# taz.de -- Konzertempfehlungen für Berlin: Samba im Weltall
> Nicht weniger als galaktische Ereignisse stehen ins Haus. Darunter sind
> gleich mehrere Jubiläen, von Zukunftsjazz bis New Yorker Avantgarde.
(IMG) Bild: Eines der Weltwunder der brasilianischen Musik wird diese Woche im HKW gefeiert: Hermeto Pascoal
In diesem Jahr wäre der Komponist Morton Feldman 100 Jahre alt geworden.
Dem souverän kauzigen Vertreter der New York School wurden ganz große
Feierlichkeiten, bis auf wenige Ausnahmen, in Berlin eher nicht gegönnt.
Daher kann man sich umso mehr freuen, dass das Festival Klangwerkstatt
Berlin am Sonnabend zu „Morton Feldman 100“ in das Kunstquartier Bethanien
lädt, wo das kammermusikalische Spätwerk „For Philip Guston“ von 1984
erklingt.
Feldmans Musik besteht vor allem aus sich langsam verschiebenden Patterns
und ist aus kleinsten musikalischen „Zellen“ konstruiert, Wiederholung ist
ein beliebtes Mittel der Wahl dafür. Kein Minimalismus, aber so ähnlich.
Erik Drescher spielt an der Flöte, Richard Putz am Schlagzeug und Mikhail
Mordvinov Klavier beziehungsweise Celesta. Sitzfleisch sollte man genügend
mitbringen, die Sache beansprucht vier Stunden. Das ist bei Feldman jedoch
nie zu viel, vielmehr verschiebt sich die Wahrnehmung dabei allmählich
gleich mit. Wichtig: nicht zu verwechseln mit der parallel im Hamburger
Bahnhof veranstalteten Aufführung durch das Ensemble Modern (Kunstquartier
Bethanien, 7. 11., 18 Uhr).
Damit nicht genug des Feierns. Wer bereit war, sich von Feldmans Musik
sanft in einen Schwebezustand versetzen zu lassen, kann am Mittwoch im HKW
dann raketenantriebsbeschleunigt richtig abheben. Da wird gleich das
nächste Jubiläum mit einem großen Solitär begangen. Vor 90 Jahren wurde der
brasilianische Musiker Hermeto Pascoal geboren und revolutionierte während
seiner Karriere die Samba- und Bossa-Innovationen seines Landes mit
unerhörten Arrangements und unermüdlichem Forscherdrang.
Das weckte Interesse auch in Berlin, etwa bei Daniel Glatzel, dem Gründer
der vor 20 Jahren gestarteten Sci-Fi-Jazz-Bigband Andromeda Mega Express
Orchestra (AMEO). 2015 kam es zu einem gemeinsamen Konzert in Berlin. Da
Pascoal vergangenes Jahr gestorben ist, gibt es jetzt ein „Tribute To
Hermeto Pascoal“ mit einigen von dessen wichtigsten Wegbegleitern, die als
Hermeto’s Mothership das AMEO galaktisch erweitern. Sagen Sie hinterher
bitte nicht, Sie hätten nichts davon gewusst (HKW, 11. 11., 20 Uhr).
Im Übrigen ist der hohe Norden als Region längst nicht mehr so ruhig wie
vor ein paar Jahren noch. Da kann Unterstützung jeglicher Art nicht
schaden. Vom RIAS Kammerchor kommt diese, gemeinsam mit dessen Leiter
Justin Doyle und der Kastenzitherspielerin Hedi Viisma, am Freitag in der
Gethsemanekirche unter dem Titel „Über Brücken“. Von Estland und Finnland
zieht der Abend bis zu Schweden und Island. Zu hören sind A-cappella-Musik,
zum Teil mit traditionellen Gesangstechniken wie Kulning oder Yoik, und
Werke für chromatische Kantele, unter anderem von Arvo Pärt, Veljo Tormis,
Einojuhani Rautavaara, Karin Rehnqvist und Anna Þorvaldsdóttir
(Gethsemanekirche, 13. 11., 20 Uhr).
6 Nov 2026
## AUTOREN
(DIR) Tim Caspar Boehme
## TAGS
(DIR) Sound der Stadt
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