# taz.de -- Proteste gegen Abschiebungen: Demonstrationen am Ort des Geschehens
       
       > Bundesweit haben Menschen gegen Abschiebungen protestiert. In Frankfurt
       > und Düsseldorf sollen neue Abschiebezentren an den Flughäfen entstehen.
       
 (IMG) Bild: Rosa Protest am Münchner Flughafen am 24. Oktober
       
       An mehreren Flughäfen haben am Wochenende in ganz Deutschland hunderte
       Menschen gegen Abschiebungen demonstriert. [1][Die Proteste richteten sich
       gegen die Ausweitung] von Haft, gegen die Brutalisierung der
       Abschiebepraxis und eine Zunahme von Abschiebefällen insgesamt. „Es geht
       nicht nur darum, was passiert, wenn man eine Grenze überquert“, sagte Salah
       Kurdi von der Initiative Welcome United aus Darmstadt, die sich an den
       Protesten am Frankfurter Flughafen beteiligte. „Die Grenze begleitet einen
       auch im Alltag.“
       
       Etwa 500 Menschen schlossen den Protesten in Frankfurt am Terminal 1 an. Im
       westlichen Bereich des Flughafens soll demnächst ein neues Abschiebezentrum
       entstehen. Ab 2027 sollen von dort doppelt so viele Menschen in ihre
       Herkunftsländer abgeschoben werden, als bisher.
       
       In Frankfurt beteiligten sich neben Menschen, denen selbst die Abschiebung
       droht, auch Initiativen wie der Hessische Flüchtlingsrat an der
       Demonstration. Kurdi sagte, dass der Kampf gegen Abschiebungen für viele
       Menschen eine tägliche Auseinandersetzung sei. Diese Kämpfe fänden nicht
       nur an Flughäfen und Grenzen statt, sondern seien auch Teil des Alltags
       geflüchteter Menschen. Dazu gehörten Einschränkungen beim Familiennachzug
       sowie Hürden beim Zugang zu Arbeitsplätzen.
       
       In den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 wurden allein in Hessen 921
       Menschen abgeschoben. Damit wurden dort bereits im ersten Halbjahr nahezu
       so viele Menschen abgeschoben wie im gesamten Jahr 2021. Zuletzt stoppte
       das Verwaltungsgericht Wiesbaden im Eilverfahren [2][die Abschiebung eines
       drei Monate alten Babys in die Türkei.] Das Bundesamt für Migration und
       Flüchtlinge (BAMF) hatte dem Säugling in einem beschleunigten Verfahren die
       Abschiebung ohne seine Eltern angedroht.
       
       ## Aktivisten sprechen von Folter
       
       Auch in Düsseldorf soll am Flughafen ein Asylgrenzzentrum entstehen, in dem
       auch Familien interniert werden sollen – dagegen protestierten am Samstag
       etwa 80 Menschen im Terminal. Auf Transparenten und in ihren Redebeiträgen
       beklagten sie die zunehmende Brutalisierung der Abschiebungen. Sie
       kritisieren den geplanten Bau eines Abschiebegefängnisses in
       Mönchengladbach und die Zusammenarbeit der deutschen Behörden mit dem
       afghanischen Taliban-Regime.
       
       Abschiebehaft, so betonten mehrere Rednerinnen und Redner, habe nichts mit
       begangenen Straftaten zu tun. Sie diene allein dazu, Abschiebungen für die
       Behörden zu erleichtern. Zugleich kritisierten sie die zunehmende
       Brutalität gegenüber den Inhaftierten in den Abschiebeeinrichtungen. Auf
       psychische Krisen reagiere man dort, berichtete eine Rednerin, mit
       Isolationshaft.
       
       „Stellt euch vor, ihr liegt nachts in einer Zelle im Abschiebegefängnis.
       Und dann geht das Licht an und ihr müsst ein Lebenszeichen geben“,
       berichtet Frank Gockel vom Verein „Hilfe für Menschen in Abschiebehaft
       Büren“. Im Abschiebegefängnis Büren sollen Menschen über so genannte
       „Lebenszeichenkontrollen“ regelmäßig geweckt werden, in Abständen von 15
       Minuten. Bei einem dokumentierten Fall seien es sechs Wochen mit 5.000
       Lebenskontrollen gewesen sein. „Wer ohnehin Angst vor einer Abschiebung
       hat, hat nicht einmal Zeit für Schlaf und Ruhe“, sagte Gockel, der seit 30
       Jahren jede Woche Gefangene im Abschiebegefängnis in Büren besucht.
       
       Auch Lizzy Schubert, Düsseldorfer Bundestagsabgeordnete der Linken,
       kritisiert die Abschiebung insbesondere von Kindern und Babys. „Wir sind
       auf einer neuen Ebene der Unmenschlichkeit angekommen“, klagt sie. Noch
       deutlicher wird Gockel in seiner Kritik der Isolationsstationen mit
       Schlafentzug in Abschiebegefängnissen: „Andere mögen sagen, die ist
       notwendig, ich nenne das Folter.“
       
       25 Oct 2026
       
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