# taz.de -- Sozialer Klimaschutz: Fünf gezielte Maßnahmen, die uns allen helfen würden
> Was kann gleichzeitig für finanzielle Entlastung und Klimaschutz sorgen?
> Eine Studie zeigt Möglichkeiten – zu überschaubaren Kosten.
(IMG) Bild: „Die Bundesregierung sollte den Menschen helfen, sich aus dieser teuren fossilen Abhängigkeit zu befreien.“
Einen Stromkostenzuschuss von 120 Euro pro Jahr für Haushalte mit wenig
Einkommen und vier weitere Maßnahmen könnten Bürger:innen deutlich
entlasten und gleichzeitig den Klimaschutz voranbringen. Das zeigt eine
[1][Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS)] im Auftrag
von Greenpeace und Green Planet Energy mit Unterstützung des Paritätischen
Gesamtverbands.
Der Paritätische repräsentiert mehr als 10.000 Organisationen aus dem
Sozial- und Gesundheitswesen. Die Kosten für die Maßnahmen würden deutlich
unter denen für klimaschädliche Subventionen und der von Bundeskanzler
Friedrich Merz (CDU) angekündigten Senkung der Stromsteuer für alle liegen.
„Öl und Gas werden immer mehr zur Kostenfalle“, sagt Mira Jäger,
Energieexpertin von Greenpeace. „Die Bundesregierung sollte den Menschen
helfen, sich aus dieser teuren fossilen Abhängigkeit zu befreien – gerade
denen mit wenig Geld.“ Bei den Maßnahmen geht es darum, Klimaschutz und
Sozialverträglichkeit zu verbinden.
Den Stromkostenzuschuss in Höhe von 120 Euro soll der Staat über den
geplanten Direktauszahlungsmechanismus automatisch an Bürger:innen mit
niedrigem Einkommen zahlen. Das sind der Studie zufolge rund 18,4 Millionen
Haushalte. Dazu zählen kinderlose Haushalte mit einem zu versteuernden
Einkommen bis zu 30.000 Euro. Leben Kinder im Haushalt, soll die Grenze auf
40.000 Euro steigen. Hinzu kommen Bezieher:innen etwa von
Grundsicherung oder Wohngeld. Die Kosten für den Staat lägen bei rund 2,2
Milliarden Euro jährlich. Eine Senkung der Stromsteuer für alle würde
voraussichtlich mehr als 5 Milliarden Euro kosten.
## Mieterhöhung nur bei energetischer Sanierung
Außerdem fordern die Organisationen ein Social-Leasing-Programm für
Wärmepumpen. Der Einbau der strombetriebenen Alternativen zu fossilen
Heizungen ist teuer. Die Idee: Dienstleister übernehmen die Kosten und
garantieren über drei Jahre, dass die Heizkosten niedriger sind als die für
die Öl- oder Gasheizung. Verbleibende Kosten werden über Raten bezahlt. Der
Staat fördert das unter anderem mit einkommensabhängigen Zuschüssen. Das
würde zwischen 1,1 und 2,2 Milliarden Euro kosten.
Mieten sollen nur noch erhöht werden dürfen, wenn zuvor eine energetische
Sanierung stattgefunden hat. Das würde den Staat nichts kosten.
„Erforderlich sind Anpassungen im Mietrecht, überprüfbare
Effizienzkriterien und eine Reform der Modernisierungsumlage, damit
energetische Sanierungen warmmietenneutral bleiben“, heißt es in der
Studie.
[2][Das Deutschlandticket] soll für Menschen mit wenig Geld günstiger
werden. Ein Sozialticket in Höhe von 19 Euro für rund 1,2 Millionen
Sozialhilfeempfänger:innen würde den Staat 500 bis 550 Millionen
Euro kosten. Auch die E-Auto-Förderung sollte nach den Vorstellungen der
Organisationen einen stärkeren sozialen und klimapolitischen Fokus haben
und Hybrid-Fahrzeuge ausschließen.
## Sinnvolle Abwrackprämie
Die bisher vorgesehene Gesamtfördersumme von 3 Milliarden Euro bis 2029
soll bestehen bleiben, aber die Einkommensgrenze für Empfänger:innen
auf 60.000 Euro Jahreseinkommen gesenkt werden. Der Kauf gebrauchter
E-Autos und E-Bikes sollen ebenfalls gefördert werden. Für sehr alte
Verbrennerautos ist eine Abwrackprämie vorgesehen.
Alles zusammen würden den Staat 3,8 Milliarden bis 5 Milliarden Euro
jährlich kosten – wenig im Vergleich zu den bestehenden umweltschädlichen
Zuschüssen: Laut [3][Umweltbundesamt machten klimaschädliche Subventionen
im Jahr 2021 65 Milliarden Euro aus, Tendenz steigend.] Allein der
Tankrabatt, von dem ein Teil an die Ölkonzerne fließt, kostet den Staat in
diesem Jahr 4,1 Milliarden Euro. „Das zeigt: Bisher leistet sich die
Bundesregierung milliardenschwere Subventionen, die in die falsche Richtung
lenken“, resümieren die Studienautor:innen. „Geht sie Reformen beim
Subventionsabbau an, lassen sich Einnahmen zur Finanzierung der
vorgeschlagenen Maßnahmen erschließen.“
27 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.greenpeace.de/sites/default/files/media_type_pdf/2026-10-16_FOES_Ma%C3%9Fnahmen_bezahlbare%20Energie_Mobilitaet.pdf
(DIR) [2] /Deutschlandticket/!t5971678
(DIR) [3] /Klimaschaedliche-Subventionen/!6191709
## AUTOREN
(DIR) Anja Krüger
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