# taz.de -- Der Kanzler und die Frauen: Friedrich Merz jetzt Feminist
> Wenn eine Frau Bundespräsidentin wird, dann soll das schon
> Gleichberechtigung sein. Der Kanzlerposten aber bleibt beim Mann.
(IMG) Bild: Merz versteht die Frauen, sagt er, aber die Frauen verstehen ihn nicht. Seine Ehefrau Charlotte hatte dafür immerhin 40 Jahre Zeit
Bei Loriot verstehen Männer und Frauen einander nicht, und je mehr
beispielsweise Hermann aus „[1][Das Frühstücksei]“ erklärt, was er mit
„hart“ meint, desto prekärer wird seine Situation. Bei Friedrich Merz ist
es ganz ähnlich: Er selbst versteht sich ausgezeichnet. Aber die Frauen
verstehen ihn meistens nicht. Und seine Berater beten dann, er möge bloß
nicht anfangen zu erklären, was er eigentlich gemeint hat.
Doch nun hat der Bundeskanzler zum Befreiungsschlag in Sachen Feminismus
ausgeholt. Diese Woche verkündete er: Eine Frau soll nach Bundespräsident
Frank-Walter Steinmeier ins Schloss Bellevue einziehen. Eine Frau! Wie
überaus großzügig. Damit dürfte wohl klar sein, dass er tatsächlich ein
Frauenversteher ist, wie er schon seit Jahren betont hat: [2][„Wenn ich
wirklich ein Frauenproblem hätte, wie manche sagen, dann hätten mir meine
Töchter längst die Gelbe Karte gezeigt – und meine Frau hätte mich] nicht
vor 40 Jahren geheiratet.“
Wird eine Frau Bundespräsidentin, dürfte andererseits natürlich
nachvollziehbar sein, dass es damit dann erst einmal gut sein muss mit dem
Feminismus. Bundeskanzler hat entsprechend auch bei der nächsten
Bundestagswahl selbstredend ein Mann zu werden, vorzugsweise der von
Charlotte Merz. Letztere hat den Vorteil, dass sie über 40 Jahre Zeit
hatte, den Friedrich verstehen zu lernen. Eine endlos wirkende Zeit, wenn
man bedenkt, wie quälend lang einem bereits die 18 Monate seit dem
Amtsantritt des Kanzlers vorkommen.
Doch vielleicht entwickelt Merz doch noch Mutti-Qualitäten. An der nötigen
Emotionalität scheint es dem über Nacht zum Feministen gereiften Kanzler
jedenfalls nicht zu fehlen. Bei [3][der Verleihung des Deutschen
Schulpreises Ende September flossen Tränen], bei der [4][Wiedereröffnung
der Münchner Synagoge] ein Jahr zuvor ebenfalls. Auch bei einer Rede über
die Ukraine rang der Kanzler um Fassung. In der Disziplin Rührung ist er
inzwischen jedenfalls bestens aufgestellt.
Nur wenn Frauen ihm erklären, was sie bedrückt, und ihn dabei sogar noch
öffentlich kritisieren, ist es mit der Empathie bisweilen schnell vorbei.
Vielleicht sollten seine Berater Merz in Dauerschleife Loriots
„Frühstücksei“ vorspielen, auf das ihm die Erkenntnis kommt: Manchmal liegt
das Problem nicht am Ei, sondern an dem Mann, der es erklärt.
6 Nov 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.youtube.com/watch?v=RSedWsrRkbY
(DIR) [2] https://www.kas.de/documents/d/geschichte-der-cdu/33-parteitagsprotokoll_2021_internet?utm_source=chatgpt.com#page=71
(DIR) [3] https://www.zdfheute.de/video/zdfheute-xpress/deutscher-schulpreis-merz-geruehrt-video-100.html?utm_source=chatgpt.com
(DIR) [4] https://www.bundeskanzler.de/bk-de/aktuelles/video-merz-synagoge-muenchen-2384372?utm
## AUTOREN
(DIR) Silke Mertins
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