# taz.de -- „Friedensverhandlungen“ in Oslo: Selenskyjs Abwehrkampf gegen Trump
> Washingtons maßlose Forderungen belasten Verhandlungen über einen
> möglichen Waffenstillstand. Kremlchef Putin lockt mit lukrativen
> Wirtschaftsdeals.
(IMG) Bild: Immerhin, es wird gesprochen: das Treffen in Oslo im Dienstag
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj muss sich der neuesten Volte
von US-Präsident Donald Trump erwehren. Dazu versuchte er am Dienstag bei
einem kurzfristig angesetzten Treffen mit Trumps Unterhändler [1][Steve
Witkoff] in Oslo, die Forderung abzuwehren, die Ukraine solle für ein
Waffenstillstandsabkommen den Donbass im Osten seines Landes an Russland
abtreten.
Nach Informationen der New York Times aus dem Weißen Haus und
diplomatischen Kreisen verlange Trump inzwischen von Selenskyj, Russland
territoriale Zugeständnisse zu machen, um den Krieg zu beenden. Einen
entsprechenden Vorschlag Trumps habe Witkoff im Gepäck.
In Oslo sprachen Selenskyj und Witkoff über die US-Friedensideen. Auch
gemeinsame und bilaterale Gespräche mit Norwegens Ministerpräsident Jonas
Gahr Støre und Finnlands Präsident Alexander Stubb fanden statt. Bis
Redaktionsschluss lagen noch keine Ergebnisse vor. Støre zufolge habe die
Ukraine ihre Partner Norwegen und Finnland um Unterstützung bei den
Gesprächen gebeten.
Deshalb blieb zunächst unklar, ob Selenskyj im Gespräch mit Witkoff und dem
per Video zugeschalteten Trump-Schwiegersohn Jared Kushner auch mit der
Frage konfrontiert wurde, auch die bisher nicht von der russischen Armee
eroberten Gebiete des Donbass an Russland abzutreten. Die US-Unterhändler
wollen aber offenbar vor ihrem Besuch bei Putin in dessen Heimatstadt Sankt
Petersburg am Mittwoch einen klassischen „Deal“ erreichen.
## Zu russischen Bedingungen
Denn laut der NYT solle Witkoff dem ukrainischen Staatschef klarmachen,
„dass auch für die Ukraine Geld zu verdienen sei, wenn sie nur ihre
Einwände gegen ein Abkommen fallen ließe, selbst wenn dieses weitgehend zu
russischen Bedingungen verfasst sei“. Es lohne sich nicht, an den besetzten
Teilen der östlichen Provinzen festzuhalten.
Der russische Machthaber Wladimir Putin hatte in die russische Verfassung
neben der annektierten ukrainischen Halbinsel Krim die ukrainischen Oblaste
Luhansk, Donezk, Saporischschja und [2][Cherson] als russisches
Staatsgebiet festschreiben lassen. Vor allem Cherson und Saporischschja
sind noch mehrheitlich in ukrainischer Hand. Im Gebiet Donezk werden die
stark befestigten Städte Slowjansk, Kramatorsk und Kostjantyniwka noch von
der Ukraine gehalten. Hätte Russland die Kontrolle über sie, wäre es für
die Ukraine schwer, die westlich gelegenen Gebiete in Richtung
Saporischschja zu halten.
Kurz vor dem Oslotreffen hatte Trump gesagt: „Russland hat sich in der
Ukrainefrage gut verhalten.“ Vor dem Aufbruch zu einer
Wahlkampfveranstaltung sagte er: Die Russen „haben nicht viel unternommen“,
ohne die russischen Raketen und Jet-getriebenen Drohnen zu erwähnen, die
nun seit Wochen ukrainische Städte terrorisieren sowie Wohnhäuser und
Energieinfrastruktur zerstören.
Rechtswidrig hält Washington laut Medienberichten bereits von Nato-Staaten
bezahlte US-Abwehrraketen für die Ukraine zurück. Dadurch hat die
ukrainische Armee vor allem Raketen und Marschflugkörpern kaum noch etwas
entgegenzusetzen. Trump, der nach seinem Amtsantritt auch die finanzielle
Hilfe für die Ukraine ausgesetzt hatte, behauptete: „Wir haben der Ukraine
viel gegeben. Sie haben uns nichts gegeben. Merkt euch das.“
## Nur in Umrissen
Trump, der kürzlich Selenskyjs Abgang forderte, behauptete auch, dass
Selenskyj „diesen Krieg nicht beenden will und es wahrscheinlich auch nie
wollte“. Wie Trumps „Deal“ am Ende aussehen soll, ist bisher nur in
Umrissen klar. So soll Russland im Falle erfolgreicher Vermittlung bei
einem Waffenstillstand bereit sein, die milliardenschweren Vermögenswerte
des größten privaten russischen Ölkonzerns, des unter westliche Sanktionen
gestellten Lukoil-Konzerns, an US-Investoren zu verkaufen.
Die eine verbliebene der drei Nord-Stream-Röhren solle demnach künftig
unter US-Führung russisches Erdgas nach Europa liefern. Zudem hat Putins
Unterhändler Kyrill Dmitrijew laut Berichten Witkoff und Kushner Pläne für
einen gigantischen russisch-amerikanischen „Wirtschaftsneustart“ eröffnet:
Dazu gehören Energie- und Rohstoffgeschäfte, eine mögliche Rückkehr von
ExxonMobil ins Sachalin-Gasprojekt und Kooperationen in der Raumfahrt –
etwa eine gemeinsame Marsmission.
20 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Mathias Brüggmann
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