# taz.de -- Mark Dittli wird NZZ‑Chefredakteur: Der neue Chef, der nicht ganz ins Bild passt
> Ab Februar bekommt die Schweizer „Neue Zürcher Zeitung“ einen neuen
> Leiter. Auf Eric Gujer folgt Mark Dittli – eine für die Zeitung
> überraschende Wahl.
(IMG) Bild: Ab Februar 2027 übernimmt Mark Dittli an der Falkenstraße in Zürich
Die „Zyrizitig“, zu Deutsch die [1][Neue Zürcher Zeitung,] bekommt einen
neuen Chef: Mark Dittli übernimmt am 1. Februar 2027 von Eric Gujer. Eine
kleine Revolution: Eigentlich sollte der Posten intern besetzt werden.
Dittli war bislang kein Redakteur an der Falkenstraße, unweit des Zürcher
Seeufers und der Oper, wo die Redaktion sitzt. Seit langer Zeit wird damit
wieder ein Externer Chefredakteur.
Der 1974 in Zürich geborene Finanz- und Wirtschaftsjournalist Dittli kam
über Umwege in die Branche: Er machte eine kaufmännische Lehre bei der
Fluggesellschaft Swissair, dem „Grössten, was es gab“, wie es in seinem
Profil beim Magazin Republik heißt, studierte Betriebsökonomie und stieg
2000 bei der Wirtschaftszeitung Finanz und Wirtschaft ein.
Dort war er Auslandskorrespondent in New York und von 2012 bis 2017
Chefredakteur. 2019 lancierte er mit sechs Partnern das Finanzmagazin The
Market, das die NZZ Ende 2023 vollständig übernahm. Das Argument des
Verwaltungsrats: Dittli verstehe KI, digitale Produkte und veränderte
Lesegewohnheiten.
## Eine ungewöhnliche Wahl
Dittlis CV passt nicht ganz ins NZZ-Bild. 2018 schrieb er für das
genossenschaftlich organisierte Online-Magazin Republik und leitete dessen
Redaktion von Juni bis Herbst 2018 vorübergehend mit. Die Republik gilt in
der Schweizer Medienszene als links bis linksliberal, sie hat sich mehrfach
auch kritisch mit der NZZ auseinandergesetzt.
Die NZZ dagegen versteht sich als liberale Qualitätszeitung; unter
Chefredaktor Eric Gujer wurde sie von Kritiker:innen jedoch zunehmend
als rechtsliberal bis rechtskonservativ wahrgenommen.
Als Favorit für den Posten des Chefs galt zuletzt eher Benedict Neff, der
heutige Auslandschef und von Gujer jahrelang als Kronprinz aufgebaute
Publizist mit Erfahrung im Berliner Büro und bei Axel Springer. Auch
deshalb, schreibt die linke Wochenzeitung [2][WOZ] aus Zürich, sei die Wahl
Dittlis „eine Niederlage für NZZ-General Eric Gujer, der gerne einen
Rechtsausleger als Nachfolger installiert hätte“.
Von rechts kam bereits Gegenwind: Der Medienkolumnist Kurt W. Zimmermann
hielt Dittli in der Weltwoche die Republik-Zeit vor und unterstellte ihm
eine linke Orientierung. Die NZZ selbst spricht von einer „klaren liberalen
Grundhaltung“.
Was wiederum ins Bild passt: Dittli hat mit The Market etwas aufgebaut, das
in einer kriselnden Branche, von der die NZZ nicht ausgenommen ist,
erstaunlich gut läuft.
## Gujer geht gen Norden
Wenn einer auf den Posten kommt, muss ein anderer gehen: Dieser andere ist
Eric Gujer, der die NZZ aber nicht verlässt. Er wechselt als „Herausgeber“
zur Deutschland-Ausgabe. Dort hat er der NZZ in den letzten Jahren
Reichweite und Gewicht verschafft und eine auffällige [3][AfD]-Nähe.
Auch in der Schweizer Ausgabe war unter Gujer eine Verschiebung nach rechts
festzustellen. Gujer provozierte gerne und versetzte damit Schweizer Linke
regelmäßig in Wallungen: Im Juli 2024 überschrieb er einen Kommentar mit
„Aussenpolitisch ist Kamala Harris das grössere Risiko als Trump“, im April
2018 seinen Deutschland-Newsletter mit „Die AfD ist für den Bundestag ein
heilsamer Schock“. Auch in der Redaktion war er wegen seines Führungsstils
umstritten.
Ob Dittlis Amtsantritt eine tatsächliche Kurskorrektur bedeutet oder nur
eine personelle Umbesetzung bleibt, wird sich erst zeigen. Solange Gujer
die Deutschland-Ausgabe prägt, ist eine grundlegende Neuausrichtung nicht
absehbar.
23 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Rahel Bueb
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