# taz.de -- Studie zur Grundsicherung: Schwarz-Rot mindert Anreize zum Arbeiten
       
       > Menschen mit schlecht bezahlten Jobs stehen besser da als ohne Job –
       > allerdings nur mit ergänzenden Sozialleistungen. Und auch nicht mehr
       > lange.
       
 (IMG) Bild: Diese Putzkraft verdient hoffentlich mehr als nur Mindestlohn
       
       Wer Vollzeit zum Mindestlohn arbeitet, hat mehr Geld als jemand, der ohne
       Arbeit von Grundsicherung lebt: Das ist in Kurzform die Botschaft [1][einer
       neuen Studie der Hans-Böckler-Stiftung.] Die Erkenntnis [2][ist nicht neu.]
       Dass die gewerkschaftsnahen Forscher*innen sie noch mal verbreiten, ist
       trotzdem richtig. Sie setzen damit einen Kontrapunkt zu der irreführenden
       Behauptung, mit der Konservative neue Schikanen im ehemaligen Bürgergeld
       begründeten: Arbeiten lohne sich nicht mehr.
       
       Um die Botschaft der Studie präziser auszudrücken, braucht es aber vier
       Wörter mehr: Wer Vollzeit zum Mindestlohn arbeitet, hat zusammen mit
       ergänzenden Sozialleistungen mehr Geld als jemand, der ohne Arbeit von der
       Grundsicherung lebt. In vielen Fällen ist das Einkommen nämlich nur wegen
       zusätzlicher Leistungen wie Wohngeld oder Kinderzuschlag höher.
       
       Der Blick auf den vollständigen Befund lohnt sich. Aus ihm ergeben sich
       drei Schlussfolgerungen. Erstens: Die Regierung handelt widersprüchlich.
       Denn die Koalition plant, [3][Wohngeld und Unterhaltsvorschuss zu kürzen] –
       also zwei der Leistungen, die bislang dafür sorgen, dass Menschen mit
       schlecht bezahlten Jobs besser dastehen als ohne Job. Schwarz-Rot mindert
       damit Anreize zum Arbeiten, statt sie zu erhöhen.
       
       Zweitens: Dass Vollzeitbeschäftigte mit Mindestlohn immer ein höheres
       Einkommen haben, ist zunächst ein theoretischer Befund. Praktisch werden
       ergänzende Leistungen wie das Wohngeld nur von einem Teil der Berechtigten
       in Anspruch genommen. Für diejenigen, die nichts von ihren Rechten wissen,
       lohnt sich Arbeit nicht unbedingt. Es ist daher richtig, dass die Regierung
       mit einer Sozialstaatsreform [4][das System einfacher und verständlicher
       machen will.]
       
       Nehmen dadurch mehr Menschen die Leistungen in Anspruch, steigen aber auch
       die Ausgaben des Staates. Drittens wäre daher wichtig, den Mindestlohn
       stärker zu erhöhen als geplant. So würde sich Arbeit häufiger auch ohne
       Geld vom Staat lohnen. Oder anders ausgedrückt: ohne Subventionen der
       Allgemeinheit für miese Gehälter.
       
       27 Oct 2026
       
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