# taz.de -- Die Zukunft des Heizens: Die Grüngasquote und ihre Bedeutung
       
       > Gas- und Ölheizungen benötigen bald einen Anteil an Bioenergie aus der
       > Landwirtschaft. Das wird teuer. Bezahlen sollen die Mehrkosten
       > Privathaushalte.
       
 (IMG) Bild: Energieträger der Zukunft: Eine Kuh bei Wittstock in Brandenburg
       
       Gas- und Ölheizungen in Wohngebäuden müssen bald mit einem kleinen, aber
       zunehmenden Anteil klimafreundlicher Brennstoffe versorgt werden. Wie das
       gehen soll.
       
       Die neue Quote: Unternehmen, die Heizgas und -öl verkaufen, sollen ab 2028
       [1][klimaneutrale oder kohlenstoffarme Brennstoffe] beimischen. Erdgas
       würde dann etwa einen geringen Anteil Biogas aus der Landwirtschaft
       enthalten. Das Bundeswirtschaftsministerium nennt das [2][„Grüngas/
       Grünheizölquote“]. 2028 soll der Anteil 1 Prozent betragen, 2030 5 Prozent,
       2035 20 Prozent, 2040 schon 50 Prozent. Danach sind schnelle Steigerungen
       auf 100 Prozent vorgesehen. Wie das alles umgesetzt wird, ist noch unklar.
       Bisher gibt es nur ein zweiseitiges Eckpunkte-Papier aus dem Haus von
       Ministerin Katherina Reiche (CDU).
       
       Was das soll: Die Quote ist ein Teil der Neuregelung, mit der die
       Union-SPD-Regierung das Gebäudeenergiegesetz der vorhergehenden
       SPD-Grüne-FDP-Koalition ersetzt. Darin stand: Alte Gas- und Ölheizungen
       dürfen höchstens 30 Jahre laufen. Danach sind moderne Heizungen einzubauen,
       die zu 65 Prozent mit erneuerbarer Energie arbeiten. Mit dem jetzt neuen
       [3][Gebäudemodernisierungsgesetz] dürfen alte Gas- und Ölheizungen bleiben
       und auch neue eingebaut werden. Das Ziel, bis 2045 klimaneutral zu sein,
       gilt aber weiter. Auch Heizungen sollten dann im Prinzip kein
       klimaschädliches CO2 mehr ausstoßen. Die Grüngasquote betrifft den
       Brennstoff für alle Heizungen in Wohngebäuden, egal ob sie alt oder neu
       sind.
       
       Die „Biotreppe“: Für neue Gas- und Öl-Heizungen gibt es eine zusätzliche
       Regelung, die „Biotreppe“. Wer ein Haus besitzt, muss einen Vertrag mit dem
       Gas- oder Öllieferanten abschließen, dass der fossile Brennstoff ab 2029
       zunächst 10 Prozent klimafreundliche Beimischung enthält. Bis 2040 steigt
       dieser Anteil auf 60 Prozent.
       
       Warum Quote und Treppe? Die Regierung will sowohl die Verbraucher:innen
       als auch die Gas- und Ölkonzerne anhalten, ihren Teil beizutragen. Die
       Biotreppe gilt für Wohn- und Gewerbegebäude, betrifft also auch die neuen
       Heizungen von Bäckereien, Werkstätten und anderen Firmen. Die Grüngas- und
       Grünölquote soll dagegen nur für Wohngebäude angewandt werden. „Die
       Verbrauchsmengen von Industrie und Gewerbe (…) werden von der
       Quotenverpflichtung ausgenommen“, heißt es in den Eckpunkten des
       Wirtschaftsministeriums. Eine Sprecherin schreibt zur Erklärung: „Industrie
       und Gewerbe stehen unter Kostendruck, besonders, wenn sie im
       internationalen Wettbewerb tätig sind.“ Claudia Kemfert vom Deutschen
       Institut für Wirtschaftsforschung fasst das so zusammen: „Offenbar sollen
       Unternehmen vor zusätzlichen Energiekosten geschützt werden.“
       
       Folgen für Privathaushalte: Sie würden die Kosten der Biogas-Ökonomie wohl
       alleine tragen. Und dass diese steigen, vermuten die meisten Fachleute.
       Denn damit Rohbiogas aus der Landwirtschaft in Gebäudeheizungen verfeuert
       werden kann, braucht es zusätzliche Anschlüsse an das Gasnetz und neue
       Aufbereitungsanlagen. Die Brennstoffpreise bei Biomethan-Beimischung
       könnten „bis 2030 real um 25 Prozent und bis 2040 um 130 Prozent gegenüber
       heutigen Erdgaspreisen steigen“, sagt Kemfert. Auch der Verband der Gas-
       und Wasserstoffwirtschaft geht von Kostensteigerungen aus, allerdings von
       nicht ganz so hohen.
       
       Warum die Regierung auf Gas setzt: Das mögliche ökonomische Kalkül
       beschreibt Grünen-Energiepolitiker Michael Kellner so: Die neue
       Grüngasquote „dient auch dazu, die Gasinfrastruktur am Laufen zu halten“.
       Mehr als 500.000 Kilometer Leitungen umfasst das hiesige Netz, Dutzende
       Milliarden Euro an Investitionen stecken darin. Damit möchten die Firmen
       noch möglichst lange Geld verdienen. Wobei selbst der Gasverband davon
       ausgeht, „dass sich der Gasbedarf im Wärmemarkt bis 2045 ungefähr
       halbiert“. Bis dahin werden wohl Ökostrombetriebene Wärmepumpen einen
       großen Teil übernehmen, weil Elektrizität billiger ist als Gas.
       
       Förderung der Landwirtschaft: Biogasanlagen gehören oft
       landwirtschaftlichen Betrieben, sie bieten zusätzliche
       Einkommensmöglichkeiten für Bauern. Dieses Klientel liegt der Union
       besonders am Herzen.
       
       Ist das ein Weg zur Klimaneutralität? Auf dem Papier ja. Es fällt aber auf,
       dass sowohl die Quote für Grüngas und -öl als auch die Biotreppe in den
       kommenden zehn Jahren eher langsam ansteigt. Die größte Zunahme ist
       zwischen 2035 und 2045 geplant. Unklar, ob das dann durchsetzbar ist.
       Merkwürdig ist auch, wie Gewerbeheizungen bis 2045 komplett klimaneutral
       werden sollen, wenn sie die Quote bis dahin nicht erfüllen müssen. Der
       Bundesverband Erneuerbare Energien empfiehlt deshalb, auch Industrie und
       Gewerbe schon früher einzubeziehen.
       
       26 Oct 2026
       
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