# taz.de -- Konzertempfehlungen für Berlin: Sehnsüchtige Melodien
       
       > Gerade bestimmt die Pferdekopfgeige den Sound der Stadt. Aber es gibt
       > schon auch noch die gute alte Brechergitarre. Und all den Jazz.
       
 (IMG) Bild: Das Ensemble des Großen Nationaltheaters für traditionelle Künste der Mongolei mit partnerschaftlichem Fahnengruß
       
       Die Parole der Zeit, sie lautet Dschingis Khan. Gerade durfte man erfahren,
       dass der Schlagerkomponist Ralph Siegel mit der reaktivierten Gruppe dieses
       Names (plus einem reingemogelten „h“) beim deutschen ESC-Entscheid 2027
       antreten will. Für Siegel und Dschinghis Khan ist das vertrautes Terrain:
       Beim Eurovision Song Contest 1979 belegte die Band mit dem von Siegel
       geschriebenen Lied „Dschinghis Khan“ den vierten Platz.
       
       Wobei dieses Zucken einer alten bundesdeutschen Popkulturproduktion wohl
       nichts direkt mit der Ausstellung zu tun hat, die um den Begründer des
       Mongolischen Reichs kreist und eben mit großem Brimborium in der
       James-Stirling-Galerie eröffnet wurde: „[1][Dschingis Khan und die Welt der
       Mongolen]“.
       
       Dazu gab es am Mittwoch ein Konzert, bei dem schon vor dem Deutschen
       Theater das erhöhte Polizeiaufkommen zeigte, dass drinnen was Besonderes
       passierte. Der Präsident der Mongolei und Frank-Walter Steinmeier waren da.
       Die „kulturelle Verbundenheit“ zwischen der Mongolei und Deutschland wurde
       beschworen, das Stichwort der „strategischen Partnerschaft“ fiel, und dann
       stürzte sich das Große Nationaltheater für traditionelle Künste der
       Mongolei schon in eine Leistungsschau, bei der es wirklich genug zu gucken
       gab.
       
       Tolle Kostüme, irre Hüte, wilde Tänze. Und natürlich die Musik, bei der die
       Mongolei-typische Pferdekopfgeige massiert mal in symphonischer Wucht zu
       hören war. Dazu durfte man Aufnahmen von den betörenden Landschaften der
       Mongolei sehen. Wenn dann noch die sehnsüchtigen Melodien des
       Kehlkopfgesangs erklangen, so anrührend, hätte man am liebsten gleich den
       Flug nach Ulaanbaatar gebucht.
       
       Andererseits: Dass auch in der Mongolei die Menschen eher Auto fahren und
       nicht nur reiten, war in den Filmen nicht zu sehen.
       
       Überhaupt zeigte sich die Show auf der Bühne schon forciert leuchtend. Eine
       Traditionsbeschau in Technicolor. Mit Tänzen, die manchmal nach russischem
       Ballett schmeckten oder Tanzchoreografien aus Hollywoodfilmen.
       Möglicherweise aber haben sie ja in Hollywood eifrig die alten mongolischen
       Tänze studiert.
       
       Und sonst? Was das Deutsche Symphonie-Orchester im Haus des Rundfunks
       treibt, nämlich [2][Musik aus Computerspielen in den Konzertsaal] zu
       bringen, kann man vielleicht als musikalisches Upcycling bezeichnen (23.
       10., 19 Uhr), während man zum [3][Konzert von Fluten am gleichen Abend] im
       Schokoladen gleich „Hamburger Schule“ schreien möchte. Gar nicht, weil die
       Band tatsächlich aus Hamburg kommt, sondern weil sie auf dem neuen Album
       „Kalter Stern“ mit den Brechergitarren und runtergekühltem Sprechgesang
       eben ganz unnostalgisch nach alten Schul- und Diskurszeiten (remember
       Blumfeld) klingt. Und das klingt gut. (23. 10., 20 Uhr)
       
       Wissen muss man auch, dass Angine de Poitrine immer noch die Band der
       Stunde sind. Das Konzert der kostümierten Kanadier im Astra ist ausverkauft
       (wobei deren [4][verschärfter Instrumentalrock] ansonsten eigentlich ein
       ausgewiesenes Minderheitenprogramm ist). Ersatzweise kann man aber an dem
       Abend deren Gespanntheit mit der musikalischen Lässigkeit von G.Rag
       tauschen. Den Münchner kennt man mit den Hermanos Patchekos oder den
       Landlerschwister, [5][in der Lombardo Bar] zeigt er mit Zelig Implosion,
       dass man mit Kennerschaft auch aus einem Beatles-Lied Krautrock machen
       kann. (27. 10., 20 Uhr, Eintritt frei)
       
       Außerdem startet am Donnerstag das [6][Jazzfest Berlin.] (29. 10.–1. 11.)
       Und am Samstag sind schon wieder die betörenden Klagen der Pferdekopfgeigen
       und der wundersame Kehlkopfgesang zu hören. Diesmal mit [7][Huun-Huur-Tu in
       der Urania]. Nur dass dieses Ensemble nicht aus der Mongolei kommt, sondern
       aus dem benachbarten Tuwa. (31. 10., 20 Uhr)
       
       23 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [2] https://www.dso-berlin.de/de/konzert/game-on-symphony-haus-des-rundfunks-23-10-2026/
 (DIR) [3] https://www.schokoladen-mitte.de/
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 (DIR) [5] https://www.lombardo-bar.de/
 (DIR) [6] https://www.berlinerfestspiele.de/jazzfest-berlin
 (DIR) [7] https://www.urania.de/kalender-externe-events/
       
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 (DIR) Thomas Mauch
       
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