# taz.de -- Neue Studie zur Grundsicherung: Die Fehler aus der Bürgergeld-Debatte
       
       > Arbeiten lohnt sich. Das galt für das Bürgergeld genauso wie für die neue
       > Grundsicherung. Das zeigt eine neue Studie der Hans-Böckler-Stiftung.
       
 (IMG) Bild: Arbeit lohnt sich, also im Vergleich zur dahin schmelzenden Grundsicherung
       
       Wenn der Staat Langzeitarbeitslosen zu viel Geld gebe, verhindere er, dass
       sie sich eine neue Arbeit suchen. Unter anderem mit diesem Argument
       begründete die Union 2025 die damals emotional diskutierte Einschränkung
       des Bürgergelds. [1][Daraufhin führte die Bundesregierung die neue,
       knappere Grundsicherung ein]. Doch nun zeigt eine Studie, dass die
       materielle Motivation für eigene Arbeit durchaus gegeben ist – und zwar
       überall in Deutschland.
       
       Wer zum Mindestlohn arbeitet, hat deutlich mehr Geld zur Verfügung als
       Leute, die nur Grundsicherung beziehen. Das ist das Ergebnis der neuen
       Untersuchung der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung unter dem Titel
       [2][„Lohnt sich Arbeit in Deutschland auch 2026 noch?“]. Im deutschen
       Durchschnitt „liegt der Einkommensvorteil bei rund 623 Euro monatlich im
       Falle einer alleinstehenden Person, die Vollzeit zum Mindestlohn arbeitet“,
       schreiben die Fachleute der Stiftung. An diesem Vergleich habe sich durch
       den Wechsel von Bürgergeld zu Grundsicherung grundsätzlich nichts geändert.
       
       Mehr Geld haben dabei auch Alleinerziehende zur Verfügung: So hat eine
       alleinerziehende Person „mit einem Kind von fünf Jahren bei
       Vollzeitbeschäftigung zum Mindestlohn im Bundesdurchschnitt rund 757 Euro
       mehr zur Verfügung als bei Grundsicherungsbezug.“ Ein ähnlicher Vorteil
       ergebe sich für ein Paar mit zwei minderjährigen Kindern, heißt es in der
       Untersuchung. Außerdem wächst der finanzielle Vorteil eigener Arbeit mit
       der Zahl der Kinder. Eine Erklärung hierfür: Die Kinderfreibeträge
       reduzieren die Steuer. Die Ergebnisse hat die Stiftung für alle deutschen
       Stadt- und Landkreise aufgearbeitet.
       
       Die Daten zeigen den Lohnabstand zwischen der niedrigen, staatlichen
       Sozialleistung, die das Existenzminimum sichern soll, und der Untergrenze
       der Löhne, die Arbeitnehmer:innen selbst erwirtschaften können. Ist
       dieser Lohnabstand zu klein, sei die Grundsicherung zu großzügig, lautet
       oft das Argument von konservativer und rechter Seite. Die
       Mitte-links-orientierte Gewerkschaftsstiftung betont dagegen: Wer arbeitet,
       erwirtschaftet erheblich mehr. In dieser Logik gibt es keinen Grund, die
       Sozialleistung zu drücken.
       
       ## Hohe Mieten beeinflussen die Grundsicherung
       
       „Der Streit um das Bürgergeld im vergangenen Jahr war ein eindrückliches
       Beispiel dafür, wie Sozialdebatten nicht geführt werden sollten“, sagt
       Bettina Kohlrausch, die wissenschaftliche Direktorin des Böckler-Instituts
       WSI. „Vielfach wogen Vorurteile schwerer als Fakten.“
       
       Wobei der Lohnabstand regional schwankt. Eher niedrig liegt er zum Beispiel
       in Großstädten wie Frankfurt am Main und München. Das hat etwas mit den
       dort sehr hohen Mieten zu tun. Die Kosten der Unterkunft übernimmt die
       jeweilige Stadt in gewissem Rahmen für diejenigen, die Grundsicherung
       beziehen – was das Niveau der Sozialleistung anhebt.
       
       Mit Mindestlohn bekommt man auch deshalb mehr als mit der Grundsicherung,
       weil die Beschäftigten zusätzliche Sozialleistungen beantragen können, etwa
       das staatliche Wohngeld, das die hohen Wohnungskosten bezuschusst. Hinzu
       kommen Kindergeld, Kinderzuschlag und der Unterhaltsvorschuss für
       Alleinerziehende. Das alles sind Leistungen, die verhindern sollen, dass
       Beschäftigte mit niedrigen Einkommen auf die Grundsicherung angewiesen
       sind. Eine Rolle spielen zusätzlich die Regelungen für sogenannte
       Aufstocker: Wer noch Grundsicherung erhält, parallel aber schon arbeitet,
       kann einen Teil des selbst verdienten Lohns behalten. Auch das soll dazu
       motivieren, sich aus der Sozialleistung herauszuarbeiten.
       
       [3][Negativ könnte sich es auswirken, warnt Kohlrausch, wenn die
       Union-SPD-Regierung wie geplant aus Spargründen das Wohngeld kürze]: „Das
       würde den Lohnabstand insbesondere bei Familien tendenziell reduzieren.“
       
       27 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Debatte-um-Grundsicherung/!6128509
 (DIR) [2] https://www.boeckler.de/de/faust-detail.htm?produkt=HBS-009525
 (DIR) [3] /Debatte-zum-Wohngeldgesetz-im-Bundestag-Ueber-1-Million-Haushalte-betroffen/!6220225
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Hannes Koch
       
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