfinden.
       
       Wildberger habe in der Debatte um den sogenannten Digital-Omnibus „zentrale
       Forderungen der KI-Lobby übernommen“, betont die Untersuchung.
       Lobbycontrol-Experte Duffy: „Statt Europas Abhängigkeit von US-Konzernen zu
       verringern, liefern die EU-Staaten ihnen auch noch unsere Daten aus.“
       
       Im Oktober 2025 hatte die Bundesregierung ein [6][Positionspapier]
       vorgelegt, das Folgen für den Schutz der personenbezogenen Daten von
       Millionen Europäer*innen haben dürfte. Vorgeschlagen wird darin, den
       Zugriff der Bürger*innen auf ihre bei Onlineplattformen gespeicherten
       Daten einzuschränken. Die Bearbeitung solcher Anfragen könnte für
       Unternehmen einen „unverhältnismäßigen Aufwand“ bedeuten. Dieselbe
       Formulierung verwendete laut der Analyse auch Google in einem Schreiben an
       die Bundesregierung.
       
       ## Nutzung des Einflusses auf Brüssel
       
       Bei einem Besuch in Brüssel habe Wildberger mit der für Datenschutz und KI
       zuständigen EU-Kommissarin Henna Virkkunen Deutschlands Position zum
       Digital-Omnibus klargemacht: Man wolle die Regeln „radikal vereinfachen“
       und strebe „mehr Freiräume bei Datennutzung und KI-Entwicklung“ an.
       
       Der Digital-Omnibus würde es Unternehmen ermöglichen, KI-Modelle mit
       personenbezogenen Daten zu trainieren und diese damit zu betreiben. In der
       vergangenen Woche stimmte der Rat der EU zu, dafür Datenschutzregeln
       abzubauen. Zivilgesellschaftliche Organisationen warnten, dass das auch
       Folgen für Anwendungen wie Gesichtserkennung, sexualisierte Deepfakes und
       Desinformationskampagnen haben könnte.
       
       Auch auf EU-Ebene haben die Tech-Bros aus den USA den Konflikt um den
       Datenschutz mit ihrer Lobby-Übermacht beeinflusst. Laut der Untersuchung
       trafen sich Vertreter der Facebook-Mutter Meta mit 41 Abgeordneten zum
       Digital-Omnibus, Google kam auf 30 Treffen. Insgesamt stellten CEO und
       Lobbycontrol 655 Lobbytreffen mit EU-Politikern und -Behörden zu diesem
       Thema fest. 83 Prozent der erfassten Treffen hätten mit
       Konzernrepräsentanten stattgefunden, nur 11 Prozent mit
       zivilgesellschaftlichen Organisationen oder Gewerkschaften.
       
       Weil es so erfolgreich ist, investieren die Tech-Konzerne immer [7][mehr
       Geld] für Lobbying. 2025 hat die Branche laut [8][Lobbycontrol] ihre
       Ausgaben dafür in Brüssel auf das Rekordniveau von 151 Millionen Euro
       gesteigert. Die Zahl der Lobby-Vollzeitstellen sei allein zwischen 2023 und
       2025 von 699 auf 890 gestiegen.
       
       29 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /OpenAI-macht-weitere-KI-Probleme-oeffentlich/!6214076
 (DIR) [2] /Jens-Spahn-und-Peter-Thiel/!6189077
 (DIR) [3] https://www.lobbycontrol.de/macht-der-digitalkonzerne/die-kampagne-von-big-tech-gegen-den-datenschutz-in-europa-127246/
 (DIR) [4] https://openai.com/de-DE/global-affairs/openai-for-germany/
 (DIR) [5] https://fragdenstaat.de/anfrage/gespraeche-von-bundesminister-wildberger-mit-openai-am-25-06-25-09-und-22-10-2025/
 (DIR) [6] https://noyb.eu/sites/default/files/2025-11/German%20Proposal%20for%20simplification%20of%20the%20GDPR.pdf
 (DIR) [7] /Lobbyismus-in-der-EU/!6186427
 (DIR) [8] https://www.lobbycontrol.de/macht-der-digitalkonzerne/eu-lobbyausgaben-der-digitalindustrie-auf-rekordniveau-122920/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kai Schöneberg
       
       ## TAGS
       
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