# taz.de -- Drohnentraining in der Ukraine: Die Front hält stand – aber Ukrainer fürchten um ihre Städte
> Vor dem Hintergrund der Gespräche zwischen Wladimir Putin und Steve
> Witkoff befürchten Ukrainer noch heftigere Angriffe auf ihre Großstädte.
(IMG) Bild: Drohnendetektoren und Netzwerfer ukrainischer Hersteller werden auf einem Truppenübungsplatz getestet
Eine Gruppe ukrainischer Soldaten bewegt sich im Schutz eines Waldrandes,
als ihr Drohnendetektor einen Angriff meldet. Zwei der Soldaten verstecken
sich im Gebüsch, der dritte lässt die Drohne auf 15 Meter an sich
herankommen, dann beschießt er sie mit einem Netzwerfgerät. Das Netz
entfaltet sich in der Luft und verfängt sich in den Rotorblättern der
Drohne, woraufhin diese abstürzt.
So werden auf einem Truppenübungsplatz in der Zentralukraine
Drohnendetektoren und Netzwerfer ukrainischer Hersteller getestet. Soldaten
der Spezialeinheit „Omega“ üben hier für den Ernstfall. Schon bald werden
sie diese Fähigkeiten unter realen Kampfbedingungen benötigen.
Im vergangenen Monat sind sowohl die Kämpfe an der Front als auch der
russische Beschuss im ganzen Land intensiver geworden. Vor dem Hintergrund
der sich verschlechternden Beziehungen zu den USA und der Wiederaufnahme
der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Moskau und Washington bereiten sich die
Ukrainer auf eine Intensivierung des Krieges vor.
## Drohnenabwehr durch Zivilisten
Nach dem Training zeigt der 32-jährige Soldat mit dem Rufzeichen „Poljak“
seinen Netzwerfer. Das schwarze Einweggerät ähnelt einer Pistole und
arbeitet mit Pyropatronen. Mit dem so abgefeuerten Netz lassen sich
russische FPV-Drohnen in sicherem Abstand zum Menschen abfangen.
„Dieser Krieg ist ein Drohnenkrieg. Deshalb setzen wir alles ein, was wir
können: Drohnendetektoren, Pumpguns, und mittlerweile hat auch jeder von
uns solche Netzwerfer. Technisch suchen wir immer nach neuen Lösungen“,
sagt „Poljak“.
Sein Netzwerfer stammt vom ukrainischen Hersteller BlueBird, der die
Produktion erweitern und ausbauen will. „Mit der Zeit lassen sich solche
Netzwerfer vergrößern, um sie auch gegen schwere Bomberdrohnen
einzusetzen“, sagt der Soldat.
Das Gerät gelte offiziell nicht als Waffe, sondern gemäß der ukrainischen
Zertifizierung als Mittel zum persönlichen Schutz, fügt „Poljak“ noch
hinzu. Deshalb dürfen auch Zivilisten sie verwenden. Im freien Handel
kostet so ein Netzwerfer etwa 60 Euro.
„Alle können diese Geräte nutzen: Landwirte im Gebiet Cherson, Freiwillige
und alle, die Lebensmittel an die Front transportieren. Also fast alle, die
sich in der Nähe der Todeszonen, der sogenannten ‚Killing zones‘ aufhalten.
Und diese Zonen werden immer größer, die Drohnen fliegen immer weiter
hinein“, erklärt „Poljak“.
## Intensivierung von Angriffen im ganzen Land
Nicht nur die Todeszonen werden größer, sondern auch die Reichweite
russischer Bomben und Raketen: Russische Lenkbomben, früher vor allem eine
Gefahr in frontnahen Städten, haben am 19. Oktober zum Beispiel Wohnhäuser
in der Großstadt Dnipro zerstört.
Und bereits am 17. Oktober hatte Präsident Selenskyj bei einem
Onlinegespräch mit Journalisten erklärt, dass Russland nun vermutlich auch
vermehrt die Westukraine angreifen werde. Weshalb die Ukraine auch dort
ihre Luftabwehr verstärke.
Vor dem Hintergrund der [1][Entscheidung von Donald Trump, die Sanktionen
gegen Russland zu lockern], ist Kyjiw weiterhin massiven Angriffen
ausgesetzt. Innerhalb von 35 Tagen wurde die Stadt allein viermal mit
verschiedenen ballistischen Raketen angegriffen.
„Meine Freundin in Kyjiw schafft es in den drei Minuten zwischen Luftalarm
und russischem Angriff nicht mehr bis zum Schutzraum. Das liegt daran,
[2][dass uns die amerikanischen Partner vor den letzten Angriffen auf Kyjw
keine Aufklärungsdaten mehr übermittelt haben]“, sagt Soldat Vitalij
Ovcharenko, der aktuell im Gebiet Donezk kämpft, am Telefon gegenüber der
taz. „Hier an der Front ist die Kampfmoral nach wie vor sehr hoch, die
Front hält stand, aber ich mache mir Sorgen, [3][dass unsere Städte im
Hinterland nicht durchhalten].“
Er und seine Kameraden seien schockiert darüber, dass der US-Präsident die
Ukraine zu einem ungerechten Frieden zwingen wolle: „Früher war Amerika für
uns ein Symbol der Freiheit. Clinton sagte, dass die Amerikaner immer an
unserer Seite stehen würden, da wir [4][im Rahmen des Budapester
Memorandums] auf Atomwaffen verzichtet haben. Und nun zwingt uns dieses
Land zur Kapitulation und verbündet sich mit Russland, dem dunklen,
totalitären Bösen.“
Aus dem Ukrainischen Gaby Coldewey
21 Oct 2026
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