# taz.de -- Proteste an Flughäfen: Sofortiger Abschiebestopp gefordert
       
       > An Flughäfen demonstrieren bei einer bundesweiten Aktion Hunderte gegen
       > Abschiebungen. Die EU will Frontex derweil zur zentralen Abschiebeagentur
       > machen.
       
 (IMG) Bild: Protest in Berlin, München, Leipzig und Frankfurt (Main). Besonders die Flüge nach Afghanistan stehen in der Kritik
       
       dpa/rtr | Bei einem bundesweiten Aktionstag haben an mehreren Flughäfen
       Hunderte Menschen gegen Abschiebungen und Abschiebehaft demonstriert.
       
       In der Nähe des Münchner Flughafens in Oberding protestierten am Samstag
       gut 700 Menschen. In Leipzig schätzte die Polizei die Zahl der
       Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf rund 400, in Frankfurt auf rund 300 und
       in Berlin-Brandenburg auf rund 150 Menschen. An den Airports Köln/Bonn und
       Düsseldorf sprach die Polizei von jeweils rund 50 Demonstranten.
       
       Das Aktionsbündnis ging von höheren Zahlen aus und sprach von „mehreren
       Tausend Personen“, die sich an den Aktionen der verschiedenen Initiativen
       beteiligt hätten. Parallel zu den Protesten an den Flughäfen Berlin,
       Düsseldorf, Frankfurt, Köln, Leipzig und München habe es Demonstrationen in
       weiteren Städten gegeben – darunter in Bielefeld und Hannover.
       
       ## Frontex soll zentrale Abschiebeagentur werden
       
       Die EU will laut einem Vorabbericht deutlich Asylbewerber aus Europa
       abschieben. „Wir setzen die europäische Migrationswende konsequent fort.
       Wir werden am Dienstag (27. Oktober 2026) einen Gesetzesvorschlag
       präsentieren, um Frontex breiter und stärker aufzustellen. Insbesondere
       muss Frontex zur zentralen EU-Abschiebeagentur gemacht werden. Wer kein
       Recht hat, ‌in der EU zu bleiben, muss sie auch tatsächlich verlassen“,
       sagte der zuständige EU-Erweiterungskommissar Magnus Brunner der Welt am
       Sonntag vorab. Nach dem Willen der EU-Kommission soll demnach künftig ein
       „Abschiebe-Koordinationszentrum“ in Europa entstehen, bei dem Frontex eine
       zentrale Rolle spielen wird.
       
       ## Von Leipzig/Halle aus mehrere Abschiebeflüge nach Afghanistan
       
       Gegen die [1][Abschiebungen abgelehnter Asylbewerber], die Abschiebehaft
       und den Ausbau von Infrastrukturen für diesen Zweck richtet sich der
       bundesweite Protest in Deutschland.
       
       In Leipzig ging es vor allem um Charter-Abschiebungen nach Afghanistan. Vom
       Flughafen Leipzig/Halle aus sind in diesem Jahr bereits mehrfach
       Abschiebeflüge nach Afghanistan gestartet. Nach Behördenangaben befanden
       sich an Bord zumeist Straftäter.
       
       „Wir fordern einen sofortigen Abschiebestopp, weil Schutzsuchende ein Recht
       auf Asyl haben“, sagte eine Sprecherin des Aktionsbündnisses. Dass
       ausgerechnet die deutsche Regierung dieses Recht mit Füßen trete und zudem
       [2][bei den Abschiebungen] mit den Taliban zusammenarbeite, sei
       fürchterlich.
       
       ## Proteste gegen geplante „Abschiebeterminals“
       
       In Frankfurt richten sich die Proteste laut dem Netzwerk „We’ll come
       united“, das gemeinsam mit regionalen Akteuren zu den Protesten aufgerufen
       hatte, auch gegen ein geplantes „Abschiebeterminal“.
       
       Das Geld, das für Abschiebungen ausgegeben werde, sollte stattdessen in
       Maßnahmen zur Integration geflüchteter Menschen investiert werden, sagte
       eine Sprecherin: „Wir wenden uns gegen jegliche Infrastruktur hinter
       Abschiebungen und fordern Bewegungsfreiheit für alle Menschen.“
       
       Auch am Flughafen München soll demnach ein eigenes „Abschiebeterminal“
       gebaut werden, um den Abschiebeprozess zu beschleunigen und zu erleichtern.
       Dort hatte die Kampagne „Abschiebeterminal MUC verhindern!“ zu Protesten
       aufgerufen. Sie kritisiert, dass der Flughafen mit dem Ausbau Infrastruktur
       für mehr Abschiebungen bereitstelle und wirtschaftlich davon profitiere.
       
       ## Rückführungsquote bei über 30 Prozent
       
       Laut EU-Kommissar Magnus Brunner ist die Zahl der Rückführungen in der EU
       im laufenden Jahr deutlich angestiegen. Demnach liegt die Rückführungsquote
       [3][illegaler Migranten] in den ersten zehn Monaten des laufenden Jahres
       bei über 30 Prozent, schreibt die Zeitung. „Das ist noch nicht genug“,
       ‌sagte dazu der frühere Finanzminister Österreichs weiter. Im
       vergleichbaren Vorjahreszeitraum wurde laut Vorabbericht nur jeder fünfte
       (20 Prozent) abgelehnte Asylbewerber aus der EU in sein Heimatland oder ein
       anderes ⁠Drittland abgeschoben.
       
       Wie Welt am Sonntag unter Berufung auf informierte Kreise der EU-Kommission
       weiter berichtet, ist Frontex unterdessen, trotz eines Haushalts von mehr
       als einer Milliarde Euro im Jahr 2026, das Geld für ‌das sogenannte
       ‌EU-Reintegrationsprogramm ausgegangen. Mit dem Geld wird Personen, die
       freiwillig zurückkehren, ⁠eine finanzielle Unterstützung für eine
       Reintegration in ihrem Heimatland angeboten. Grund dafür ist, dass die
       Nachfrage nach dem Programm zuletzt ‌stark angestiegen ist. Laut internen
       Zahlen der ‌EU-Kommission wurden bis Oktober bereits über 21.200 Personen
       registriert – ein Plus von rund 59 Prozent gegenüber dem vergleichbaren
       Vorjahreszeitraum, schreibt die ‌Zeitung vorab.
       
       25 Oct 2026
       
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