# taz.de -- Ausschreitungen in Italien: Mit Härte gegen gewaltsame Proteste
> Die italienische Regierung hat ein „Sicherheitsdekret“ verabschiedet, das
> sofort in Kraft tritt. Was das für die protestierenden Jugendlichen
> bedeutet.
(IMG) Bild: Demonstrantinnen im Rücken einer Polizeikette in Mailand am letzten Sonntag
Nach den heftigen Ausschreitungen in Mailand am vergangenen Wochenende
reagiert Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni mit harter Hand. Ihre
Regierung verabschiedete am Dienstagabend ein neues „Sicherheitsdekret“,
das sofort in Kraft tritt und vor allem auf gewaltbereite Minderjährige
zielt.
„Wer zerstört, der zahlt“, erklärte Meloni unmittelbar nach der
Kabinettssitzung in einem kurzen Videoclip. Gezahlt wird mit höheren
Strafen, aber auch mit der finanziellen Entschädigung der angerichteten
Schäden, für die bei Minderjährigen in Zukunft die Eltern aufkommen müssen.
Doch im ersten Schritt will die Regierung dafür Sorge tragen, dass es gar
nicht erst zu Ausschreitungen kommt. So soll auch für Minderjährige der
bisher nur für Erwachsene mögliche präventive Sicherheitsgewahrsam
eingeführt werden: Wenn die Polizei überzeugt ist, dass von einer Person
Gefahr ausgeht, kann diese für bis zu 12 Stunden festgesetzt werden.
Doch der Sicherheitsgewahrsam soll nicht nur bei Demonstrationen greifen,
sondern auch immer dann an Orten möglich sein, an denen sich „eine
konsistente Anzahl von Personen“ versammelt, sprich zum Beispiel am
Samstagabend in den Ausgehvierteln der Städte. In denen könnte die Polizei
dann ohne viel Federlesen ihr verdächtig erscheinende Jugendliche aus den
Vorstadtvierteln abgreifen.
## Straftatbestand: „Gewalt bei öffentlichen Veranstaltungen“
Vor allem aber wird der neue Straftatbestand der „organisierten Gewalt bei
öffentlichen Veranstaltungen“ eingeführt. Wer immer in einer Gruppe von
mindestens fünf Personen Knallkörper oder Steine wirft oder mit Stangen und
Knüppeln zu Werk geht, muss mit Haft zwischen 2 und 5 Jahren sowie mit
einer Geldstrafe von bis zu 20.000 Euro rechnen.
Den Organisatoren der Ausschreitungen wiederum droht Haft von 5 bis zu 12
Jahren. Betroffen wären auch diejenigen, die „mittels Informatik- oder
telematischen Mitteln“, sprich über Social Media, zu Protesten aufrufen.
Zugleich will die Regierung Entschädigungszahlungen für angerichtete
Schäden beschleunigen. Statt langwieriger Klagewege für Betroffene gilt in
Zukunft: Bei Beschädigung öffentlicher Einrichtungen kann der Präfekt
sofort eine Zahlungsaufforderung zuschicken, während zum Beispiel
geschädigte Ladeninhaber bei Gericht direkt einen Zahlungsbefehl erwirken
können. Für minderjährige Täter werden ihre Eltern in Haftung genommen.
Zahlen sollen in Zukunft auch die Eltern noch gar nicht strafmündiger
Kinder unter 14 Jahren. Eltern droht eine Geldbuße von 500 bis 1.000 Euro,
wenn ihre Kids an Ausschreitungen beteiligt waren. Diese Norm ist kein
Zufall. Diverse von der Polizei am Sonntag in Mailand Aufgegriffene waren
12 Jahre, der jüngste nur 11 Jahre alt.
## Weitere 500 Soldaten auf Mailands Straßen
Zudem will die Regierung weitere 500 Soldaten auf Mailands Straßen
schicken. Bisher sind dort schon 800 Soldaten im Rahmen des Programms
„Sichere Straßen“ im Einsatz.
Gerne hätte Meloni den Militärs in Zukunft auch Polizeiaufgaben übertragen,
die sie bisher nicht ausüben können, vorneweg die Möglichkeit, Verdächtige
festzunehmen. Doch hier scheiterte sie an einem Veto des Staatspräsidenten
Sergio Mattarella, der das Dekret gegenzeichnen muss.
Es ist kein Zufall, dass das Dekret sich so stark auf Minderjährige
konzentriert. Sie spielten bei den Ausschreitungen am Samstag und erst
recht am Sonntag eine zentrale Rolle. Am Samstag hatten sich einige hundert
Jugendliche von der [1][Demonstration gegen die Teuerung abgespalten, zu
der die Initiative „Italia in piazza“ aufgerufen hatt]e, und sich dann
stundenlange Straßenschlachten mit der Polizei geliefert.
## Minderjährige als Haupttäter
Am Sonntag strömten im Stadtzentrum hunderte meist schwarz gekleidete und
maskierte Kids zusammen, ganz ohne Demo und Parolen, und zogen randalierend
und plündernd durch die City.
Unter den 271 am Sonntag von der Polizei Festgenommenen waren 220
minderjährig, und auch unter den in Haft Genommenen sind 34 Kids unter 18
gegenüber nur 11 Volljährigen. So gut wie alle von ihnen gehören zur
prekären und perspektivlosen Vorstadtjugend Mailands.
21 Oct 2026
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(DIR) Michael Braun
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